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Trialogos: Stroh zu Gold (Review)

Artist:

Trialogos

Trialogos: Stroh zu Gold
Album:

Stroh zu Gold

Medium: LP+DL-Code
Stil:

Post Rock, Minimalismus, Experimentelles, Neo Doom Kraut

Label: Exile On Mainstream Records
Spieldauer: 39:45
Erschienen: 18.06.2021
Website: [Link]

Mit diesem Album feiert nicht etwa eine Band, sondern ein Label einen ganz besonderen Ausgaben-Geburtstag: Exile On Mainstream Records präsentiert seine 100. Album-Ausgabe. Und dass diese besondere Musik, die natürlich definitiv nicht 'Mainstream', sondern sehr außergewöhnlich, experimentell und ideenreich sein muss, wird allen, die dieses Label, das explizit auf Vinyl schwört, bereits kennen, garantiert klar sein.

Und diese Band – oder besser doch dieses Projekt – namens TRIALOGOS, das sich ganz der Idee unterwirft, aus jeder Form von Minimal Music das Maximale herauszuholen, spinnt nicht nur auf einem ihrer Stücke und dem Titel dieses Albums „Stroh zu Gold“, sondern auch im Rahmen der so beliebten Musik-Schubladen, auf denen fett der Begriff Post Rock prangt. Aber nicht nur der europäische der Marke MOGWAI, sondern auch der 'überteichige' kanadische a'la GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR – oder um es mit den Worten des 'Band'-Gründers Ochs auszudrücken: Neo Doom Kraut.

Das hat etwas Gespenstisches und klingt manchmal auch so – beispielsweise wenn die LP-B-Seite mit „Hikikomori“ düster und atmosphärisch beginnt, sogar akustische Gitarren ihren Reigen tänzelnd-tupfernd hinterlassen, um dann auf dem folgenden „Batdance“ mit erst brachialen, verzerrten Rhythmen alles niederwalzen, um kurz darauf elektronisch angehaucht tatsächlich mit Batman ein feines, robotermäßiges Tänzchen beginnen.

Summa summarum bieten einem TRIALOGOS Post Rock im eigenen 'Neo-Doom-Kraut'-Stil mit viel Improvisation, der aufgrund der extremen Stimmungs- und Rhythmus-Schwankungen dem Hörer jede Menge abverlangt, beispielsweise, dass er sich wirklich am Post-Rock-Horizont schon eine dicke Haut zugelegt hat, sich gerne darin bewegt und als hartgesottener Zeitgenosse für so etwa alle Strömungen von Akustisch bis Orchestral, Symphonisch bis Brachial, Kakophonisch bis Harmonisch offen ist. Ja, eben den Minimalismus als maximale Größe versteht, die mehr als aufgeblasenen Bombast oder eingängige Strukturen aufweist.

CAN sollte man auf jeden Fall mögen und natürlich NEU! Aber auch die frühen EINSTÜRZENDEN NEUBAUTEN, HOLGER CZUKAY oder – und das haut einen dann am Ende des Albums regelrecht um – wenn auf „Wellenreiter“ so hypnotisch gesungen wird, als hätte man einen DAVID SYLVIAN und JAPAN gleich mit dazu verpflichtet! Welch grandioses Finale, das einen den manchmal – in ein paar kurzen, aber übertriebenen Momenten – den mitunter auf „Rip Current“ in puren Krach ausbrechenden Sound ganz schnell wieder vergessen lässt!

So mutig muss man erst einmal klingen dürfen.
Mehr und besseres konnte sich Exile On Mainstream Records für ihre 100. Album-Veröffentlichung gar nicht wünschen als dieses „Stroh zu Gold“-Album, das bereits im April 2021 im Rahmen des Roadburn Redux'-Festivals erstmals einem Publikum vorgestellt wurde, indem TRIALOGOS eine gestreamte Live-Show im Leipziger UT Connewitz spielten und ihre bis dahin limitierte LP noch während des Konzerts schon nacht 35 Minuten ratzfatz ausverkauft war. Wenn das allein nicht für sich und für „Stroh zu Gold“ spricht, was dann?

FAZIT: Zeit, seinen Geist, seine Ohren und sein Herz für den Neo Doom Kraut – oder nennen wir es einfach auch improvisierten Post Rock samt elektrischem Cello und mutigen Klang-Experimenten – von TRIALOGOS zu öffnen, die sich 2020 als Teil der Ausstellung und Kunstperformance 'Bag:Net' in Sassnitz auf der Insel Rügen zusammentaten, um Sound-Scapes für eine auf drei Räume aufgeteilten Klang-Improvisation zu entwerfen, die sich dann im vierten Raum als eine musikalische Collage vereinten. Auf dieser spannenden Idee sowie dem experimentellen Grundgerüst basiert auch die Musik der außergewöhnlichen, in nur drei Tagen eingespielten Vinyl-Ausgabe „Stroh zu Gold“, die nicht nur aus musikalischer Sicht ihrem Namen alle Ehre macht, sondern stellenweise den Post Rock aus Europa wie aus Übersee ganz neu als 'Neo Doom Kraut' definiert.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 444x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • Seite A (19:34):
  • Lavu Santu (5:03)
  • Stroh zu Gold (4:13)
  • Il Terzo Sogno (3:38)
  • Rip Current (6:40)
  • Seite B (20:11):
  • Hikikomori (3:34)
  • Batdance (4:41)
  • Mali / Berlin (6:05)
  • Wellenreiter (5:51)

Besetzung:

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