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Robert Coyne: The Hiss Of Life (Review)

Artist:

Robert Coyne

Robert Coyne: The Hiss Of Life
Album:

The Hiss Of Life

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Indie, Alternative, Singer/Songwriter

Label: Meyer Records/Bear Family/Rough Trade
Spieldauer: 40:54
Erschienen: 02.09.2022
Website: [Link]

Endlich mal so ein richtig feines Katzen-Album. Da wird die Welt der Katzenfreunde doch lauthals aufatmen und sich sofort dieses Album zulegen, wenn einen von dem Cover so ein herrlich gemalter Katzenkopf zublinzelt.
Doch – oh Schreck – was ist das?
Kaum schlägt man das Gatefoldcover dieser delikaten Katzen-LP auf, da sehen wir jeweils zwei männliche und zwei weibliche Musiker in Großaufnahme.
Und was hat die eine der beiden Musikerinnen auf ihrem Strickpullover?
Einen gestylten Pudel! Oh, welch Frevel!
Doch keine Angst: In diesem Album geht es wirklich auch um Katzenmenschen und mit „Curse Of The Cat People“ wird ihnen ein echtes Denkmal gesetzt. Aber vielleicht doch eins, neben dem gerne mal die Hunde ihr Bein heben, um dranzupinkeln…

The Hiss Of Life“ von ROBERT COYNE (dem Sohn der verstorbenen Blues-Ikone KEVIN COYNE) mit dem schönen, von seiner Frau Wendy gestalteten Cover atmet jede Menge Liebe zur Natur und sich selbst aus. Es ist zerbrechlich und zärtlich zugleich – sehr sparsam instrumentiert und trotzdem auf hymnische Melodien aus, denen oft durch ein Cello eine besonders warme Stimmung innewohnt, denen allerdings die doch sehr nachdenklichen, manchmal gar pessimistischen („Wrong All Along“) Texte wieder die Kühle der unerbittlich erscheinenden Realität einhaucht.
Und während es draußen herbstlich kühl wird, flackert „The Hiss Of Life“ wie ein wärmendes Feuerchen (ohne zu knistern, dafür aber vom Sound her ausgezeichnet klingend) durch unsere Lautsprecherboxen und bestätigt genau das, was Robert vergleichend über seine mit der Musik seines Vaters feststellte: „Wir hatten zwar ein inniges Verhältnis zueinander, aber ich bin doch eher den ruhigeren Klängen verbunden.“

So setzt ROBERT COYNE, der viel Aufmerksamkeit auch durch seine enge Zusammenarbeit mit dem CAN-Schlagzeuger JAKI LIEBEZEIT erlangte, genau dort fort, wo er mit seinem letzten Album „Out Of The Tree“ aufhörte, und zu dem er selber bemerkte: „Ich will Energie übertragen. Eine besondere Atmosphäre schaffen. Den Zuhörer auf eine hoffentlich spezielle Reise mitnehmen.“

Diese aktuelle Reise führt uns nun runter vom Baum mitten hinauf auf die Wiese, auf der die Tiere noch in Frieden und ohne Angst vor der Fressgier des Menschen leben. Ein Eindruck – wie wir natürlich nur zu gut wissen – der täuscht, denn hinter den Bäumen lauert schon das Böse. Doch das wirklich Gute, was wir hier sehen, will beschützt werden – und genau darum geht es auf „The Hiss Of You“, wie es uns gleich der Album-Opener „The Least I Can Do“ vermittelt: „I'm rescuing you / It's the least I can do“.
Hierzu begibt sich der Musiker auch nur zu gerne in die Rolle der Katze, wenn er in „Curse Of The Cat People“ singt: „And when I'm hiding in a tree / The univers defers to me“, womit wir wieder ganz schnell auf den Bäumen des bereits vier Jahre zurückliegenden Albums wären.

Insgesamt klingt das Album durch nur wenige Stimmungsschwankungen mitunter etwas zu ruhig und wird eintönig, wenn man sich gerade nicht in diese Atmosphäre der wohlwollenden Ruhe begeben möchte, hinter der schon getreu dem Leitsatz: „Stille Wasser sind tief“, das Unbehagen lauert, dann lege man sich bitte ein rockigeres Stück Musik auf – vielleicht eins von Roberts verstorbenen Vater.

Ansonsten erzeugt der super abgemischte Sound auf „The Hiss Of Life“ eine intime Stimmung, die von Coynes akustischer Gitarre sowie seiner warmen Stimme und dem Cello von AGLAJA CAMPHAUSEN lebt, wobei das oft an Bar-Jazz-Rhythmen erinnernde Schlagzeugspiel sich als ein herrlicher Begleiter erweist, der sich nie übertrieben in den Vordergrund zu drängeln versucht. Selbst BOB WARD, der bereits Roberts Vater als Gitarrist begleitete, kommt auf zwei Songs zum Einsatz.

Herbstliche Musik, die nach Regen-Balladen klingt und dabei ganz viel Wärme verbreitet, während sie über die Hartnäckigkeit des menschlichen Geistes, die Heilung alter Wunden und die Unendlichkeit beim Teetrinken erzählt, wenn man feststellt, dass wir mit etwas Glück eine Insel in einem See aus Milch sind. In diesem Sinne: „Bring me more tea!“

FAZIT: Es dauerte vier Jahre, bis ROBERT COYNE nach seinem richtig guten „Out Of The Tree“-Album mit „The Hiss Of Life“ einen Nachfolger hinterherschiebt, der noch ruhiger ausgefallen ist und eine genauso warme Atmosphäre zu verbreiten vermag wie die herrlich von Coynes Frau gemalte Katze, welche uns vom Album-Gatefold-Cover anblinzelt. Auf der Rückseite dürfen wir dann auch noch glückliche Schafe auf einer Wiese bewundern – und trotz der nachdenklichen Texte auf „The Hiss Of Life“ gelingt es dem Sohn von KEVIN COYNE wieder, mit diesen ruhigen, warmen Balladen die Herzen seiner Hörer zu erobern und seine eigenen Worte zu bestätigen, wenn er feststellt: „Ich bin doch eher den ruhigeren Klängen verbunden.“

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 635x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 11 von 15 Punkten [?]
11 Punkte
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Tracklist:
  • Seite A (22:31):
  • The Least I Can Do (3:49)
  • By Popular Demand (5:52)
  • Curse Of The Cat People (5:06)
  • The Grip Of The Strangler (6:05)
  • You've Got To Move Eventually (1:37)
  • Seite B (18:23):
  • The Hiss Of Life (3:55)
  • Dark Dance Hall (3:17)
  • Wrong All Along (2:27)
  • Take A Look At It Now (3:48)
  • The Endless Tea (1:58)
  • Run Out (0:58)

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