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Interview mit Minerva (13.12.2012)

Minerva

Enrico meldet sich nach langer Wartezeit endlich mit frei von der Leber weg zitierten Antworten zu unseren allgemein gehaltenen Fragen, was seine kleine feine Psych-Rock-Band betrifft.

Wie haben MINERVA zusammengefunden?

Die Band besteht seit Dezember 2008, damals noch mit Bassist Ron. Allerdings kennen wir uns als Musiker schon aus Schulzeiten - man gründete mit 15, 16 Jahren die erste eigene Band und beobachtete Gleichgesinnte bei ihren Projekten, bis wir uns letztlich zusammenschlossen. Innerhalb von anderthalb Jahren entwickelte sich dann daraus MINERVA, und mit Benny, der vor ungefähr einem halben Jahr dazugekommen ist, sind wir nun komplett.

Wo liegen eure Wurzeln?

Ursprünglich waren wir auf die Musik aus den sechziger und siebziger Jahren eingestellt. Unser erstes gemeinsames Projekt war eine Jimi-Hendrix-Coverband - und ja, an den ist auch der genannte Titel gerichtet, eben genau deshalb. Ich denke, dass diese Musik immer noch ziemlich interessant ist und auch stets Spuren hinterlassen wird, aber Jans Interesse an Jazz und moderner technischer Musik zum Beispiel ist, wie ich finde, bei uns auch ständig deutlich zu hören. Ich denke, wenn sich einmal das Interessenfeld der einzelnen Bandmitglieder in verschiedene Richtungen bewegt hat, ohne natürlich den gemeinsamen Schnittpunkt zu verlieren, weitet sich der Stil immer mehr und macht die Musik dann auch um so reicher an Klängen und Vibes. Auch der doch hin und wieder mitschwingende Pop auf "Journeyman" muss irgendwo herkommen - und mit Benny gesellt sich jetzt noch ein Musiker dazu, der sich intensiver mit elektronischer Musik auseiandersetzt. Mal sehen was, daraus wird.
 
Wie habt ihr euch die Musik draufgeschafft?

Ich würde es vielleicht weniger einen Zwang nennen als gegenseitige Motivation und Inspiration, an seinem Instrument weiterzudenken und sich musikalisch überhaupt immer ein Stück zu fordern. Da profitieren wir, denke ich, alle untereinander von den Fähigkeiten der anderen. Auch wenn das im ersten Moment auch öfter mal zu Reibereien führt, ist es in den meisten Fällen zum Schluss doch ein Gewinn für die Musik.

Wie erklärt ihr euch den kleinen Boom klassischer Rockmusik im deutschen Osten?

Ehrlich gesagt war mir bis jetzt gar nicht bewusst, dass sich das im Osten Deutschlands konzentriert. Viel interessanter finde ich eigentlich die Tatsache, dass sich die Zahl an jungen Bands überhaupt erhöht hat. Künstlerisch aktiv zu sein ist für mich eines der grundliegenden Dinge im Leben. Wenigstens kreative Projekte in Angriff zu nehmen - das erfüllt!

Warum die mystischen Texte?

Gerade auf "Journeyman" besingen wir solche mystischen Dinge. Hexen, Gott-Erscheinungen und ähnliches.
Ich kann gar nicht genau sagen, woher das kommt, aber wir achten schon irgendwie darauf, dass die Musik mindestens genauso gut den Inhalt des Songs wiedergibt wie der Text - unabhängig davon, welche der beiden Komponenten zuerst entsteht. Meistens ist es die Musik, und wenn die schon mystisch klingt, ist quasi die Schlussfolgerung, dass der Text dann auch von so etwas erzählt. Man muss auch dazu sagen, dass die Textinhalte auf "Journeyman" gar nicht so übernatürlich sind. Die Songs erzählen eigentlich alle von bestimmten emotionalen Situationen, nur eben abstrahiert in die Geschichte vom "Reisenden" verpackt. Die Titel für das kommende Album sind dagegen etwas direkter, was den Text betrifft, allerdings sehr verbildlicht umschrieben. Ich mag es, wenn Situationen oder Emotionen in Songtexten abstrahiert werden, also in gewisser Weise ästhetisch aufgewertet. Dann erklären sie sich irgendwie von selbst. Tatsächlich wird es demnächst auch ein bisschen gesellschaftskritisch und persönlich. Im Prinzip setzten wir uns mit dem Album mit unserer Lebensituation zwischen gesellschasftlichem Zwang zu lebenslanger Arbeit und persönlicher Entfaltung auseinander, nicht zu vergessen damit, dass sich diese beiden Dinge gegenseitig sehr im Weg stehen. Das verbildlicht sich dann in einer Geschichte um einen aufständischen Arbeiter zur Hochzeit der Industriellen Revolution. Klingt alles etwas aufgeblasen, wenn man es so aufschreibt, aber im Prinzip beläuft sich die "Gesellschaftskritik" auch auf einen sehr kleinen uns selbstbezogenen Rahmen. Richtig umfassende Gesellschaftsktritik beinhaltet auch, Verantwortung zu übernehmen, die wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht übernehemn wollen. Es bleibt also erst einmal eher musikalisch als politisch.

Wie gestaltet sich eure Zusammenarbeit mit Mespotine Sessions?

Dass wir bei Meo die erste Mespotine Session machen konnten, hat eigentlich einen recht unspektakulären Hintergrund. Er arbeitet im selben Proberaum an seinen Projekten wie wir und eben auch an seinem Podcast. Als erste Versuchskaninchen hat sich das für uns angeboten. Wir kennen uns einfach auch schon eine ganze Weile, und ich glaube, dass er hin und wieder verlauten ließ, ihm gefalle unsere Musik. Tja, dann wurde eben ein kleines Konzert im Probraum daraus gemacht; so circa 20 Leute waren da, einfach weil es dann noch mehr Spaß macht: Der Live-Character wird angekurbelt und alles mitgeschnitten. Ein paar Wochen später dann noch das Interview, und alles war im Kasten.

Habt ihr schon viele andere Gigs gespielt?

Wie oft wir Konzerte geben, kommt eigentlich darauf an, wie wir in den Proben vorankommen und wie intensiv wir uns darum kümmern, welche an Land zu ziehen. Bisher belief sich der Raum, den wir bespielt haben, weitgehend auf Berlin und Brandenburg, obwohl wir auch schon Auftritte in Magdeburg und Küstrin gespielt haben, aber das soll sich in Zukunft ändern. Martin hängt sich gerade ein bisschen rein, um Auftritte klarzumachen. Die nächsten sind soweit ich weiß in Jena und Halle. Wie stellt man sie sich vor? Also ich denke, wenn man mit der Erwartung herangeht, ein Rockkonzert, wie man es sich vorstellt, zu besuchen, liegt man auf jeden Fall nicht verkehrt, obwohl wir für die Zukunft eigentlich anstreben, die Lautstärke auf "ohne Ohrstöpsel hörbar" zu drosseln, ohne dabei an Luftbewegung und Atmosphäre einzusparen. Wir finden es bloß auch ein bisschen schade, dass man auf ein Konzert geht, um sich etwas anzuhören, aber man muss es aushalten und ohne Schäden wieder heimfahren können. Wir suchen also gerade unsere Traumlaustärke. Ansonsten hoffen wir natürlich, dass die Dinge, die wir mit unserer Musik besingen, auch entsprechende Emotionen bei den Zuhörern auslösen.

Wie seht ihr den Retro-Trend aus Skandinavien?

Der kommt gerade wirklich nicht nur aus Skandinavien. Es gibt auch genügend Beispiele aus den USA oder Mittel- und Südeuropa, aber woran das liegt? Keine Ahnung; woher kommt der Trend "Bad Taste"-Parties zu schmeißen? Warum ist eigentlich das Wort "trendy" nich mehr im Trend? Ich finde es aber auch ehrlich gesagt nicht schlimm. Alte Musik mag ich.

Was bringt euch die nähere Zukunft?

In naher Zukunft wollen wir eigentlich unser Album fertigstellen und anschließen viele Konzerte geben. Ein ständig aktueller Plan ist für uns sowieso, an neuen Songs zu arbeiten. Mit Labels sind wir bisher noch nicht konkreter in Kontakt getreten, zumindtest nicht mit Rückmeldung dererseits. Allerdings wollen wir, sobald die esten Mixes fertig sind, einige Demos an alle
für uns interessanten Labels schicken. Ansonsten gab es auch schon Überlegungen hin zu einer eigenen Art von Label mit Freunden aus dem Proberaum. Da die Fertigstellung des Albums ja Teil der näheren Zukunftsplanung ist, sollte das auch nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen. Schiss!

Andreas Schiffmann (Info)
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