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The Tangent: Going Off On One (Review)

Artist:

The Tangent

The Tangent: Going Off On One
Album:

Going Off On One

Medium: CD
Stil:

Progressive Rock / Jazz / Canterbury

Label: InsideOut
Spieldauer: 70:34
Erschienen: 2007
Website: [Link]

Wer die Wahl hat, hat die Qual! Also, liebe Freunde, überlegt euch gut, für welche der drei (!!!) Ausführungen dieses Albums ihr euch entscheidet – vorausgesetzt natürlich, ihr mögt THE TANGENT:
Variante 1: die Doppel-Audio-CD des Konzerts mit 5 Bonus-Titeln (CD 2, Titel 4-8);
Variante 2: die DVD ohne genannte Bonus-Titel, aber mit vielen Extras;
Variante 3: das limitierte Doppel aus CDs plus DVD plus besonderes Package.

Nach wiederholtem Hören dieses Konzertmitschnitts, der in Southend (England) im Club Riga vor etwa 60 Zuschauern entstand, stellt sich mir die Frage, was man wohl genau zu einem Live-Album schreiben soll, bei dem, ähnlich wie bei TRANSATLANTIC, die absoluten Größen der jüngeren Prog-Szene auf der Bühne stehen? Im Grunde kann bei so einem Konzertereignis nichts schief gehen. Und es geht auch nichts schief, selbst wenn es das eine oder andere kleine Manko zu vermelden gibt.

Ohne ROINE STOLT an der Gitarre, der nur auf dem Bonustitel „America“ zu hören ist, hatte die progressive Speerspitze der Gegenwart, die eine TANGENTe zwischen SPOCKS BEARD und den FLOWER KINGS bildet, bereits Amerika unsicher gemacht, um nun im englischen Southend vor der „beeindruckenden“ Kulisse von 60 Zuschauern „ihr bestes Konzert aller Zeiten“ (Originalton: ANDY TILLISON) aufzuführen. Trotz einer Unmenge von Dingen, die im Umfeld dieses Konzerts einfach nicht klappen wollten und die TILLISON mit Murphys Gesetz vergleicht (Dieses Gesetz besagt, dass, wenn man davon ausgeht, was alles missglücken kann, dies alles tatsächlich auch missglückt!), ist solch eine Aussage doch recht gewagt. Was der Hörer allerdings geboten bekommt, ist jedenfalls eine, im instrumentalen Bereich sehr beeindruckende Musikkost, die leider im gesanglichen Bereich ein wenig geschmälert wird. Vielleicht liegt das einerseits daran, dass mit GUY MANNING & ANDY TILLISON Sänger am Werke sind, deren Stimmen das Charisma fehlt, welches diese charismatische Musik ausstrahlt – oder dass man bei vielen Sangespassagen oft den Eindruck gewinnt, da versucht jemand zwanghaft nach GREG LAKE zu klingen.

Diese kleine Schwäche macht aber allein der unglaublich spielfreudige THEO TRAVIS, der bereits bei DAVID SINCLAIR, PORCUPINE TREE & GONG mitmischte, um Längen wett! Wer sich nach dem wahnsinnigen Saxofon-Solo von PINK FLOYDs „Money“ schon immer wünschte, Ähnliches auch in der progressiveren Gegenwart zu hören, der darf in froher Erwartung auf diesen Live-Mitschnitt zurückgreifen! Überhaupt bietet diese Musik alles, was das Progger-Herz so begehrt: Canterbury, 70s-Prog, Jazz, Elektronik, Improvisationen und vieles mehr. Außerdem ist die Titelauswahl so gestaltet, dass alle drei Studio-Alben von TANGENT relativ gleichberechtigt Berücksichtigung finden. Und selbst die Leidenschaft von TILLISON für TANGERINE DREAM wird im Titel „After Rubycon“ live ausgelebt!

Aber ist es nicht ein Wunder, wo THE TANGENT im Grunde nur so eine Art Musik-Projekt von TILLISON ist, dass dieses Projekt sich zu einem richtigen Prog-Ungeheuer entwickelt hat? Ein Ungeheuer, das selbst für TILLISON noch nicht fassbar erschien, wie er im Booklet der Doppel-CD beschreibt: „TANGENT war eigentlich nicht als Live-Band gedacht, aber irgendwie passierte es einfach so, dass ich plötzlich mit den Musikern auf der Bühne stand, die bis dahin zu meinen absoluten Helden zählten… Es ist einfach unfassbar für mich, welch unglaubliches Glück ich hatte.“

Überhaupt scheint der „PARALLEL OR 90 DEGREES“-Kopf einen ausgesprochenen Sinn für Humor zu haben, sodass sogar die von ihm verfassten „Liner-Notes“ dem Leser sicherlich eine Menge Freude bereiten werden. Ob es nun um ein Konzerterlebnis geht, bei dem TILLISON darauf wartet, dass STOLT endlich zu singen anfängt, dieser sich aber ihm während des Gitarrespiels nähert, um ihm ins Ohr zu flüstern: „Irgendwer hat mit mein Textblatt geklaut!“ oder sein Bezug auf die BANGLES, die einmal erklärten, dass wohl fast jede Band versucht, auch durch eine gewisse sexuelle Ausstrahlung ihre Alben zu verkaufen – aber nach kurzem Nachdenken die Sexy-Damen schnell noch hinzufügten: „Außer MARILLION!“ Hier ergänzt TILLISON natürlich, dass er gerne mit in diese Kategorie aufgenommen werden würde.

Die zweite CD enthält zusätzlich als Bonus noch Live-Mitschnitte vom 4. November 2004 (Aschaffenburg) und vom amerikanischen Rosefest 2005. Und diese zusätzlichen Titel haben es auch wirklich in sich. Die Cover-Version des King Crimsons Klassikers ist einfach nur faszinierend und unglaublich gut, aber auch „America“ besticht durch eine besondere, recht eigenständig klingende Variante, die sogar einen BERNSTEIN überraschen würde.

FAZIT: „Going Off On One“ zeigt auf dem Booklet einen Glatzkopf, der unter jedem Arm eine Weltkugel trägt. Solch ein Motiv mag ich persönlich nicht, schon wegen der Glatze. Ganz anders verhält es sich mit der Musik, denn die klingt nach so herrlich bodenständigem, langhaarigem 70er-Prog und Canterbury, dass man sich bei diesem Live-Album in die „guten alten Zeiten“ zurückversetzt fühlt!

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 2374x gelesen, veröffentlicht am )

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  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
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Tracklist:
  • CD 1
  • GPS Culture
  • The Winning Game
  • In Earnest
  • Forsaken Cathedrals
  • The Music That Died Alone
  • Lost In London
  • -
  • CD 2
  • In Darkest Dreams #1
  • After Rubycon
  • In Darkest Dreams #2
  • The World We Drive Through (Bonus Track)
  • Skipping The Distance (Bonus Track)
  • Fun With The Audience (Bonus Track)
  • 21st Century Schizoid Man (Bonus Track)
  • America (Bonus Track)

Besetzung:

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