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New Monsoon: V (Review)

Artist:

New Monsoon

New Monsoon: V
Album:

V

Medium: CD
Stil:

Southern/Jam-Rock

Label: Eigenvertrieb / Just For Kicks
Spieldauer: 62:07
Erschienen: 14.12.2007
Website: [Link]

So also klingt ein NEUER MONSUN. Da fragt man sich doch gleich, wie wohl die alte Ausgabe dieses halbjährlich wechselnden asiatischen Windes klingen würde, von dem besonders die Inder so stark betroffen sind. Und soweit ich weiß, ist dieser Wüstenwind gerade in Indien nicht sonderlich beliebt. Ob deswegen die Inder auch diese CD nicht mögen, sei erst einmal dahingestellt – dass sie allerdings insgesamt nicht nach großem Sturm, sondern mehr nach schwülwarmen Lüftchen klingt, liegt wohl doch eher an der Southern/Jam-Band aus San Francisco. Dabei gelten die fünf „stürmischen“ Herren als der aktuelle Überflieger in der US-Szene, die man gleich mal in einem Atemzug mit den ALLMAN BROTHERS nennt.

Dass dieser Vergleich nicht ganz zu Unrecht erfolgt, beweist der Einstieg in „V“ mit „Greenhouse“ jedenfalls überzeugend. Auch werden durch diesen groovenden Funk-Rhythmus sowie den guten Gesang sofort Erinnerungen an STEELY DAN wach. Beschwingt klingende Lebensfreude eben, die unterhält, ohne aufdringlich zu wirken.

Während die Kalifornier sich dann bei ihrem „Lied für Mary“ ausschließlich auf ihre Instrumente verlassen, die wiederum beschwingt Klavier und Gitarre vordergründig durch den Äther blasen, beginnt mit „Copper Mine“ das Album langsam zu langweilen. Ob das nun am Dobro liegt oder sich so eine leichte Country-Stimmung samt Wüstenfeeling breit macht, vermag ich nicht genau zu beurteilen. Nur wünscht man sich, dass endlich auch mal wenigsten ein paar Anzeichen von Sturm zu hören sind, aber nein, der Wind bleibt lau. Und mit „Neon Block“ wird man statt dessen gleich in die Phase versetzt, die man so gut kennt, wenn man früher die TALKING HEADS mochte und dann mit einer gewissen Enttäuschung feststellte, dass ihr oberster Quasselkopp, DAVID BYRNE, solche seltsamen weltmusikalischen Solo-Pfade einschlug, die bedeutend langweiliger als die „abgefahrenen“ Band-Ergüsse klangen. Gratis gibt’s bei NEW MONSOON dann sogar noch einen Reggae-Rhythmus dazu – also ab in die Hängematte, gespannt zwischen zwei Palmen, und sich der Gefahr von herabstürzenden Kokosnüssen aussetzend. Aber keine Angst, bei diesem Schönklang werden die Dinger schon nicht vom Bäumchen geblasen.

Irgendwann fühlt sich der Hörer so wie ein Reiter, der auf seinem Klepper durch die unendliche Wüste trabt, die Sonne scheint, alles erscheint gleichförmig und nach einer gewissen Weile denkt er darüber nach, ob seine Wasservorräte noch reichen. Mehr interessiert ihn nicht, er will diesen Ritt nur noch zu Ende bringen – was passt da nicht besser zu, als die Suche nach der „Wasserader“ und wenn dabei auch noch weibliche Sangesunterstützung hinzukommt und das Klavier so schön nach BRUCE HORNSBY klingt, geht man wohl auch das Risiko ein, nur auf eine unwirkliche Oase zu treffen, die in der Wüste flimmert, aber immer wieder verschwindet, wenn man glaubt, sie erreicht zu haben.

Mit der „Anderen Seite“ wird dann ein wenig dem Blues Rock gefrönt, der aber eindeutig mehr melancholischer Blues als dynamischer Rock ist. Mal wieder kein Wind – nur Monsun! Doch das schlimmste Erlebnis besteht uns noch bevor: „Romp“. Wenn dieser Titel lustig sein soll, dann geht die Pointe total daneben, denn sie klingt wie die Kombination aus „Cotton Eye Joe“ von den REDNEX ohne Gesang, dafür aber mit inbrünstiger Western-Country-Melodie. Und dieses Country-Feeling setzt sich in „Alaska“ auch noch fort, diesmal aber mit deutlicher EAGLES-Schlagseite.

Der „Ritt auf der Klapperschlange“ setzt dem bösen Country-Treiben dann zum Glück ein Ende. Nach etwa zweieinhalb Minuten gibt’s sogar ein paar psychedelische Momente zu genießen, so als wenn die Schlange zugebissen hätte und man nun die Wirkung dieses Bisses zu spüren bekommt. So was hätte dem ganzen Album viel besser getan, auch wenn sich nach vier Minuten der psychedelische Spuk leider wieder auflöst und einem absolut schwülstigen Gesang weichen muss – das ist wohl das dann eintretende Koma.

Regnerisch verabschiedet sich „V“ von seinem Zuhörer, es plätschert sich über 9 Minuten lang dem Ende entgegen und hinterlässt den Eindruck, dass es höchste Zeit ist, ins Bett zu gehen – gute Nacht!

FAZIT: Wer derzeit gerne die Schublade Southern/Jam-Rock aufzieht, der kommt wohl um drei Bands nicht herum. UMPHREY’S McGEE, THE STRING CHEESE INCIDENT und NEW MONSOON. In dieser Reihenfolge sind sie von ihrer musikalischen Qualität her auch einzuschätzen: erstgenannte Band ist am progressivsten und abwechslungsreichsten, die zweitgenannte heizt dem Hörer auch mal gehörig mit Blasinstrumenten und Violinen ein, während die letztgenannte neben durchaus guten musikalischen Ideen am Ende doch nur einschläfert.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 2892x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 7 von 15 Punkten [?]
7 Punkte
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Tracklist:
  • Greenhouse
  • Song For Marie
  • Copper Mine
  • Neon Block
  • Water Vein
  • The Other Side
  • Romp
  • Alaska
  • Rattlesnake Ride
  • White Sky Rain

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

  • V (2007) - 7/15 Punkten
Interviews:
  • keine Interviews
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