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CTA (California Transit Authority): Full Circle (Review)

Artist:

CTA (California Transit Authority)

CTA (California Transit Authority): Full Circle
Album:

Full Circle

Medium: CD
Stil:

Blues Soul Jazzrock

Label: 7Jazz
Spieldauer: 61:44
Erschienen: 29.05.2009
Website: [Link]

Danny Seraphine ist umgesiedelt. Von CHICAGO nach Kalifornien. Dort leitet er die CALIFORNIA TRANSIT AUTHORITY, kurz CTA genannt, zusammen mit Gitarrenlehrer Marc Bonilla und einem Kreis erlesener Musiker, zu denen sich illustre Gäste wie Sheila E., Alex Acuna und Keith Emerson gesellen (allesamt während der fetzigen „I’m A Man“-Version zu hören).
Das Name, Cover und Musik an die Metropole am Lake Michigan erinnert, hat natürlich seinen Grund: Danny Seraphine war bis 1990 Drummer von CHICAGO, die auf ihrem ersten Album noch den Zusatz TRANSIT AUTHORITY trugen. Es war kein Abschied im Guten, sodass Seraphine beschloss seine Drumsticks an den Nagel zu hängen. Ein Entschluss, den er mehr als 15 Jahre durchhielt.
Doch dann entschied er sich seine Vergangenheit Revue passieren zu lassen, und die CTA wurde geboren.

In den USA bereits im August 2007 erschienen, steht die deutsche Veröffentlichung erst rund anderthalb Jahre später an. Dem kleinen Label 7Jazz scheint aufgefallen zu sein, welche musikalische Preziose sich hinter dem Kürzel CTA verbirgt. Ob das hierzulande erfolgreich vermarktet werden kann, löst allerdings gelinde Skepsis aus.
Auf „Full Circle“ befinden sich 13 Tracks, 12 davon sind Cover-Songs. Neun Stücke stammen von CHICAGO, aus der Zeit als Gitarrist Terry Kath noch lebte und die Musik der Band wesentlich prägte.
„Several Thousand“ wurde von GREGG ALLMAN geschrieben, der Opener „Something Different“ von CHUCK MANGIONE. Populär wurde das Instrumental in der Version von CANNONBALL ADDERLY, hier überzeugt es durch das einfallsreiche Arrangement Marc Bonillas. Und gibt gleich die Marschrichtung vor: glasklarer Sound, fette Bläsersätze, eine trickreiche Rhythmussektion, scharfe Gitarreneinsätze und eine wuchtige Orgel toben sich aus in einem Song, der munter zwischen Blues, Jazz und großer Broadway-, bzw. Las Vegas-Bühne hin- und herpendelt.

Ähnlich präsentiert sich der Rest des Albums. Mal wird das Tempo gedrosselt, mal angezogen; „Full Circle“ ist eine exzellent klingende Studie jener typisch amerikanischen musikalischen Spielart, die auf scheinbar lockere Weise Rock, Jazz, Funk, Blues und Soul mixt, um eine großes Feuerwerk zu entfachen. Glücklicherweise vermeiden Danny Seraphine und seine kompetenten Begleiter Ausflüge in allzu süßlichen AOR-Pop, die die mittleren bis späten CHICAGO teilweise schwer erträglich werden ließen. Doch auch die Stammband hat sich gefangen und zumindest mit ihrem letzten Album ein mehr als akzeptables Statement veröffentlicht, dessen Schicksal vermutlich auch „Full Circle“ teilen wird: trotz hervorragender Musiker und ansprechender Musik nahezu unbemerkt vorbei zu gleiten.

Wobei das CTA-Werk noch ein weiteres Manko besitzt: es ist und bleibt das Werk einer, zugegebenermaßen hervorragenden, Coverband. Dass Danny Seraphine nur allzu berechtigt ist, diese Songs in seiner Interpretation neu zu veröffentlichen, ist keine Frage. Aber die CHICAGO-Originale waren auch schon alles andere als schlecht. Um von einer Neuinterpretation zu reden, haben sich die CTA Varianten, bis auf den Klang, nicht weit genug von den Ursprüngen entfernt.
Unabhängig davon, ist diese biographische Notiz zum eigenwilligen Werdegang eines Drummers, ein Fest für die Sinne.

FAZIT: Musiktherapie als Vergangenheitsbewältigung. Wenn das Ergebnis derart überzeugend klingt wie CTAs „Full Circle“ kann man die Maßnahme als Erfolg verbuchen. Da macht es auch nichts, dass das Album aus der Zeit heraus gefallen scheint, bezieht es seine Inspirationsquellen doch hauptsächlich aus den ausklingenden Sechzigern bis Mitte der Siebziger des vergangenen Jahrhunderts. Virtuos und wohlklingend richtet sich das Album an ein Auditorium, für das BLOOD, SWEAT & TEARS mehr als ein Winston Churchill Zitat und CHICAGO nicht bloß eine amerikanische Großstadt ist. Auch und besonders für Neueinsteiger geeignet, die die Originale nicht kennen, da es CTA gelingt, den Klassikern eine Frischepolitur zu verpassen, ohne sie zu verfremden. Nicht aufsehenerregend oder neu, aber von einer Kraft und Überzeugung getragen, die anfallender Kritik den Wind aus den Segeln nimmt. Die Beteiligten hatten hörbaren Spaß an der Einspielung und der überträgt sich auf’s Publikum.

Jochen König (Info) (Review 4662x gelesen, veröffentlicht am )

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  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
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  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
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Wertung: 11 von 15 Punkten [?]
11 Punkte
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Tracklist:
  • Something Different
  • Introduction
  • South California Purples
  • Make Me Smile
  • Several Thousand
  • Dreams
  • West Virginia Fantasies
  • Colour My World
  • Happy Cause I’m Going Home
  • Mississippi Delta Blues
  • Antonio’s Love Jungle
  • I’m a Man
  • 25 or 6 to 4 (live)

Besetzung:

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  • keine Interviews
Kommentare
Uli
gepostet am: 09.01.2010

User-Wertung:
12 Punkte

ich bin begeistert!
Reinhard
gepostet am: 24.12.2010

User-Wertung:
15 Punkte

Boa sind die gut, haben das alte Chicoago-Feeling ins Hier und Jetzt transzendiert. Aber Jochen König hat Recht, keine Chance, damit nochmal richtig bekannt zu werden. These are the Times....
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
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