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Ralf Hubert (Mekong Delta) im Musikreviews-Blog

Jesters Funeral: Fragments Of An Exploded Heart (Review)

Artist:

Jesters Funeral

Album:

Fragments Of An Exploded Heart

Medium: CD
Stil:

Metal

Label: Eigenproduktion
Spieldauer: 54:35
Erschienen: 30.09.2006
Website: [ Link ]

Jesters Funeral: Fragments Of An Exploded Heart

Fragments Of An Exploded Heart“ ist nicht nur eins der bestgehüteten Geheimnisse des Metal, es dokumentiert auch einmal mehr die Wirkweise von Kapitalismus – man kann es nicht oft genug klar machen. Bietest du ein bekanntes, verkaufsträchtiges Format, das am besten in jeglicher Hinsicht der Schablone entspricht, schon einen möglichst klangvollen Namen hat und am besten noch ein schickes Image, dann steigen die Chancen erheblich, einen Plattenvertrag zu bekommen. Weichst du aber in irgendeinem Punkt ab, wird ein findiger Marketing-Stratege dir wahrscheinlich erklären, dass der Werbeaufwand, um so etwas „am Markt zu platzieren“, ungleich höher ist und sich bei der zu erwartenden Auflage einer solchen Scheibe nicht mehr rechnet.

So oder ähnlich muss sich der Stuss angehört haben, den sich die Siegener 2006 anhören mussten, denn es fand sich für das – soviel vorweg: fantastische – vierte Album kein Label. Schon vorher wurden sie mit jeder Scheibe besser, lieferten mit „Shifting:Skywards“ 2003 ihr Gesellenstück ab und wollten dann ihr absolutes Meisterwerk nachschieben. Nun, Pustekuchen.

Doch worin liegt der Grund für das Scheitern bei der Labelsuche?

Zunächst produziert man Metal nicht so. Jedenfalls nicht mehr, denn die Jungs waren offenbar bemüht, die Scheibe so trocken und direkt wie möglich klingen zu lassen. So war es ja auch mal gedacht, als Antithese zu glatt gebügeltem, aufgeplustertem, gleichgeschaltetem Pop-Schrott. So hören wir grundsätzlich sehr wenig Hall auf allem, man hat das Gefühl, die Band stehe vor einem im Wohnzimmer. „Abweichung Nr. 1“ geht dabei aber kein Stück zulasten eines fetten Sounds, denn die Gitarren und eben auch das Schlagzeug klingen mörderfett und klatschen einen ganz schön an die Wand. Klanglich ist „Fragments...“ also anders, aber absolut professionell und jede Empfehlung wert.

Kommen wir zu „Abweichung Nr. 2“, dem Hauptteil, der Musik. Hier mischen die Jungs munter drauf los und stellen Riffs aus der 80er-Schule dem tief gestimmten Gebrate heutiger Tage gegenüber, um im nächsten Moment mit Rock’n’Roll oder gar Single-Note-Chugga-Chugga zu kontern. Wer nun glaubt, dass Flotsam And Jetsam, Nevermore, Lillian Axe und Korn einander niemals unfallfrei in einem Song begegnen können, der irrt gewaltig.

Denn hier liegt das Genie der Band. Sie bedienen sich überall, doch gehen all diese Elemente vollkommen logisch im Stil der Band auf und verschmelzen zu absolut stimmigen Songs voller Hooks und Ohrwürmer. Womit wir beim Sänger wären, der das Geriffe mit seiner sehr eigenen Melodik nicht nur zu einem wunderbaren Ganzen zusammenfügt, sondern durch seine sehr aufwändigen, oft mehrstimmigen Arrangements auch für Killermelodien en gros und eine enorme Hitdichte sorgt. Der Mann ist mittlerweile bei Van Canto, singen kann er also verdammt gut. Wer bei Stücken wie „Silent Crickets“, „Brittany“, „Miss Singularity“ oder „Six Kinds Of Darkness“ nicht vor Verzückung durchdreht, mag vielleicht Fan von Bushido oder Andy Sneap sein, jedem mit einer Affinität zu echter – im Sinne von unverfälschter – Musik müsste das Herz aufgehen. Wer noch einen Orientierungspunkt braucht, dem seien die letzten beiden Morgana Lefay-Scheiben genannt, obwohl auch dieser Vergleich hinkt.

JESTER’S FUNERAL reihen sich ein in die Riege der Hammerbands, denen aus kommerziellen Gründen der kommerzielle Durchbruch verwährt blieb, um es mal so auszudrücken. Nach Monaten der Labelsuche entschied sich die Band daher, die Platte zum kostenlosen Download anzubieten und anschließend die Segel zu streichen, ein käuflich zu erwerbender Tonträger samt Rechte-Hickhack hat also nie existiert. Auch die Website ist mittlerweile nicht mehr online, so dass die Scheibe tatsächlich Gefahr läuft, völlig in Vergessenheit zu geraten, aber auch legal weitergegeben werden kann. Daher sei hier eine Quelle genannt. Unter diesem link

http://www.filestube.com/8b0ec144ced8d5f203ea/go.html

kann man das Album runterladen, und genau das solltet ihr nun alle tun, liebe Kinder. Sonst verpasst ihr was.

FAZIT: Ein mutiger Sound und eine nicht ganz eindeutige Verortbarkeit – das scheint JESTER’S FUNERAL zum Verhängnis geworden zu sein. Jenseits dessen ist „Fragments...“ ein brutal geiles Ass in jedem Plattenschrank und auch noch für lau zu bekommen. Noch Fragen?

Hendrik Lukas (Info) (Review 1383x gelesen, veröffentlicht am 30.09.2010)
(1 Leser-Kommentar vorhanden)

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • The Exploded Heart
  • Silent Crickets
  • Therefore I Am
  • The Almost Empty Rooms
  • Morons At The Speed Of Light
  • Mirrorball Man
  • Brittany
  • Connoisseur Of Chaos
  • Miss Singularity
  • The Hollow Men
  • Spelled In Waters
  • Six Kinds Of Darkness
  • Wolves Of The Plateau
  • Cram

Besetzung:

  • Bass - Daniel
  • Gesang - Stefan
  • Gitarre - Stefan, Marten
  • Keys - Nik
  • Schlagzeug - Bastian

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Interviews:
  • keine Interviews
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Kommentare
Chris [musikreviews.de]
gepostet am: 01.10.2010

Ich war ein liebes Kind und hab mir die Platte mal heruntergeladen. Hat definitiv was. Ist voller guter Ideen, nur braucht das Album wohl seine Zeit, bis es seine Wirkung entfaltet. Interessant ist es allemal, ich beiße mich gerne in etwas fest. Cooler Tip auf jeden Fall.
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
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