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Mastodon: The Hunter (Review)

Artist:

Mastodon

Mastodon: The Hunter
Album:

The Hunter

Medium: CD+DVD
Stil:

Metal/Rock/Psychedelic

Label: Roadrunner
Spieldauer: 53:01
Erschienen: 23.09.2011
Website: [Link]

Bitte beachtet auch unser MASTODON-Massen-Review unter den Kolumnen!

Es gibt in den Vitae von Bands und Musikern zuweilen interessante Parallelen. Zum Beispiel führt die Reise oftmals von stilistisch noch nicht völlig ausformulierten, aber in ihrer spontanen Rohheit überaus energischen Debüts über mehrere Phasen der musikalischen Selbstfindung zu einer schließlich klar definierten, kreativen Handschrift. Dabei werden manchmal radikale Brüche vollzogen, andere favorisieren kontinuierliche Weiterentwicklungen und Detailmodifikationen. Und einige Musiker machen irgendwann, wenn sie das Pulver ihrer Inspiration verschossen haben, ein Werkschau-Album. Sie behaupten dann gern, die stärkste, weil sämtliche Zutaten beinhaltende Platte ihrer Karriere abgeliefert zu haben. Das stimmt selten, meistens bekommt man es mit zweitklassigen Aufgüssen ehemals erstklassiger Ideen zu tun.

In Teilen kann man MASTODON in dieser Gruppe wiederfinden. Die erste EP war eine brutale Maulschelle, auf folgenden Veröffentlichungen wurde dann immer mehr Wert auf Melodien, clevere Arrangements und die generelle Erweiterung des Bandspektrums gelegt, besonders Richtung 70er Jahre. Gelungen ist das bisher durchweg, welche Phase man bevorzugt, bleibt Geschmackssache. Mir persönlich etwa gefällt „Crack The Skye“ überhaupt nicht – zu wenig Druck, teilweise ziellos wirkender, für meine Ohren wenig nachhaltiger Normalo-Progrock und insgesamt eine allzu polierte Anmutung verwässerten zu sehr das, wofür ich die Band liebe. Deswegen ist das Album nicht schlecht, für sich genommen sogar ziemlich stark; eben Geschmackssache.

Was ist nun von „The Hunter“ zu halten? Es gibt Tendenzen zum bereits angesprochenen Werkschau-Album, doch sind MASTODON als Songwriter zu gut, um die Scheibe uninspiriert veröden zu lassen. Zunächst haben die Jungs aus Atlanta ihre Kompositionen wieder gestrafft, mit Ausnahme zweier Songs bleiben alle unter der 5-Minuten-Marke, und das zum Teil sehr deutlich. Der Angeberfaktor wurde ebenso ein wenig nachjustiert, so dass besonders Brann Dailor wieder mehr Gelegeheit hat, in seiner charakteristischen Art und Weise über alle Pötte zu donnern. Die Straffheit erinnert an „Remission“, wenngleich weder dessen Brutalität noch der Spieltechnikshowdown vollends rekapituliert werden. Dazu hat man sich in den Jahren seit „Blood Mountain“ im Spannungsfeld „aufwändiger, aber überschaubarer Rocksong“ zu wohl gefühlt. Stimmlich wird die Truppe immer besser, so dass man sich nach wie vor im gesungenen Umfeld bewegt, laut wird man nur zur gelegentlichen Unterstreichung. Soviel zu den objektivierbaren Dingen.

Aber wie wirkt sich das Ganze auf die Gefühlswelt aus? Gleich im ersten Durchgang ist man versucht, ein lautes „Hurra“ in die Welt hinaus zu schmettern, denn die Platte beginnt mit zwei echten Paukenschlägen namens „Black Tongue“ und „Curl Of The Burl“. Wie beschrieben sind die Songs kompakt, gehen aufgrund der tollen Gesangsmelodien, Riffs und Harmonien sofort ins Ohr und bieten trotzdem unzählige Momente zum Aufhorchen für die Muckerpolizei. Durch die kürzeren Stücke und in Verbindung mit dem Cleangesang klingen MASTODON 2011 noch mehr nach dem Jahrzehnt der großen Rockbands und haben dem auch mit dem wunderschönen Sound Rechnung getragen, der warm und voll tönt, ohne jedoch, wie auf dem Vorgänger, alles platt zu produzieren, was Lärm macht. Und es gibt sogar noch diverse weitere, auf Anhieb offensiv brillante Lieder wie das famose Eröffnungs-Doppel. „Octopus Has No Friends“ etwa rührt beinahe zu Tränen, während „Bedazzled Fingernails“ aufgrund seiner fast außerweltlich-entrückten Melodik gar zu den Sternstunden und besten Songs der Band zählt. MASTODON sind natürlich schon konzeptionell über Singlehits erhaben, so lädt die ganze Platte zum Schwelgen, Mitsingen oder Sezieren unter dem Kopfhörer ein, je nach Hörgewohnheiten.

Im Unterschied zu vielen anderen Bands lösen MASTODON das Versprechen ein, durch Bündelung ihrer stilistischen Merkmale auch wirklich ihre Stärken zu bündeln. Ob sich nun nach weiteren Durchläufen noch weitere Hits ergeben, bleibt abzuwarten – ebenso wie die qualitative Einordnung von „The Hunter“ ins das Gesamtwerk. Eine Scheibe dieser Band lässt sich einfach unmöglich fünf Tage nach Erscheinen (und nach nur zwanzigfachem Hören) abschließend bewerten.

FAZIT: MASTODON machen zum ersten Mal in ihrer Karriere nichts für sie Neues, rekombinieren aber ihre Stilmittel souverän bis genial. Vermutlich werden das ebenso viele Leute gut wie schlecht finden, ich bin vorläufig mit den Jungs versöhnt.

Hendrik Lukas (Info) (Review 6682x gelesen, veröffentlicht am )

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  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • Black Tongue
  • Curl Of The Burl
  • Blasteroid
  • Stargasm
  • Octopus Has No Friends
  • All The Heavy Lifting
  • The Hunter
  • Dry Bone Valley
  • Thickening
  • Creature Lives
  • Spectrelight
  • Bedazzled Fingernails
  • The Sparrow

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
Kommentare
Jon
gepostet am: 27.09.2011

Hinterlässt bei mir vorerst mal einen zwiespältigen Eindruck. Ein paar Songs sind echt klasse Mastodon-Songs aus der melodischen Ecke (Curl of the Burl, Dry Bone Valley, The Hunter), andere gehen schon eher in die Richtung Sludge (Blasteroid, Spectrelight). Von letzteren hätte ich mir mehr gewünscht, vor allem aber mehr Ecken und Kanten.
Speziell aber bei "The Creature Lives" und "Bedazzled Fingernails" legt sich meine Stirn in Falten: Was sollte das bitte? Weder Fisch noch Fleisch, diese halbgaren Versuche, die unentschlossen psychedelisch sein wollen.

Hmm... ich warte einfach mal ab.
Ohepp
gepostet am: 04.10.2011

User-Wertung:
9 Punkte

Unentschlossen, das Dingens. Ganz gut, etwas schlapp, dann wieder gut, dann schwach...
uninteressant
gepostet am: 26.03.2012

User-Wertung:
13 Punkte

ich gebe dir recht. crack the skye ist einfach zuviel. es gibt genial geile momente, und eigentlich sind alle songs gut aber da ist dieser komische, ach man weiß es nicht. es klingt irgendwie zu irgendwie. das album iost wie ein mit nugat gefüllter saftiger schokokuchen. geil aber zu mächtig.

auf the hunter haben mastodon nichts von dieser dichte verlohren. sie sind immer noch auf ihre art brachial und bruatl (auch wenn nicht im stil wie remession oder leviathan). es ist immer noch ein ziehmliches gefrikel; und mastodon hat meioner meinung nach nich nie ein einfaches oder gar kommerzielles album gebaut.

neben remission ist dies mastodons erstes output, welches kein konzeptalbum ist. und das ist gut.ich finde man kann hören, dass die band sich selbst genießt, dass das album kein kampf oder beweis sein muss, ist glaube ich schön für troy und konsorten.
die opener sind mir noch zuviel. also es sind gute songs, besser als auf manch anderen alben. aber vergleichsweise kommt erst ab stargasm der vibe. stargasm ist schöner verschnörkelter space rock. octopus has no friends ist rührend schön, aber dennoch irgendwie verstörend. the heavy liftings und dry bone valley sind geradezu tolle rocker und das gigantische the hunter, ist irgendwie balladesk (für mich der beste song des albums). mit the creature lives haben mastodon diesen beatles-kindersong-style aufgefasst. specterlight ist dagegen wieder sehr kräftig. und dann das outro (wie bei nem kylesa album) eine droge. er funktioniert wie ein ramases-song (band aus den 60ern, wurden später zu 10cc, nicht zu verwechseln mit dem electric wizard abkömmling ramesses). mit diesem göttlichen satz: Pursue happiness With diligence, was frei übersetzt soviel heißt, wie fleißig nach glück streben. und wie recht sie haben.
in meinen augen ist es mastodons bestes album.
aber man merkt, dass mastodon ein schwieriges bedienungsfeld sind.

peace bruder.
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