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Taipuva Luotisuora: IV (Review)

Artist:

Taipuva Luotisuora

Taipuva Luotisuora: IV
Album:

IV

Medium: CD
Stil:

Instrumentaler Space-Kunst-Psychedelic-Rock aus Finnland

Label: Nordic Notes / Kaakao Records
Spieldauer: 47:05
Erschienen: 06.06.2008
Website: [Link]

Geheimnisvoll. Fast etwas gruselig. Verdammt progressiv und rein instrumental. Wieder extrem fesselnd. Hier also kommt die nächste Entdeckung aus Finnland: TAIPUVA LUOTISUORA! Und wenn ich mich nicht extrem irre, dann kann man diesen Bandnamen als „Abwechslungsreiches (oder unterschiedliches) Höchsttempo“ übersetzen. Selbst wenn ich mich irren sollte, dann würde solche Begrifflichkeit trotzdem genau zu diesem Instrumental-Album passen.

Symphonische Breitwand-Epen mit metallischen Ausbrüchen und verspielten Klangexperimenten. Ein dunkler finnischer Grundton trifft auf psychedelischen Space-Rock, der auch vor poppigen Melodiebögen nicht zurückschreckt. Violinen schließen Blutsbrüderschaft mit E-Gitarren und bombastischen Bassläufen (Ilman Rihlan Kiertämää) und blubbernde Synthis gehen Hand in Hand mit mellotronartigen Klängen. Alles das und vieles mehr erwartet einen auf „IV“.

In dem Album geht es, genauso wie bei dem Klassiker von Vivaldi, um die vier Jahreszeiten. Das Schöne an diesem Motiv ist natürlich, dass jede Jahreszeit ihre Eigenarten hat, die sich deutlich voneinander unterscheiden. Gleiches gilt für die Musik von „IV“. Und einen Sinn für Humor scheinen die Finnen auch entwickelt zu haben. Denn wer seinem dritten (!!!) Album den Titel „IV“ gibt, der verunsichert alle rein mathematisch denkenden Hörer oder Zeitgenossen. Überträgt man diesen Titel aber auf die Jahreszeiten, so ist man der Lösung des Titelgeheimnisses sicherlich ganz nah. CD I + CD II + CD IV ist eben nicht immer gleich 4, dafür sind aber Frühling + Sommer + Herbst + Winter = 4 Jahreszeiten. Wie so oft ist eben nicht die hohe Mathematik das Maß aller Dinge, sondern das „natürliche“ Denken! Dazu kommt noch die durcheinander geratene Anordnung der Jahreszeiten-Songs. Beginnend mit dem Sommer „Capricious Bonfire“, schließt sich daran der Herbst in „Muting Glow“ an, welcher mit „Imaginary Blizzard“ in den Winter übergeht, um mit dem Frühling „Hopeful Sprout“ zu enden. Mal wieder ein Konzept-Album, das es durch den fehlenden Gesang dem Hörer leichter macht, beim Hören seine eigenen Bilder im Kopf zu entwerfen. Oder seinen Erinnerungen freien Lauf zu lassen.

Immer, wenn die Violine ins (jazz)rockige Spiel kommt, höre ich ein wenig FROGG CAFÉ, aber ohne deren typischen Hang zu FRANK ZAPPA. Wenn die vielfältigen Percussion-Instrumente erklingen, erscheint vor mir PIERRE MOERLEN mit seinem GONG, allerdings ohne die starken Jazz-Elemente oder den OLDFIELD-Bezug. Tauchen dann weltmusikalische Klänge, verbunden mit elektronischen Spielereien auf, kommen mir OZRIC TENTACLES in den Sinn. Hauen mich die metallische Härte und der progressive Schönklang um, erscheint in meinem Kopf ein anderes, von mir sehr hoch geschätztes Album: „Excelsior!“ von MASTERMIND. Bleibe ich dann im musikalischen Finnland, dann ist das Pendant zu dieser jungen finnischen Band HIDRIA SPACEFOLK mit ihrem psychedelischen Space-Rock. Die Mischung macht’s eben, genauso wie in den vier Jahreszeiten.

Zusätzlich bekommt der Hörer auch etwas für die Augen geboten. Ein Digi-Pack, dunkel gehalten, mit eingeklebtem Booklet, in dem neben den Musikern verschiedene gemalte Bilder in klassisch-romantischer Tradition abgebildet sind. Im Mittelteil sieht man beispielsweise eine Wolkenlandschaft, auf der sich Häuser, Bäume und eine Mühle erheben. Schaut man genauer hin, erkennt man noch Schafe, einen Brunnen und einen Schlossturm, die auf den ersten Blick verborgen blieben. Genauso verhält es sich mit der Musik – hört man sie oberflächlich, entgeht einem die ausgeprägte Liebe der Musiker für die ungewöhnlichsten Details. Spätestens aber, wenn man den letzten Titel „Kurki“ (Kran) hört, der mit leichten Free-Jazz-Einschüben, Rasseln, Triangel und einem sich langsam steigernden Cello beginnt, um boleroartig Takt um Takt an Fahrt aufzunehmen bis Cello und Gong die Führung übernehmen oder E-Gitarre und Keyboards loslegen - dann weiß man, dass nicht nur KING CRIMSON dieses unglaubliche Gefühl für die Schönheiten des außergewöhnlichen Klangs besaßen, der zwischen leise und laut, zart und hart schwankt. Für mich das große Finale eines großen Albums. Nur leider wird dieser Titel ausgeblendet, eine denkbar ungünstiger Abschluss für solch ein Ausnahmestück.

FAZIT: Es ist schon unglaublich, mit was für fantastischen Instrumentalalben solche finnischen Bands wie KATAYA, HIDRIA SPACEFOLK oder TAIPUVA LUOTISUORA aufwarten. Die Finnen machen uns vor, wie wundervoll solche Musik auch heute noch klingen kann, die ich in meiner jugendlichen Sturm- und Drang-Zeit gehört habe, egal ob meine Helden damals SOFT MACHINE oder PIERRE MOERLEN’S GONG, FLOCK oder MAHAVISHNU ORCHESTRA hießen. Meine neuen Helden kommen momentan aus Finnland. [Album bei Amazon kaufen]

Thoralf Koß (Info) (Review 3754x gelesen, veröffentlicht am )

Unser Wertungssystem:
  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
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  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • Kuuvuori
  • The Army Of Isopods
  • Capricious Bonfire
  • Ilman Rihlan Kiertämää
  • Muting Glow
  • Imaginary Blizzard
  • Kvasikonforminen Äyriäinen
  • Hopeful Sprout
  • Kurki

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

  • IV (2008) - 12/15 Punkten
  • 8 (2013) - 10/15 Punkten
Interviews:
  • keine Interviews
Kommentare
Mirko
gepostet am: 15.02.2011

Namedropping = offene Türen *g*

Ich teste...
Thoralf Koß (musikreviews.de)
gepostet am: 15.02.2011

Und ich bin mir sicher, dass du begeistert sein wirst ;-)

Der Antester und Vorschmecker Thoralf Koß

PS: Eigentlich schade, dass viele dieses "Namedropping" nicht richtig mögen - weil für mich es eher Grundlage dafür ist, den Lesern zu zeigen, in welchem (bekannten) Umfeld sich eine bis dato unbekannte Band bewegt.
Mirko
gepostet am: 15.02.2011

User-Wertung:
12 Punkte

Namedropping hat seinen schlechten Ruf dadurch bekommen, weil es gerade von Labels oftmals völlig falsch eingesetzt wird.
Bei sinnvollem und richtigem Einsatz (wie z.B. hier) finde ich es ein wichtiges Mittel.
Damit habe ich quasi meine Meinung zu der Band auch schon kundgetan. *g*
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
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