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Katatonia: Dead End Kings (Review)

Artist:

Katatonia

Katatonia: Dead End Kings
Album:

Dead End Kings

Medium: CD
Stil:

Dark Rock

Label: Peaceville / Edel
Spieldauer: 48:42
Erschienen: 24.08.2012
Website: [Link]

Bitte beachtet auch unser KATATONIA Massen-Review unter den Kolumnen!

Dead End Kings, oder: Aus dem atmosphärischen Königtum in die kreative Sackgasse?

Mit ihrer besonderen Form von Melancholie haben KATATONIA sich längst ein Monopol geschaffen. Eine diffuse Körperlosigkeit umweht ihre traurigen Hymnen, die spätestens für "Night Is The New Day" zur urbanen Kunst erklärt wurden; wie Mauerhall fegten die Stücke durch eine Szenerie aus alten Gebäuden und durch den Nebel aufsteigender Kanalisationsdämpfe hindurch. Was derartige Bilder aussagen, fangen KATATONIA in ihren zunehmend ausgefeilten Werken ein.

Das Ende der Fahnenstange ist aber erreicht. Das letzte Album war für sich genommen gewissermaßen "perfekt", fast schon zu sehr: Manchem erschien das Klinische darin als Widerspruch bei einer Band, die sich schließlich in den düsteren Ecken der Welt ihre Muse fängt und entsprechend Dreck schlucken soll. Doch auch ohne in direkten Kontakt mit dem Schmutz nächtlichen Stadtlebens zu geraten, wirkte "Night Is The New Day" mit seiner distanzierten, observierenden Engelsperspektive intensiv auf die Gefühlswelt ein. Wie könnte man diesen Effekt noch weiter abrunden? Ein weiteres Album, das sich so schmeichelnd darum bemüht, die Traurigkeit beim Hörer zum Vorschein zu bringen, müsste schließlich irgendwann abstumpfen und redundant werden. Es würde sich dadurch eher von den Emotionen distanzieren, anstatt noch tiefer in sie einzudringen.

Und in der Tat: Wenn Jonas Renkse seine inzwischen durchschaubaren Gesangslinien anbringt oder die wieder gleich strukturierten Metal-Riffs Düsternis zu beschwören versuchen, tritt für Vertraute des Backkatalogs ein Gewöhnungseffekt ein, der so nicht beabsichtigt sein kann. Es dauert nur Sekunden, da schmachtet Renkse "In the weak light…" und es erblühen blumige Muster auf dem inneren Auge, die allerhand Déjà-Vus zum Vorschein bringen: Das kennt man doch schon? Und so formen sich bereits nach wenigen Augenblicken erneut die bestimmenden Anlagen eines ergreifenden, gleichwohl vorhersehbaren KATATONIA-Werks, das mit den letzten beiden Alben die gleichen Wesenszüge teilt. Es verbittert, es macht wütend, es verströmt Trauer, sogar eine gewisse Süße, die von der immer zuletzt sterbenden Hoffnung stammen könnte. Aber all das gelingt ihr nicht zum ersten Mal, es geschieht einfach… schon wieder.

Inwiefern sich KATATONIA der Gefahr der Selbstwiederholung bewusst sind, kann nur spekuliert werden. Fakt ist, sie opfern die geschlossene Stadtatmosphäre des Vorgängers und lassen sich trotz der zuverlässig durchscheinenden DNA auf Experimente ein. "Dead End Kings" ist ein von orchestralen Streichern dominiertes Album; so sehr, dass eine Melodielinie, die sich durch das Schlussviertel von "The Parting" zieht, anfangs wie eine Geige anmutet, sich dann aber doch als Gitarre entpuppt. Großzügig wird auch Platz gemacht für sanfte Momente, in denen einem perlenden Piano Platz geschaffen wird. In der ersten Minute von "The Racing Heart" beispielsweise rafft sich all das zu einem langen Innehalten zusammen, bevor wie aus dem Nichts ein Refrain ins Arrangement gezimmert wird, der in seiner emotionalen Sogkraft so typisch für die Schweden ist und auf ähnlich schlichte Art derzeit wohl nur noch von ANATHEMA und SWALLOW THE SUN geschaffen werden kann.

Gewissermaßen tragen die elf Stücke damit einen Zweikampf aus: Der experimentelle, verkopfte Teil, der am Ende nicht einmal vor unzweifelhaften TOOL-Reminiszenzen zurückschreckt ("Dead Letters"), steht irgendwo im Widerspruch zu der Anlage der Band, Stimmungen mit einfachsten Mitteln zu erzeugen. Immerzu scheint sich das Songwriting gegen die Stagnation zu stemmen, ohne sie aber ganz aushebeln zu können. Nicht, dass die neuen Elemente nicht gekonnt arrangiert wären; im Gegenteil bringen sie wunderbar funktionierende Neuerungen ein. Angesichts der dominanten Anlage übernehmen sie jedoch niemals das Regiment, sondern lassen sich von Renkses Harmonien führen, die hier ob ihrer Gleichförmigkeit zur Masche zu verkommen drohen.

FAZIT: "Dead End Kings" wirkt weniger geschlossen als sein Vorgänger, hatte aber auch gar nicht die Option, so geschlossen zu sein, ohne gleichzeitig zum Duplikat zu werden. Mühelos hätten KATATONIA ein weiteres "Night Is The New Day" aufnehmen können, davon geben haufenweise ergreifender Melodien Aufschluss, die sich hier verbergen. Dass man dieser Sackgasse entkommen wollte, davon zeugt nebst Titel der Versuch, gewisse Strukturen neu anzusetzen und zu variieren. Doch die Trademarks sind zu stark, als dass man sie einfach so unter den Teppich kehren könnte. Ein wiederum wunderschönes, aber mit sich selbst haderndes Album.

Sascha Ganser (Info) (Review 6538x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 10 von 15 Punkten [?]
10 Punkte
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Tracklist:
  • The Parting
  • The One You Are Looking For Is Not Here
  • Hypnone
  • The Racing Heart
  • Buildings
  • Leech
  • Ambitions
  • Undo You
  • Lethean
  • First Prayer
  • Dead Letters

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
Kommentare
Troll
gepostet am: 28.08.2012

User-Wertung:
3 Punkte

Habe die Platte das ganze Wochenende gehört und bin fassungslos. Was soll das sein? Prog Pop mit Pussy-Gitarren? Diese Platte ist einschläfernd und wendet sich komplett ab vom Metal. Enttäuschung 2012!
Mirko
gepostet am: 30.08.2012

User-Wertung:
5 Punkte

Ich kann mich Oli's Review in der Massenkolumne nur anschließen.
Die Band hat sich natürlich über die Jahre verändert, aber sie machen mittlerweile nicht nur andere Musik, sondern haben auch in der Qualität erschreckend nachgelassen.
Dennis
gepostet am: 01.09.2012

User-Wertung:
15 Punkte

oje,3 leute schon,die ma GAR KEINE ahnung von guter anspruchsvoller musik haben. traurug,das sowas rezensionen schreiben darf(soll kein persoenlicher angriff sein aber die rezi ist ein witz)
Nils [musikreviews.de]
gepostet am: 01.09.2012

Hi Dennis,
Wäre es nicht fair, ein paar Argumente zu bringen? Nicht dass hinterher alles ein Witz ist, was nicht deiner Meinung entspricht ... ;-)
Dennis
gepostet am: 01.09.2012

User-Wertung:
15 Punkte

Moin Nils,

hör doch einfach nochmal das album...argument genug denke ich. weiss ja nicht, wie lang Du Dich mit dem album beschaeftigt hast, aber es braucht (wie immer bei katatonia) zeit,um die volle wirkung zu entfalten. schon klar, wenn Du hier rezis schreibst,haste wahrscheinlich nicht die zeit, 2 wochen einem einzigen album zu widmen...solltest Du aber tun,es lohnt sich:-). und NEIN, es ist nicht alles ein witz, was nicht meiner meinung entspricht (wieder kein persoenlicher angriff,aber diese unterstellung deinerseits hat amazon niveau). ich empfinde diese rezi aufgrund des inhalts (nicht unbedingt wg den 10pkt)aber trotzdem als witz,sorry und nichts fuer ungut;-)
Sascha G. [Musikreviews.de]
gepostet am: 02.09.2012

Macht gar nix, solange ich keine Argumente höre, warum die Rezi ein Witz ist, und zwar solche, die mich in meinen Grundfesten erschüttern, kümmert mich das herzlich wenig. ;) "Hör doch einfach nochmal das Album... Argument genug denke ich". Ha. Was ein Glück, dass du keine Rezis schreibst...
Troll
gepostet am: 10.09.2012

User-Wertung:
3 Punkte

Ich frage mich woher der Dennis seine Annahme, dass drei Leute hier keine Ahnung hätten, begründet. Ich für meinen Teil habe mein erstes Katatonia Album 1993 - das war Dance of December Souls - gekauft. wahrscheinlich hat er da noch in die Hose gekackt. Bei dem extrem Abgang zur Popsülze, ist es doch völlig nachvollziehbar, dass viele der alten Fans hier nicht mehr mitziehen....
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
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