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Argos: Cruel Symmetry (Review)

Artist:

Argos

Argos: Cruel Symmetry
Album:

Cruel Symmetry

Medium: CD
Stil:

Progressiver Rock aus Deutschland, der eigentlich aus Canterbury kommen müsste!

Label: Progressive Promotion Records
Spieldauer: 54:37
Erschienen: 14.12.2012
Website: [Link]

„Grausame Symmetrie“ - spätestens nachdem wir im Mathematikunterricht verzweifelt irgendwelche Parallelogramme mit Wahrscheinlichkeitsrechnungen am Ende doch noch zusammenführen wollten, wissen wir, dass all die Symmetrie etwas Grausames in sich trägt. Da befindet sich zwar was nebeneinander, trifft sich aber nicht, weil es im Grunde gleich, eben ein Abbild des Anderen, ist. Doch noch schlimmer ist diese Symmetrie des Lebens – der ewige Gleichschritt, das blinde Nebeneinander, diese Führer-wir-folgen-dir-Mentalität oder, wie es ARGOS so schön zum Ausdruck bringen: „Ride On Parallel Lines“.

Doch es gibt auch etwas wirklich Gutes an der „Cruel Symmetrie“, dem mehrteiligen symphonischen Epos mit 21-minütiger Laufzeit des gleichnamigen Albums der deutschen Canterbury-Progger, die es mit ihrem dritten Album locker schaffen, in einem Atemzug mit GENTLE GIANT und CARAVAN genannt zu werden. Denn was für GENESIS ihr „Supper's Ready“ war, ist für ARGOS nun ihre „Cruel Symmetry“ geworden. Ein kleines Kunstwerk, das an Abwechslungsreichtum nicht mehr zu übertreffen ist und so leichtfüßig und zugleich wild zwischen allen progressiven Spielarten des Retro-Prog, Canterbury, Jazz-Rock, aber auch Brit-Pop, Fusion oder 70er-Jahre-Kult hin- und hertänzelt, dass dem Hörer beinahe schwindelig davon wird. Hammond Orgeln, Streicher, Flöten, Mellotron, akustische und elektrische Gitarren, Synthesizer, Bässe, jede Menge Schlaginstrumente und Satzgesänge der Marke GENTLE GIANT sowie auch beinahe zerbrechliche Stimmen im besten PETER HAMMILL- oder ROBERT WYATT-Stil erfüllen den ARGOS-Klangkosmos, der seine Musik-Meteoriten nicht Richtung Russland, sondern direkt durch die Boxen in die heimischen Stuben jagt und dort eine wahre Verwüstung in allen schön „schubladisierten“, durchschaubaren Musiksammlungen hinterlässt, weil sich einfach keine passende Schublade dafür findet.

Dieses deutsche Quartett unter Federführung des Mainzers THOMAS KLARMANN, der zwar auf diesem Album singt, aber nicht lacht, räumt ordentlich mit allen Vorurteilen auf, die gewisse Bands zu standardisierten Vorzeigegrößen werden ließen, egal ob sie VAN DER GRAAF GENERATOR oder SOFT MACHINE heißen. ARGOS kann durchaus genauso klingen, aber eben auch völlig anders, wie beispielsweise bei der Geschichte über den fliegenden Robert, der eines Tages in einem Gewitter mit seinem Regenschirm aufsteigt und für ewig verschwunden bleibt – so etwas Ähnliches kennen wir natürlich schon aus dem „Struwwelpeter“. Aber wenn auf „The Story Of Flying Robert“ ein Saxofon sich zärtliche Duelle mit dem Gong liefert oder JAN GARBAREK auf KENNY G trifft, dann trauen wir irgendwann unseren Ohren kaum noch. Der Song macht mit all seiner musikalischen und textlichen Hintergründigkeit dermaßen Spaß, dass man sich sofort wünscht, Ähnliches auch mal im Radio zu hören. Ich bin mir sicher, dass nicht nur ich darüber begeistert wäre.

Oder „Paper Ship Dreams“, ein Lied mit mittelalterlichen Klangstrukturen, samt Spinett und Flöte, das einen so herrlich an die längst vergessenen GRYPHON erinnert und sogar ein wenig verspielt vor sich hinjazzt, während im Text die Frage gestellt wird, woran es wohl liegt, dass die Papier-Schiffchen nicht gleich untergehen und die kindliche Angst beleuchtet wird, wann dieser Moment wohl eintreten wird.

Mit dem nachdenklichen „Open Book“, so eine Art Beziehungsdrama, ausgelöst durch die Tatsache, dass jemand erkennt, dass die geliebte Person neben ihm nicht zu durchschauen oder verstehen ist wie ein offenes Buch, sondern eine Mauer in sich um die nächste baut. Dazu Musik, die diese Spannung genau auf den Punkt bringt – ein Wechselbad der Gefühle und Noten.

FAZIT: ARGOS – das ist nicht nur eine Band aus Deutschland, die eigentlich in Canterbury beheimatet sein müsste, sondern es ist auch DIE Überraschung auf dem progressiven Superlabel aus Deutschland „Progressive Promotion Records“. Da klingt der Nachfolger zu ARGOS auf diesem Label, T's „Psychoanorexia“, der mir einige recht unfreundliche Gästebucheinträge unter meiner Kritik beschert hat, weil hier eine sich beleidigt fühlende, „anonyme“ Fanbasis der Meinung ist, Herr T hätte das „Album des Jahres“ geschaffen, zwar trotzdem noch gut, aber keinesfalls so gut wie „Cruel Symmetry“.

Thoralf Koß (Info) (Review 4972x gelesen, veröffentlicht am )

Unser Wertungssystem:
  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • Cruel Symmetry
  • a) Quiet Circle
  • b) Equivocal
  • c) Parallel Lines
  • d) Far Away In Time
  • e) Out There (Instrumental)
  • f) March Of The Legged Salmon Farmers (Instrumental)
  • g) Agents Of Fear
  • h) Parallel Lines (First Reprise)
  • i) Anonymus Wyaholics (Instrumental)
  • j) Blind Rain
  • k) Meltdown
  • l) Parallel Lines (Second Reprise)
  • m) Epiloque
  • Paper Ship Dreams
  • Chance Encounters
  • Possessions
  • The Story Of Flying Robert
  • Caught Within The Light
  • Open Book

Besetzung:

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  • keine Interviews
Kommentare
Thomas Klarmann
gepostet am: 22.02.2013

Lieber Thoralf,
Vielen Dank fürs genaue Hinhören und das Lob . In besonderem Maße auch was unsere Texte betrifft.
Witzigerweise hab`ich aber einmal sogar neben dem Singen wirklich auch gelacht. Aber nur ganz kurz und eher zynisch bei "Open Book"
Liebe Grüße aus Mainz
proggus
gepostet am: 22.02.2013

User-Wertung:
12 Punkte

Sind halt Beides tolle Alben, der eine mag das eine mehr, der andere das andere... sind wir froh, dass es zwei so tolle Alben aus deutschen Landen gibt.
Thomas Klarmann
gepostet am: 23.02.2013

Ich freu mich vor allem für den Oli (Wenzler).
Wir treten ja schließlich nicht "gegeneinander" an mit unserer Musik .
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
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