Musikreviews.de bei Facebook Musikreviews.de bei Twitter

Partner

Statistiken

Paul Roland: Bates Motel (Review)

Artist:

Paul Roland

Paul Roland: Bates Motel
Album:

Bates Motel

Medium: CD
Stil:

Psychedelic-Baroque-Garage-Rock

Label: Sireena Records
Spieldauer: 46:20
Erschienen: 01.03.2013
Website: [Link]

“Grimm”, das im Alleingang aufgenommene Album PAUL ROLANDS war seine bislang schwächste Veröffentlichung. Es besaß zwar eine holprigen Hausmusik-Charme und gelegentlich konnte ROLAND jene geisterhaft-verhuschte Stimmung beschwören, die er wie kaum ein Zweiter zu erzeugen vermag, aber „Grimm“ war über die gesamte Laufzeit zu schlicht ausgeführt und produziert, um Begeisterungsstürme zu entfachen. Und der Bonus mit Meister ROLAND als Märchenerzähler, völlig ohne musikalische Begleitung, war auch nur etwas für eingefleischte Fans und englischsprachige Kleinkinder, deren (Groß)-Eltern keine Gute-Nacht-Geschichten mehr erzählen.

Knappe zwei Jahre später erscheint „Bates Motel“. Glücklicherweise wieder mit Band! Doch leider nicht der intendierten…
Denn die Geschichte von „Bates Motel“ geht zurück bis ins Jahr 1985, als der damalige Musikjournalist PAUL ROLAND im Rahmen eines VELVET UNDERGROUND UNDERGROUND-Interviews unverblümt naschfragte, ob die Band nicht Lust hätte ein Album mit ihm aufzunehmen. NICO, Sterling Morrison und Maureen „Moe“ Tucker zeigten sich interessiert und das gemeinsame Projekt ging in die Planung. Doch zunächst gab es technische Inkompatibilitäten, dann starben NICO (1988) und später Sterling Morrison (1995) überraschend. „Bates Motel“ wurde auf Eis gelegt. Für fast 20 Jahre.

Doch jetzt hat PAUL ROLAND das Material aus der Schublade geholt, überabeitet und eingespielt, mit beherzt auftretenden Begleitern, die den „Grimm“schen-Solo-Abstecher locker vergessen machen. Vergleiche wie sich die Songs mit Morrison, Tucker und NICO angehört hätten, können wir uns wegen Nichtwissens sparen. Nur so viel: Es hätte gepasst!

ROLAND ist wieder in seinem Element; kleine und große B-Movies, von „I Was A Teenage Zombie“ bis zu „Psycho“ und dem titelgebenden „Bates Motel“ werden zitiert und mit Verve von der Leinwand ins musikalische La-La-Wonderland PAUL ROLANDs torpediert. Da triftt die Göttin „Kali“ mit leichtem orientalischen Touch auf die folternde Tochter Dr. Fu Manchus, zwei der drei Stooges treiben sich mit Stagger Lee in Katmandu herum, andernorts herrschen Verzweiflung, Sehnsucht, Wahnsinn, der Geist von „Devil’s Island“ in geradezu biblischen Dimensionen („Cain“). Begleitet von treibendem psychedelischen Rock in ROLANDs ganz eigener Manier. Jene magische Mixtur aus barockem Gothic-Style (Charles Maturin, M. G. Lewis, Edgar Allan Poe und H.P.Lovecraft; nicht all das, was sich zwischen den SISTERS OF MERCY und den unseligen UNHEILIG tummelt), einer gehörigen Portion Swamp-Garage-Rock und verspielter Psychedelia. Das Titellied hat vom Einstieg an Potenzial zum Klassiker („I was rolling west on route 66“), ähnliches gilt für das östlich angehauchte „Kali“ und das biblisch-beschwörende „Cain“, während „I Was A Teenage Zombie“ ein fast schon fröhlicher RAMONES-Gedächtnis-Rocker ist. Auf „The Wailing Well“ und „The Light Of Life Drains Out Of Me“ wird geisterhaftes Zwielicht zelebriert, “Crazy” erzählt von pubertären Nöten (Teenage Zombie/Werwolf again? Auf jeden Fall „menace to society“…) und „Tortured By The Daughter Of Fu Manchu“ kann so übel nicht sein…

Der Sound wird getragen von Gitarre, satter Orgel, prägnant polternden Rhythmen und gelegentlichen instrumentalen Ergänzungen (Sitar, Violine, Xylophon, Flöte, Synthies etc.).

Bleibt – wie üblich – zu hoffen, dass PAUL ROLAND mit Sireena ein Label gefunden hat, mit dem er endlich den Erfolg einfährt, den er verdient!

FAZIT: Nach dem schwächelnden „Grimm“ meldet sich PAUL ROLAND eindrucksvoll zurück. Unvermeidlicherweise ohne die gewünschte VELVET UNDERGRUND-Unterstützung, aber mit einer Band, die mehr ist als ein schwacher Ersatz. Großartiges Album, zum Einstieg wie zur weiteren Versenkung in ROLANDs kleine Alptraumwelt bestens geeignet. Und ein Fest für Fans des Grindhouse-, Auto-, Double-Feature- und Matinee-Grusel-Kinos, die wissen, dass dies keine Erfindung Quentin Tarantinos ist.

Jochen König (Info) (Review 5388x gelesen, veröffentlicht am )

Unser Wertungssystem:
  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
[Schliessen]
Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
Kommentar schreiben
Tracklist:
  • I Was A Teenage Zombie
  • Kali
  • Bates Motel
  • How I Escaped From Devil's Island
  • The Wailing Well
  • Tortured By The Daughter Of Fu Manchu
  • The Light Of Life Drains Out Of Me
  • Katmandu
  • Promised
  • Crazy
  • Cain
  • I'm In Love With Myself (Bonus Track)

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
Benachrichtige mich per Mail bei weiteren Kommentaren zu diesem Album.
Deine Mailadresse
(optional)

Hinweis: Diese Adresse wird nur für Benachrichtigungen bei neuen Kommentaren zu diesem Album benutzt. Sie wird nicht an Dritte weitergegeben und nicht veröffentlicht. Dieser Service ist jederzeit abbestellbar.

Captcha-Frage Was legt ein Huhn?

Grob persönlich beleidigende Kommentare werden gelöscht!