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Close Talker: Flux (Review)

Artist:

Close Talker

Close Talker: Flux
Album:

Flux

Medium: CD
Stil:

Melancholischer Indie-Pop

Label: Nevada Records/Rough Trade
Spieldauer: 40:45
Erschienen: 23.01.2015
Website: [Link]

Eigentlich sollte „Flux“, das Debüt (nach einer EP) der kanadischen Band CLOSE TALKER, letztes Jahr im November erscheinen. Parallel zum Verkaufsstart in den USA und dem eigenen Land. Doch dann wurde die Veröffentlichung auf Ende Januar 2015 verschoben, was sehr verwundert. Denn „Flux“ ist ein nahezu perfektes Herbstalbum.

Melodiös, von getragener Melancholie und ebensolchen Synthesizern, die mal flauschige Hintergrundflächen bilden oder sich warm getunt in den Vordergrund spielen. Dazu gesellen sich sanfte Gitarren, legere Rhythmusarbeit mit kleinen Kapriolen und ein einsam hauchendes Saxophon wird ebenfalls einmal bemüht. Was ganz leichte Assoziationen zu ROXY MUSIC weckt. Aber nur ganz dezent. Andere Vergleiche sind offensichtlicher.

Genau das ist das Problem von „Flux“. So einnehmend – und etwas gleichförmig im unteren Midtempo verweilend - die Melodien sind, so sehr hat man beim Hören das Gefühl, einzelne Passagen oder ganze Stücke bereits von woanders her zu kennen. Eine ungefähre Nähe zu COLDPLAY lässt sich bei dieser Art der Musik wohl kaum vermeiden, ist aber schätzenswerterweise relativ gering, näher dran sind (gesanglich) die LOCAL NATIVES, THE VILLAGERS, BRANDON FLOWERS, THE NATIONAL in entspannten Momenten, INTERPOL was Bass und Rhythmusarbeit angeht (wenn die Band es ruhig angehen lässt) und vor allem die sachteren Songs der FOALS. Man höre zum Vergleich FOALS „Spanish Sahara“, aus der sich mehr als Spuren im Sand wiederfinden lassen.

Von diesem Déjà-vu-Gefühl abgesehen, weiß „Flux“ zu gefallen. Wenn man auf die romantische Variante der Neo-Folk-Indie-Kammer-Pop-Musik der letzten anderthalb Jahrzehnte steht. Hier fällt kein lauter Ton, nur selten erheben Willl Quiring und seine Kollegen die Stimme, und selbst das klingt bestenfalls wie eine erstaunte Ermahnung voller Taktgefühl. Wohlklang ist ein Freund, nachdenkliches Klagen auch, wenn es ganz schlimm wird mit der trüben-Wetter-Traurigkeit, seufzen eine Violine und das oben bereits erwähnte Saxophon. Doch keine Bange (bzw. leider), CLOSE TALKER sind viel zu freundlich und harmonieselig um in desperate Tiefen abzutauchen.

Auf der anderen Seite vermeiden sie aber auch zu sülziges Rumjammern, worüber man sehr dankbar sein darf. Die Band hat die Melodien, die Refrains, den Geschmack und auch das Geschick ihr elegantes und charmantes Wohlfühlprogramm bis zum Ende der gepflegten Schallplattenlänge von vierzig Minuten durchzuziehen.
Woher kenne ich bloß den Refrain von „Burnstick“ – MUMFORD & SONS, FLEET FOXES, KILLERS oder war es gar PASSENGER? Verdammt, ich komme aus der ertappt-Falle nicht raus.

FAZIT: I know what I like in my wardrobe. Glattgebügelte Paisley-Hemden, schwarze T-Shirts und Hosen, einen Rollkragenpullover, den ich nie anziehe, bequeme Slipper, blankgeputzt, ohne Troddeln, leicht abgetragene Wildlederstiefelletten, die ein oder andere BRYAN-FERRY-Gedächtnis-Krawatte und ein Glas warmer Milch mit Honig. Jetzt lasse ich mir noch einen Hipster-Vollbart wachsen, spiele versonnene Gitarrenstücke am Lagerfeuer, aber nur, wenn das begleitende Keyboard ein Batteriefach besitzt oder irgendwo eine Steckdose ist. Wäre es jetzt Herbst, so wie sein sollte, würde ich durch’s bunte Laub tollen, der Liebsten hinterher. Der möglichen Liebsten. Oder der Unmöglichen. In Zeitlupe versteht sich. Im Januar reicht es immerhin für eine gehauchte Eisblume ans Glas und einen schnell vergänglichen Schneeengel im lauschigen Winterwald. Schmelze zu Kammermusik dahin, schluchze leicht. Hach wie schön.

Jochen König (Info) (Review 3031x gelesen, veröffentlicht am )

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Tracklist:
  • Heads
  • Burnstick
  • Blurring Days
  • For the Sun
  • Great Unknown
  • The Silence I
  • The Silence II
  • Patmos
  • Take it Back
  • Slow Weather

Besetzung:

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