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Richard Palmer-James: Takeaway (Review)

Artist:

Richard Palmer-James

Richard Palmer-James: Takeaway
Album:

Takeaway

Medium: CD/Download
Stil:

Singer/Songwriter, Folk, Blues, Americana, Pop

Label: Eigenvertrieb/Primary Purpose/Glass Onyon
Spieldauer: 56:18
Erschienen: 07.10.2016
Website: [Link]

Es ist schon eine faustdicke Überraschung, wenn urplötzlich RICHARD PALMER-JAMES mit einem neuen, im ANDY WARHOL-Popkunst-Stil versehenen Album aufschlägt und sicher bei vielen Hörern unglaubwürdiges Erstaunen und garantiert auch Begeisterung zurücklässt, vorausgesetzt natürlich, man mag hervorragende Singer/Songwriter-Musik mit einer dicken Prise Americana und Melodien, die einen sofort zum Zuhören einladen, während die ausgezeichneten Texte regelrecht ein genaues Hinhören einfordern!

Doch werfen wir zuvor einen Blick zurück – in die bewegte Musik-Vergangenheit von RICHARD PALMER-JAMES, einer „Legende im Hintergrund“. Palmer-James nämlich war Gründungsmitglied, Gitarrist, Komponist und Texter von SUPERTRAMP (1969 – 1970), dann Gitarrist bei der Jazz-Rock-Band EMERGENCY (1973) und von 1973 bis 1974 Texter bei KING CRIMSON, wo er die Lyrics für „Larks‘ Tongues In Aspic“, „Starless And Bible Black“ und „Red“ beisteuerte. Sehr spannend war in KC-Beziehung auch die Pre- und Post-Produktion von „Monkey Business 1972-1997“, eine Retrospektive von JOHN WETTON und PALMER-JAMES!

Wer nun aber glaubt, er würde mit dem Debüt-Album „Takeaway“ von RICHARD PALMER-JAMES wieder Progressives oder Jazz-Rockendes bzw. SUPERTRAMP-Ähnliches geboten bekommen, der irrt sich gehörig. Die Musik auf „Takeaway“ ist eine Kombination aus Singer/Songwriter, Americana, Folk-Pop, Blues und hervorragenden Texten. Eine mehr als gelungene Kombination, die immer mal wieder an die DIRE STRAITS bzw. noch mehr an die Solo-Alben der KNOPFLER-Brüder und am allermeisten an TOM PETTY erinnert, wobei auch eine wichtige Rolle spielt, dass Palmer-James schon mehrere Filmmusiken komponierte. Das kommt „Takeaway“ deutlich zugute und beim genauen Hören wandern einem durch seine Musik und die Texte vielfältige Bilder und Szenen durch den Kopf. So beschreitet Palmer-James einen ähnlich ungewöhnlichen Weg, wie ein ebenfalls ehemaliges Mitglied von KING CRIMSON, nämlich GORDON HASKELL, der sich nach seinem Crimson-Ausstieg ebenfalls als Singer/Songwriter mit hervorragenden Alben etablierte, die sich zwischen Bar-Jazz, Folk und Pop bewegten.

Stellenweise klingt einiges auf „Takeaway“ im positiven Sinne „altersweise“ und spielt sich vorrangig wie selbstverständlich im ruhigen oder Midtempo-Bereich ab. Auf „Highway Code“ glaubt man gar, wenn Palmer-James, der schon seit 1971 in Deutschland lebt, jetzt deutsch singen würde, hätte man es bei solche bewegendem Text und diesem gefühlvollen Gesang mit REINHARD MEY zu tun, der nach dem Tod seines Sohnes voller Melancholie seine lyrischen Geschichten als ausgezeichneter Sänger vorträgt: „She says, I‘m driving on the safe side, I‘m hidden by my lights / But I‘m grateful for a kindness to see me through the night.“ Das geht nah, das berührt, das verführt zum Zuhören und ein wenig auch zum Traurigsein.
Genau das ist das Geheimnis, welches sich hinter „Takeaway“ versteckt und wohl gerade darum das Debüt eines 69-jährigen Musikers ist, welches auch als eine Art Hinterlassenschaft so wichtig für RICHARD PALMER-JAMES zu sein scheint. Und uns lässt er daran teilhaben, denn wir, die Musik lieben, sind diejenigen, die ihm wohl ähnlich wichtig sind wie (s)eine Familie.

FAZIT: Aus Anlass seines 65. Geburtstags vor vier Jahren stellte Palmer-James fest: „Als Musiker bist du dazu verdammt, solange weiterzumachen, bis es nicht mehr geht. Auch prominente Kollegen hören nicht auf, sie leben für die Musik. Es ist eben so: That's what we do...“ - und was RICHARD PALMER-JAMES auf „Takeaway“ tut, ist der lebendige Beweis dafür, dass es der 69-Jährige noch voll drauf hat. Ein klein wenig tröstet solch ein Album sogar darüber hinweg, dass der gerade verstorbene LEONARD COHEN, für immer verstummt ist. Schaut man sich die Texte von Palmer-James genauer an und hört ihm intensiv zu, dann ist es wieder da, ganz lebendig, dieses Cohen-Gefühl!

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 3667x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • Aerodrome
  • A Very Bad Girl
  • Baker‘s Dozen
  • Chances Passing
  • Dance For Me
  • Halfremembered Summer
  • Honest Jim
  • Highway Code
  • Doing Time
  • Guano Blues
  • Saving You From Drowning
  • So We Meet Again
  • Takeaway

Besetzung:

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