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Klaus Schulze: Klaus Schulze‘s WAHNFRIED: Trance Appeal (1996) (Review)

Artist:

Klaus Schulze

Klaus Schulze: Klaus Schulze‘s WAHNFRIED: Trance Appeal (1996)
Album:

Klaus Schulze‘s WAHNFRIED: Trance Appeal (1996)

Medium: CD
Stil:

Elektronische Musik

Label: M.I.G. Music
Spieldauer: 75:57
Erschienen: 06.04.2018
Website: [Link]

Es ist wirklich verdammt schwer, bei einem KLAUS SCHULZE den Durchblick zu bewahren.
Wann ist er nur WAHNFRIED, wann nicht?
Wann ist er KLAUS SCHULZE‘s WAHNFRIED, wann nicht?
Wann ist er nur KLAUS SCHULZE ohne WAHNFRIED?
Einen Überblick bei dieser Schulze-Elektronik-Diskographie erscheint gänzlich unmöglich.
Und wenn er dann auch noch mit Techno-Klängen liebäugelt, dann wird nicht nur der Hund in der elektronischen Pfanne, sondern auch seine Anhänger verrückt.

„Trance Appeal“ jedenfalls darf beruhigt unter KLAUS SCHULZE‘S WAHNFRIED eingeordnet werden, womit klar ist, dass mindestens ein weiterer Musiker an diesem elektronischen Kompositum beteiligt ist – in diesem Falle der Keyboarder und Computer-Programmierer JÖRG SCHAAF, der dieses recht düstere, aber mit jeder Menge kristallklarer Klang-Effekte und unüberhörbaren Techno-Rhythmen versehene Album im Sommer 1995 in Hambühren gemeinsam mit Schulze einspielte. Ungewöhnlich hieran ist bereits, dass Schulze – ähnlich wie er es mit PETE NAMLOOK handhabte – hier die absolute elektronische Musikhoheit aus der Hand gibt und sie mit Schaafs Ideen teilt. Das führt dazu, dass dieses untypische Schulze-Album unter dem Namen WAHNFRIED bei vielen Schulze-Fans nicht gerade ein Spitzenposition unter ihren Lieblingsalben einnimmt.
Eigentlich schade, denn „Trance Appeal“ hat neben der atmosphärisch-dunklen Stimmung eine ganze Menge an Überraschungen zu bieten, die gerade auf den hohen Tönen, die ständig wie kleine Lichtblitze die Dunkelheit zerreißen, basieren!

Ambient trifft auf Techno, trifft auf Space-Klänge, trifft auf klangvolle Computer-Programmierungen, trifft auf ein paar typische Schulze-Momente und eine riesige Portion New Age. Und schwupps, schon erhebt sich das wahnfriedsche Elektronik-Klang-Imperium von „Trance Appeal“, in dem immer wieder die Jedi-Ritter mit ihren Lichtschwertern aufzutauchen scheinen, um ordentlich Unruhe zu stiften.
Obwohl...
Eigentlich erhebt sich „Trance Appeal“ nicht, sondern scheint gleich zu Anbeginn tief wie „Das Boot“ von U96 abzutauchen und zum Elektro-Käpt‘n-Nemo zu werden, der in den Untiefen entlang des Meeresbodens seine Bahnen zieht, während seine Scheinwerfer immer wieder kleine hektische Fische, aber auch bunte Korallen und so einige bedrohliche Raubfische einfangen. Trotz all der unterschiedlichen Reflexionen zieht es ruhig, mitunter fast behäbig sein Bahnen durch die Dunkelheit der Meerestiefe.

Die deutsche Zeitschrift „Keyboards“ charakterisiert das Album im Jahr seines Erscheinens als ein Album, auf dem Brücken zwischen „Tradition und Moderne, Berliner Schule und Rave Society, hörbar und tanzbar“ geschlagen werden und liegt mit dieser Beschreibung – selbst wenn man statt Rave unbedingt Techno hätte schreiben sollen – der Musik auf diesem WAHNFRIED-Album sehr nahe.

Warum die Stücke darauf so ungewöhnlich kurz – zumindest aus Schulze-Sicht – geraten sind, erklärt der Elektronik-Meister dann selber in dem 16seitigen Booklet, welches sich im dreifaltigen Digipak befindet: „Die Stücke waren nicht von Anfang an so kurz konzipiert; wir haben aber auch nicht lange Stücke editiert, bis sie nur noch drei, vier oder neun Minuten lang waren. ‚Schuld‘ ist eigentlich Jörg, der nicht wie ich dieses Langzeitbewusstsein hat, sondern immer schnell zur Sache kommt und sich lange Intros spart.“

Zugleich sieht Schulze aber voraus, dass sicher viele Fans seiner Musik mit dem Album gehörige Probleme bekommen werden: „Techno-Trance war eine Ästhetik, mit der einige Fans ihre Probleme hatten. Aber mir hat daran gefallen, dass sich die elektronische Musik mit Techno weiterentwickelt hat, ohne dass jemand aus dieser Ecke wie ein Copycat noch einmal das machte, was TANGERINE DREAM oder ich schon 20 Jahre früher gemacht hatten. […] Ich habe noch nie Kompromisse gemacht und mir weder von Fans noch von Kritikern vorschreiben lassen, was für eine Musik ich machen soll.“

So ist er eben, der Herr Schulze.
Ein klarer Grundsatz samt LMAA-Devise. Im Grunde eine gute und zugleich konsequente Einstellung – und wer das Album kauft, ist schließlich selber schuld oder freut sich einfach über diesen seltsamen Schulze-Sinneswandel.

Das längste Stück dieser bei MIG erhältlichen CD ist übrigens mit gut 13 Minuten der Bonus Track „Marooned“ - zugleich auch das untypischste Stück des Albums, da es eben keinen Techno-Ausflug, sondern einen recht typischen Schulze präsentiert.

FAZIT: Wer den „klassischen“ KLAUS SCHULZE liebt und zugleich Techno verachtet, der wird mit Schulzes 1996er-Album „Trance Appeal“ nichts anfangen können (Original-Zitat Schulze: „Wenn ich gerade auf Techno stehe, sollen die Leute das auch mitbekommen!“).
Als KLAUS SCHULZE‘S WAHNFRIED vereint er hier gemeinsam mit JÖRG SCHAAF Schulze-Typisches mit Techno der Marke U96. Nichts für elektronische Feingeister, dafür aber für „elektro-technotische“ Freigeister! Ein mutiges und zugleich sehr umstrittenes Album innerhalb der riesigen Schulze-Diskographie, ganz ähnlich wie das im gleichen Jahr entstandene „Are You Sequenced?“.
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Thoralf Koß (Info) (Review 387x gelesen, veröffentlicht am )

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Tracklist:
  • Suspense
  • Bizarre
  • Rubbish
  • Angel Heart
  • So What?
  • Towarisch
  • Das Mädchen mag es
  • A Chilly Fiesta
  • Esprit Sans Fronti Res
  • Psychedelic Clubbing
  • Le Sleep Des Animaux
  • Marooned (Bonus Track)

Besetzung:

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