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Nathan Johnston & The Angels Of Libra: Nathan Johnston & The Angels Of Libra (Review)

Artist:

Nathan Johnston & The Angels Of Libra

Nathan Johnston & The Angels Of Libra: Nathan Johnston & The Angels Of Libra
Album:

Nathan Johnston & The Angels Of Libra

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Soul, Singer/Songwriter, Folk, Pop, Rock

Label: Waterfall Records
Spieldauer: 42:59
Erschienen: 04.11.2022
Website: [Link]

Worin besteht die große Kunst einer Band, den Hörer sofort für sich zu gewinnen und dann nicht mehr loszulassen?
Für die Antwort kann man gerne auch weit in die frühen 60er- oder 70er- bis hin zu den 80er-Jahren gehen, denn da hörte man in einer anheimelnden, wunderbar 'verkramten' Atmosphäre eines kleinen Plattenladens – von denen es einige glücklicherweise trotz aller Unkenrufe und Vinyl-Apokalypse-Ankündigungen noch immer gibt – an einem der wenigen Plattenspieler in die LP's hinein, die man in seine engere Kaufauswahl gezogen hatte. Dabei entschied oft gleich der erste Titel. Der musste was ganz Besonderes sein, einen gefangen nehmen, begeistern und bewegen. Gelang das, war die Chance groß, sich für das Album und die bis dato unbekannte Band zu entscheiden, sie und ihr Album mitzunehmen und in seinem musikalischen Heim dauerhaft einziehen zu lassen. In unserer schnelllebigen Zeit gilt das, wenn's um wirklich gute Musik geht, noch immer, doch viel zu schnell verlieren wir in der Angebotsmasse des Netzes den Überblick und das leidenschaftliche Einhören in eine LP geht während ein paar flüchtiger Klicks verloren.

Ist es nicht ein Pech für die großartige Hamburger Band NATHAN JOHNSTON & THE ANGELS OF LIBRA, dass solche 'Plattenladen'-Zeiten größtenteils der Vergangenheit angehören?
Denn diese leidenschaftliche Band voller Soul und 'echter' Seele nimmt einen bereits mit ihrem ersten Song, in dem sie den guten Curtis (Offensichtlich ist wohl CURTIS MAYFIELD gemeint!) fragen, ob er wirklich ein Star sein will, ihres gleichnamigen Debüt-Albums sofort gefangen und vollbringen die hohe Kunst, einen mit ihrem Soul-Pop bis zum Ende des Albums nicht mehr loszulassen.

Doch nicht nur die Mayfield-Soul-Größe wird besungen. Auf der zweiten LP-Seite erwartet uns im Text von „Modern Times“ die Begegnung mit dem 2017 verstorbenen amerikanischen Soul-Sänger CHARLES BRADLEY, auch bekannt als 'The Screaming Eagle Of Soul', als Hommage an dessen Schaffen.

Oder sind die 'modernen Zeiten' vielleicht doch ein Glück?
Denn NATHAN JOHNSTON & THE ANGELS OF LIBRA leben nicht nur von dem warmen Soul-Pop-Sound mit Bläsern und Streichern sowie Retro-Tasteninstrumenten, wie Orgel, Mellotron oder Wurlitzer, sondern ganz besonders auch von der charismatischen Stimme ihres irischen Sängers und Songwriters, der diesem entspannten Groove hinter dem Album eine besondere Tiefe verleiht, die einen an die ganz Großen der Soul-Szene erinnern lässt und ihnen den Odem der TEMPTATIONS oder MARVIN GAYE und ISAAC HAYES einbläst. Und wir dürfen mitatmen bis wir atemlos diesem Retro-Soul zu Füßen liegen und bei all der Wärme sofort die Kälte draußen vor der Tür oder in den Herzen der verpeilten Machtstrategen, die selbst vor Kriegen nicht mehr zurückschrecken, für kurze Zeit vergessen dürfen.

Allerdings erwartet einen in den Texten nicht etwa eine Friede-Freude-Eierkuchen-Mentalität – was ja zur echten Soul-Tradition, wenn wir nur an einen MARVIN GAYE denken würden, gar nicht passt – sondern es geht um Selbstzweifel, die man zu überwinden versucht, Beharrlichkeit und Zivilcourage, aber natürlich auch um Liebe und Leidenschaft, Lust und Verführung, so wie in der hypnotischen Liebes-Hymne „All Your Love“, der dann gleich noch die nächste leidenschaftliche Ballade mit „The Nine Angel Choirs“ folgt.

Für Vinyl-Freunde wurde der ganzen LP-A-Seite ein unverkennbarer „Curtis“-Rahmen verpasst, der nach dem Beginn in seiner „Curtis (Reprise)“, die das Anfangsthema melodisch und textlich wiederaufgreift, sein Ende findet und man garantiert als Soul-Freund freudig an seinen Plattenspieler läuft, um die zweite Seite aufzulegen und sich überraschen zu lassen, denn jetzt werden die Rhythmen etwas drängender, die Texte deutlich kritischer, wenn die modernen Zeiten besungen oder „Jericho“ heraufbeschworen wird, indem die Band das problematische Thema der Verschwörungstheorien und Fake News aufgreift. Sogar ein wenig Rap wird da anklagend den 'Hatern' und 'Untergangsbotschaftenverbreitern' entgegengeschleudert, allerdings ohne dabei fettere Soul-Rhythmen samt feurigen Trompetenklängen aus den Augen und Ohren zu verlieren.

Nach dieser textlichen Kopflastigkeit braucht man tatsächlich vorerst etwas Entspannung – und die wird uns mit dem einzigen Instrumental-Stück des Albums geboten, das mit seinen flotten Percussion- und Orgel-Klängen anfangs an SANTANA erinnert, aber dann immer wieder in cineastische Gefilde ausbricht. Grandios! ENNIO MORRICONE wäre bestimmt begeistert.

Leider ist dann nach „Euphoria (Is Spreading On The Dancefloor)“ schon Schluss. Aber die hier besungene Euphorie bleibt garantiert beim Hörer hängen, auch wenn der gerade nicht in einem Tanzsaal steht. NATHAN JOHNSTON & THE ANGELS OF LIBRA funktionieren auch bestens auf der heimischen – hoffentlich bei dieser zugleich großartigen Produktion – hochwertigen Musikanlage.

Liebe Leute – um es kurz zu machen: Wer heutzutage noch seine persönlichen Hitlisten führt oder irgendwelche davon im Netz verfolgt... Wenn ihr bei 'Die besten Debüt-Alben aller Zeiten' ankommt, dann muss das Album „Nathan Johnston & The Angels Of Libra“ unbedingt mit hinzugefügt werden!

FAZIT: NATHAN JOHNSTON & THE ANGELS OF LIBRA, eine junge Hamburger Band mit irischem Sänger und Songwriter, sind eine wahre Soul-Pop-Entdeckung, die nicht nur in ihren Songs 'Curtis' ehren, sondern eben auch nach Mayfield klingen und gleich mit diesem Retro-Soul-Album, das an beste Motown-Zeiten gemahnt und zugleich ihr sagenhaft begeisterndes Debüt ist, dem alten Soul eine moderne Musikfarbschattierung verleihen, die einen genauso gefangen nimmt wie damals die großen Soul-Klassiker. Solch einem hochgradig begeisternden Debüt einen Nachfolger folgen zu lassen, wird definitiv eine echte Herausforderung werden. Darum gilt: Genau weiter so!

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 1079x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 14 von 15 Punkten [?]
14 Punkte
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Tracklist:
  • Seite A (21:05):
  • Curtis (Do You Wanna Be A Star?) (5:13)
  • All Your Love (4:36)
  • The Nine Angel Choirs (3:58)
  • In A Different World (3:58)
  • Curtis (Reprise) (3:20)
  • Seite B (21:54):
  • Angel Of Libra (3:40)
  • Modern Times (4:48)
  • Jericho (5:57)
  • Icarus (3:22)
  • Euphoria (Is Spreading On The Dancefloor) (4:07)

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