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Algiers: Shook (Review)

Artist:

Algiers

Algiers: Shook
Album:

Shook

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Rock, Indie, Alternative

Label: Matador
Spieldauer: 54:43
Erschienen: 24.02.2023
Website: [Link]

Auch für das vierte Album des Agit-Soul-Punk-Ensembles ALGIERS gilt, dass man die Band aus Atlanta, Georgia, am Besten einmal live gesehen haben sollte, um wenigstens halbwegs dahintersteigen zu können, was FRANKLIN JAMES FISHER und seine Mannen mit ihrer Kunst eigentlich bezwecken.
Zugegebenermaßen sind die Jungs – und die vielen Gäste, die auf dem neuen Werk Platz finden – inzwischen recht gut darin, die manische Energie ihres Live-Wirkens auch auf der Konserve einzufangen.
Freilich: Ohne dass man dabei die angeschwollenen (Zornes-)Adern des obercoolen Preacherman FISHER und die Grimassen und Zappel-Moves von FISHERs kreativem Gegenpart RYAN MAHAN sieht, ist das nur die halbe Miete. Und überhaupt: Bei „Shook“ ging es auch gar nicht darum, ein Album mit Live-Sound auf die Beine zu stellen, sondern in unruhigen Zeiten in der Gemeinschaft wieder zusammenzufinden, nachdem man in Folge eines Burnouts fast vor der Beendigung des ganzen ALGIERS-Abenteuers gestanden hatte.

Es war dann die Rückbesinnung auf die musikalischen Roots und die Heimatstadt Atlanta, die FRANKLIN und MAHAN dazu motivierte, quasi nochmal auf den Reset-Knopf zu drücken und ein weiteres Mal den Gospel According To ALGIERS zu predigen. Die Idee, dabei nicht nur auf die üblichen Fieldrecordings und eine Collage-artige Hörspielinszenierung zu setzen, sondern eine Unzahl von Freunden aus der Indie-Szene an dem kreativen Prozess zu beteiligen, erwies sich als genau richtig – denn auf diese Weise geriet „Shook“ zu einem wahren Genre-sprengenden Manifest.
Gerade die Gastbeiträge waren es dann auch, die FISHER und MAHAN dazu inspirierten, den üblichem Mix aus Soul- und Gospel-Versatzstücken, Club-Elementen und abrasiven Rock-Elementen nochmals zu erweitern – und dabei die Extreme noch stärker auszuloten.

Da gibt es Tracks wie „Comment #2“ oder „All You See“ die nur aus Field-Recordings von Telefon-Mitschnitten bestehen, puren Anarcho-Rock mit Motor-City-Flair wie „A Good Man“, verdrehte Club-Sounds in „Irreversible Damage“ (bei dem ZACK DE LA ROCHE von RAGE IN THE MACHINE seinen Senf dazu gibt), Hip-Hop-Sprengsel à la „Bite Back“, Poesie im Hörspiel-Modus wie „Out Of Style“ und sogar eine Hinwendung zu einem erkennbaren Songformat auf dem Kerngeschäft-Sektor mit Soul- & Gospel-Nummern wie „I Can't Stand It“, „Cold World“, dem jazzigen „Green“ oder dem abschließenden Psycho-Spiritual „Momentary“.
Interessant dabei, dass sich das auch auf die Vibes des Albums ausgewirkt hat. Zwar ist die Wut in Fishers Bauche offensichtlich immer noch der treibende Faktor und die politische Agitation das Maß aller Dinge – aber gerade die mellow vorgetragenen Wortbeiträge aus Rezitation und Rap sowie die Rückbesinnung auf die (von alten Hip-Hop- und Rap-Scheiben inspirierten) souligen Roots sorgen für eine stimmungsmäßige ausgeglichene Gemengelage.
Zu dem Track „Irreversible Damage“ sagt FISHER: „So klingt Hoffnung im Jahr 2022, wenn alles zusammenbricht“.
Versöhnlicher wird’s wohl nicht im ALGIERS-Lager. Wenn Gitarrist LEE TESCHE zusätzlich bemerkt, dass sich „Shook“ am Ende „wie die beste ALGIERS-Platte, die wir je gemacht haben“ anhört, dann lässt sich dieses Gefühl auf Hörerseite durchaus bestätigen.

FAZIT: Die schiere Masse an Gästen auf dem vierten ALGIERS-Album „Shook“ lässt schwindeln: BIG RUBE, ZACK DE LA ROCHA, BILLY WOODS, BACKXWASH, MARK CISNEROS, SAMUEL T. HERRING, JAE MATTHEWS, LATOYA KENT, NADAH EL SHAZLY, DEFORREST BROWN JR., PATRICK SHIROSHI und LEE BAINS III kommen nämlich aus so vielen verschiedenen Richtungen zu dem Projekt „Shook“, dass zu befürchten gestanden hätte, dass das Chaos sich durchsetzen würde. Das gänzliche Gegenteil ist der Fall, denn irgendwie gelang es FISHER & Co. die verschiedenen Sound-Elemente und Beiträge in einem zwar vielschichtigen aber letztlich schlüssigen Flow zu integrieren. Tatsächlich ist „Shook“ so zu einem dann doch wieder typischen ALGIERS-Projekt geworden.

Ullrich Maurer (Info) (Review 1914x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 10 von 15 Punkten [?]
10 Punkte
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Tracklist:
  • Everybody Shatter (feat. Big Rube)
  • Irreversible Damage (feat. Zack de la Roche)
  • 13%
  • Cleanse Your Guilt Here
  • As It Resounds (feat. Big Rube)
  • Bite Back (feat. Billy Woods & Backwash)
  • Out Of Style Tragedy (feat. Mark Cisnero)
  • Comment #2
  • A Good Man
  • I Can't Stand It (feat. Samuel T.- Herring & Sae Matthews)
  • All You See Is
  • Green Iris
  • Born (feat. Latoya Kent)
  • Cold World (feat. Nadah El Shazly)
  • Something Wrong
  • Am Echophonic Soul (feat. DeForrest Brown Jr. & Patrick Shiroshi)
  • Momentary (feat. Lee Bains, III)

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

  • Shook (2023) - 10/15 Punkten
Interviews:
  • keine Interviews
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