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Ortnit: Sidrat (Review)

Artist:

Ortnit

Ortnit: Sidrat
Album:

Sidrat

Medium: CD/LP/MC/Download
Stil:

Dungeon Synth / Ambient

Label: Orko Productions / Antiq Label
Spieldauer: 35:54
Erschienen: 07.04.2023
Website: [Link]

Klänge von knisternden Flammen eröffnen das zweite ORTNIT-Album "Sidrat", auf welchem Thomas Helm den Musikstil Dungeon Synth vom muffigen Kinderzimmer-Staub befreit und so abwechslungsreich und stellenweise dramatisch interpretiert wie nur wenige Freigeister in diesem Genre.

Sein von klassischer Musik geschultes Gehör stand dem Sänger von Empyrium und Noekk wohl kaum im Wege, als er sich daran machte, den Nachfolger des selbstbetitelten Debütalbums (2022) zu komponieren, das noch an einigen weit verbreiteten Dungeon-Synth-Wehwehchen litt. Nicht so "Sidrat", dessen Musik zuweilen ähnlich bildhaft klingt wie Werke von Tschaikowsky – wenn auch synthetisch intoniert. In punkto Komplexität und Arrangements ist eher eine Nähe zu Ihsahns Klassik (Emperor, Peccatum) als zu Mortiis-Fingerübungen gegeben. Helm bedient sich als inspirierter Tastenritter zudem reicher Klangfarben und lässt zum Beispiel in "Notsignal" Pauken, Fagott und dunkle Bläser in ganz prächtig dramatischem Zusammenspiel erschallen, bevor das Stück melancholischer wird und von Noekk vertraute Cembalo-Klänge die wehmütigen Streicher untermalen. Wer neben einer Faszination für Dungeon Synth auch ein gewisses Maß an Neugier mitbringt, um zu erkunden, wie diese Musik außerhalb des engsten ästhetischen Rahmens ganz abenteuerlich zum Klingen gebracht werden kann, kommt an "Sidrat" kaum vorbei.

Das Album beschließt übrigens die Ambient-Nummer "Echos", für deren Komposition ein schwedischer Bösewicht verantwortlich zeichnet, dessen Black-Metal-Band seit über drei Jahrzehnten kompromisslos ihr Ding durchzieht. Eingedenk der üblichen Verdächtigen mit langer Nase oder Gehirnamputation eine vergleichsweise ungewöhnliche Wahl, doch diese Cover-Version lässt intuitiv verstehen, warum Dungeon Synth und Black Metal so nahe beieinander liegen, auch wenn die Keyboard-Musik jegliche metallische Schroffheit missen lässt. Rückblickend wirkt Marduks "Echoes From The Past" allerdings wie eine Steilpassvorlage für ORTNITs eindringlich arrangierte Interpretation.
Mit Herz und Seele gemischt und gemastert von Markus Stock, erscheint "Sidrat" über das australische Label Orko Productions auf Kassette in Genre-typischer märchenhafter Gestaltung, und Helm hat es sich nicht nehmen lassen, 22 Holzboxen mit ORTNIT-Logo zu basteln, die sicher zu den schönsten Behausungen für solche Tonträger-Formate zählen, die es im Underground gibt. Hut ab vor solchem Enthusiasmus! LP und CD werden vom französischen Antiq Label veröffentlicht.

FAZIT: Gleichwohl ORTNIT lautmalerisch auf Dungeon-Synth-Klänge setzt, die traditionaler kaum tönen können, transzendieren Helms jüngste Kompositionen die in diesem Genre weit verbreitete Behäbig… pardon, Gemütlichkeit mit erfrischender Verve, Ideenreichtum und Klangfarbenpracht. Die rund 36-minütige Reise gerät daher ziemlich verwegen, musikalisch und atmosphärisch dicht.

Thor Joakimsson (Info) (Review 2100x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • Am Stillen Herd
  • Notsignal
  • Eingeschneit
  • Erstarrt
  • Echos

Besetzung:

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