Musikreviews.de bei Facebook Musikreviews.de bei Twitter

Partner

Statistiken

Pacha & Pörsti: Sea Of Mirrors (Review)

Artist:

Pacha & Pörsti

Pacha & Pörsti: Sea Of Mirrors
Album:

Sea Of Mirrors

Medium: CD
Stil:

Progressive Rock

Label: Seacrest Oy/Just For Kicks
Spieldauer: 60:30
Erschienen: 29.09.2023
Website: [Link]

Und wieder sind, diesmal im Doppelpack, zwei proggende Samuraien unterwegs, um der Welt des Progs ein weiteres spannendes, aber in dieser/seiner Art längst gewohnt und liebgewordenes Kleinod hinzuzufügen: (Rafael) PACHA & (Kimmo) PÖRSTI.
Mit „Sea Of Mirrors“, nach „Views From The Inner World“ (2022) ihrem zweiten Album in dieser Besetzung, nehmen sie allerdings – trotz all der anfangs diesmal recht deutlich an Herrn OLDFIELD und seine „Incantations“-Zeiten erinnernde Musik – keinen der vorderen Plätze zwischen all den Kollaborationen und unzähligen Alben rund um THE SAMURAI OF PROG, egal ob diese nun GUILDMASTER oder MARCO BERNARD heißen, ein, wofür es einen guten Grund gibt, der sich an den Stimmbänder der diesmal gewählten Sänger und Sängerinnen festzurren lässt.

Wellenrauschen, Flötenklänge und Frauenchöre sowie akustische Gitarre begrüßen uns auf „Sea Of Mirrors“, was bei diesem Albumtitel und dem Konzept, das sich rund ums Meer und dem Halt sowie der Orientierung anhand der Sterne und eines Leuchtturms geht, die einen vor dem Untergang bewahren („The Lighthouse / standing firm, / give course – and lights new path. / Dark stormy night / passing through // I extended my thanks to Heavens.“), schon fast logisch erscheint. Natürlich klingt der weibliche Gesang (leider nur) anfangs sogar so, als würde uns die Loreley persönlich von ihrem Felsvorsprung begrüßen und ihr verführerisches Liedchen anstimmen, wobei sie OLDFIELDsches akustisches Gitarrenspiel sowie Glockengeläut begleitet, bis dann plötzlich progressiver Komplex-Klang die lieblich-verträumte Atmosphäre auf recht bombastische Art zerstört – so als würde der bärtige Spock auf die hübsche singende Jungfrau seine Keyboard-Kanone und E-Gitarren-Knarre anlegen und abdrücken.

Selbst wenn eins der instrumentalen Stücke dieses Konzept-Albums sich auch um einen Schiffbruch dreht, so erleiden PACHA & PÖRSTI samt ihrer diesmal nicht allzu großen progressiven Musiker-Seefahrer-Schar, da Multiinstrumentalist Pacha die meisten Instrumente in Oldfield-Art allesamt selber einspielt, zu keiner der insgesamt gut 60 Minuten, welche größtenteils von einer entspannteren und ruhigeren Grundstimmung (irgendwo ähnlich der von CLANNAD und/oder DEEP FOREST) leben, einen gravierenden musikalischen Schiffbruch, obwohl einige der weiblichen wie männlichen Sangespassagen nicht immer den ganz richtigen Ton treffen, wie in „The Island Of Lotus-Eaters“, bei der Pörstis Töchter ihre Stimme erheben dürfen, was trotz aller familiärer Bande nicht gerade als die klügste Entscheidung erscheint.
Das liegt zugleich daran, dass einen gerade im Prog mitunter das Arien-Geträller schnell zu nerven beginnt, besonders wenn in den klaren Passagen die vokalen Fallstricke unüberhörbar sind. Selbst der männliche Gesang von Alejandro Suárez ist nicht der wirkliche Knaller, sondern eher ein Knallfrosch, der in den Meerestiefen versinkt, ohne als vokaler Froschkönig wiederaufzutauchen. In der Beziehung bleiben sich die abgespeckten Samuraien ebenfalls treu, bei denen die Instrumental-Fraktion im Grunde immer überzeugt, während die Leutchen hinterm Mikro oft dahinter zurückbleiben oder den Gesamteindruck schmälern. Schade. Aber irgendwie sollte die illustre Prog-Kampfgilde das doch endlich auch mal selber wahrnehmen und beseitigen, in einem Zeitalter, in dem es so viele schwer beeindruckende Stimmen schließlich auch in diesem Genre gibt – von denen sich allein im Umfeld ihres hier agierenden Saxophonisten MAREK ARNOLD jede Menge zu finden sind, was allein im Rahmen seines extrem erfolgreichen ARTROCK PROJECTs jederzeit nachzuhören ist.

Demgegenüber ist es allerdings großartig, dass besagter MAREK ARNOLD wiederum auf „Sea Of Mirrors“ mit dabei ist und mit zart-verträumten Saxophon-Einlagen gleich mehrere Songs wie einen sich auf der Meeresoberfläche brechenden Sonnenstrahl veredelt – absolutes Highlight hierbei der grandiose Titeltrack, bei dem Arnold seinen ersten (Solo-)Auftritt erhält und diesen in ähnlich starker Weise auch bei dem vierteiligen Longtrack „Fascination“ erneut aufgreift.

Diesmal ist die Cover- und Booklet-Gestaltung (mit einem riesigen Bildteil im Rahmen des 36-seitigen Booklets) allerdings verändert und orientiert sich deutlich(er) an den Hipgnosis- und Storm-Thorgerson-Zeiten, die natürlich spätestens seit der Atom-Heart-Mother-Kuh unvergessen sind. Trotzdem bleibt bei anderen Bildern das Unitsky-Flair unumwunden erhalten. In diesem Sinne hat der Grafik-Designer Kimmo Heikkilä tatsächlich einen kunstvollen Job gemacht, der auch das Mystische hinter diesem 'Spiegelmeer'-Album bestens illustriert.

FAZIT: Und wieder grüßt das THE SAMURAI OF PROG-Murmeltier, seines Zeichens diesmal aus dem Spiegelmeer von PACHA & PÖRSTI, bei dem besonders Multiinstrumentalist RAFAEL PACHA seine OLDFIELDsche Leidenschaft ausleben darf, die beiden aber gerne auf Sänger und Sängerinnen hätten verzichten dürfen, die bei Weitem mit ihren Stimmen nicht das Niveau erreichen, welches die beteiligten Musiker an der Vielzahl ihrer Instrumente vorgeben. Trotzdem ist auch „Sea Of Mirrors“ wieder ein kompaktes, in sich geschlossenes und gutes Prog-Album aus dem Samurai-Umfeld geworden, dem es allerdings nicht gelingt, sich zwischen den besten Alben aus diesem Hause einzuordnen, obwohl gerade die Booklet-(36 Seiten, inklusive umfangreichen Bildteils!) und Cover-Gestaltung wieder spitzenmäßig ist und den Beweis dafür bringt, dass wer nur streamt, viel weniger von der Kunst hinter einem solchen Album hat.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 940x gelesen, veröffentlicht am )

Unser Wertungssystem:
  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
[Schliessen]
Wertung: 10 von 15 Punkten [?]
10 Punkte
Kommentar schreiben
Tracklist:
  • Sailor's Tale
  • Diving Into Infinity
  • Tara's Joy In The Beach
  • The Island Of Lotus-Eaters
  • Charybdis
  • Sea Of Mirrors
  • Fascination
  • Lead, Silver And Gold (Song for Cadiz)
  • Shipwreck
  • House Of The Light

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
Benachrichtige mich per Mail bei weiteren Kommentaren zu diesem Album.
Deine Mailadresse
(optional)

Hinweis: Diese Adresse wird nur für Benachrichtigungen bei neuen Kommentaren zu diesem Album benutzt. Sie wird nicht an Dritte weitergegeben und nicht veröffentlicht. Dieser Service ist jederzeit abbestellbar.

Captcha-Frage Welche Farbe hat eine Erdbeere?

Grob persönlich beleidigende Kommentare werden gelöscht!