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Antler Family: Antler Family (Review)

Artist:

Antler Family

Antler Family: Antler Family
Album:

Antler Family

Medium: LP/Download
Stil:

Punkrock, Gothic-Rock, Noise-Rock

Label: Boner Records
Spieldauer: 38:55
Erschienen: 26.01.2024
Website: [Link]

ANTLER FAMILY lassen die Hirsche zu post-apokalyptischem Punkrock und Gothic-getränktem Noise-Rock tanzen. Okay, man muss nicht alles verstehen, was das Promo-Sheet ankündigt. Wobei sich „Antler Family“ durchaus durch eine allgegenwärtige Resignation auszeichnet. Das hat fast etwas von lebensmüder Grunge-Musik, die unter dem Grauschleier des Gothic den Punk mimt.
Klingt eigen?
Ist es auch.
Vielleicht wollen die Musiker einen aber auch nur täuschen? Zumindest spielt sich „Captive“ thematisch in einer wirren Szenerie voller Täuschung und Spiegel ab. Dementsprechend gehetzt ist die Atmosphäre des Stücks.

„Bring Me Back My Love“ nimmt danach den Druck etwas raus, experimentiert mehr mit Noise-Elementen, ohne vollends in Lärm abzurutschen. Eher erweckt der Song den Eindruck eines Liebeslieds von Straßenpunks für Straßenpunks. Es klingt nicht zu sauber, Ecken und Kanten sind bewusst ungeschliffen, aber doch ist das sensible Musikerherz in jedem Ton nachzuhören.

„The Widow’s Call“ setzt da sogar nochmal einen drauf und verquickt Elemente klassisch-irischen Liedguts mit einer unter die Haut gehenden Düster-Ballade, bei der sich jegliche Oberflächlichkeit vollends verabschiedet. Das ist sicher auch vertonte Tränendrüsendrückerei, aber diese Emotionsausbrüche wirken authentisch und lassen das Herzblut von Musiker und Hörer stetig weiter gen Siedepunkt köcheln.

Für die Rock'n'Roll-Fraktion gibt’s danach „I Don’t Wanna/Black Hole Love“, das Einflüsse von LED ZEPPELIN erkennen lässt und mit einer lässigen Attitüde gefällt. Hier erweckt nichts den Eindruck aufgesetzt zu sein, im Gegenteil: Es wirkt, als ob das erdige Rockfundament des Songs für zusätzliche Energie sorgt, denn die Gitarren drehen mehrmals frei, während sich das warme Timbre von Mia Dean hypnotisch ins Ohr des Hörers schmeichelt.

Mit „King Tide“ wird’s theatralisch. Nach einem dunklen Klaviereinstieg entwickelt sich das Stück zu einem anschwellenden Mini-Drama, das die erwähnten Grunge-Referenzen mit dunklem Punk in teilweise akustischem Gewand verquickt. Was sich seltsam liest entwickelt aber einen interessanten Reiz, eine dunkle Atmosphäre zwischen Schmerz, der Freude an ebenjenem und der feinen Trennlinie zwischen Herausforderung und Überforderung.

Wie als Antwort auf dieses Gefühlschaos klingt der Abschluss „It Don’t Rain Anymore“ nach fatalistischem Doom Metal. Die Feststellung, dass die Welt vergiftet ist und den eigenen Geist vergiftet, ist so trübe wie (stellenweise) treffend, liefert aber auch das Potenzial für klanglichen Fatalismus.
Ist das Leben also nur eine Beharrlichkeitsprüfung, an deren Ende der Sture überlebt, egal wie vergiftet seine Welt, sein Geist, sein Leben ist?
Ein beklemmendes Finale, das sich zwischen mancher Tendenz gen Noise und erdigen Rockgitarren in die klanglichen Nesseln setzt.

FAZIT: ANTLER FAMILIY haben mit ihrem selbstbetitelten Debüt ein spannungsgeladenes Werk an der Hand. Irgendwo zwischen Musikromantik, Punkrock und Rock'n'Roll-Dreck schlägt dabei aber ein sensibles, wenn nicht sogar traumatisiertes Herz seinen Takt. Damit ist „Antler Family“ wohl auch ein Therapie-Album. Aber besser die Grauthemen des Lebens werden in Musik kanalisiert, als auf aktiv schmerzliche Weise ausgelebt zu werden. Wenn dabei auch noch ein spannendes Werk wie das vorliegende herauskommt, gewinnen beide, der Musiker (denn er schreibt sich seine Pein von der Seele) und der Hörer (denn er bekommt spannende Musik geboten).

Dominik Maier (Info) (Review 1129x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • A Seite:
  • Roses
  • Setting Eyes
  • Captive
  • Bring Me Back My Love
  • Widows Call
  • B Seite:
  • I Don’t Wanna/Black Hole Love
  • King Tide
  • It Don’t Rain Anymore

Besetzung:

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