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Loving: Any Light (Review)

Artist:

Loving

Loving: Any Light
Album:

Any Light

Medium: LP/Download
Stil:

Folkrock, Indiepop, Singer-Songwriter, Westcoast-Pop

Label: Last Gang/MNRK-SPV
Spieldauer: 29:11
Erschienen: 09.02.2024
Website: [Link]

In einen Interview zu ihrem vorletzten Album "Glow" vor drei Jahren - damals noch per Zoom, es war ja mitten in dieser vermaledeiten Pandemie - kam die in Berlin lebende südafrikanische Singer-Songwriterin Alice Phoebe Lou auf die Frage nach ihrem wichtigsten musikalischen Wegbegleiter aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus: David Parry sei als Produzent und Gitarrist das A und O ihres neu gefundenen selbstbewussten Sounds, die vielleicht entscheidende Stellschraube. 

Dass der Mann der seinerzeit ziemlich unbekannten kanadischen Multiinstrumentalisten-Band LOVING entstammte und sein Kreativpartner Jesse Henderson hieß, erfuhr man dann irgendwann auch. Jetzt hat dieses Duo zweier Studiozauberer mit "Any Light" ein eigenes neues Album draußen, ihr zweites nach dem bescheiden-schönen "If I Am Only My Thoughts" von 2020. Und es erfüllt wirklich alle Hoffnungen - nicht nur die der zahlreichen Alice-Phoebe-Lou-Verehrer. 

Wobei man ja eigentlich durchaus skeptisch sein darf, wenn man das im Kern sehr traditionelle Grundgerüst von "Any Light" betrachtet. Sanfte Vocals, gestreichelte Gitarren, behaglich ploppende Bässe, gedämpfte Keyboards, verhaltenes Schlagzeug - brauchen wir denn wirklich noch mehr watteweichen, flüsternden Indie-Folkpop, dessen Spielfeld doch bereits arg überfüllt ist? 

Ein klares Ja, wenn die Musik so hochwertig, feingesponnen und dann doch wieder originell daherkommt wie im Fall von LOVING. Deren "freshly polished soft-rock Americana" lobte gerade erst das Musikmagazin "Uncut" (Februar), und auch darüber hinaus dürfte diese Platte viel Beifall einheimsen mit ihrem warmen, herrlich luftig produzierten Klangbild.

Ansässig sind LOVING, wenn sie nicht mit Alice Phoebe Lou im Studio arbeiten oder auf Tournee gehen, eigentlich in British Columbia an der Westküste Kanadas. Mit ihrem Debütalbum "If I Am Only My Thoughts" (unter anderem bei Bandcamp erhältlich) setzten die Henderson-Brüder Jesse und Lucas sowie David Parry vor vier Jahren eine sehr angenehme LoFi-Duftmarke. Dann kam es zu der erwähnten Zusammenarbeit von Parry mit der charismatischen Kollegin Lou bei deren erfolgreichen Alben "Glow" (2021) und "Shelter" (2023) und zu vielen gemeinsamen, heftig bejubelten Auftritten in ganz Europa.

"Any Light" ist nun eine deutlich ambitioniertere, opulentere Angelegenheit als der Vorgänger, auch rein klanglich ein deutlicher Schritt nach vorn. "Soft spoken", also leise und zurückhaltend, nennt man wohl den Gesangsstil, den LOVING pflegen - man denkt an Paul Simon, Sufjan Stevens, M. Ward, Josh Rouse oder Conor O'Brien von den Villagers. Am ehesten vergleichbar sind die zehn kompakten Lieder (Gesamtlaufzeit knapp 30 Minuten) mit denen der norwegischen Kings Of Convenience, auch der Westcoast-Pop der goldenen Seventies hat Spuren im Sound des Duos hinterlassen (besonders im sonnigen "Gift"). 

Was die Tracklist betriftt, ist das im Risque-Disque-Studio auf Vancouver Island aufgenommene Album ein bisschen "front-loaded" ausgefallen - die intensivsten Ohrenschmeichler "Any Light" (schön Spotify-sperrig mit dem langen instrumentalen Gitarren-Intro), das federleichte "Medicine" (Harry Nilssons "Everybody's Talking" lässt grüßen) und das sanft wiegende Midtempo-Stück "No Mast" sind allesamt in der ersten Hälfte untergebracht. Aber auch danach hat "Any Light" noch einige Highlights zu bieten, bis es mit der Ballade "Blue" berührend ausklingt. 

Textlich verhandeln die Songs von LOVING komplexe Themen wie romantische Liebe, Depressionen, existenzielle Unsicherheit und die psychischen Folgen des Lebens in einer zunehmend digitalisierten Welt - also kein leichter Stoff, der dem "Easy Listening"-Appeal mancher Lieder direkt entspräche. Henderson und Parry erweckten diese Stücke zum Leben, indem sie sich "einem Prozess des freien Experimentierens hingaben und oft mehrere völlig unterschiedliche Versionen eines Stücks erdachten, bevor sie sich für eine endgültige Version entschieden", wie ihr Label Last Gang berichtet.

 

Und der Album-Titel "Any Light"? "Als ich all diese Songs zusammen betrachtete, wurde mir klar, dass sich das Konzept des Lichts wie ein roter Faden durch das Album zieht", sagt Henderson als Sänger und Texter von LOVING. "Für mich bedeutet Licht Bewusstsein oder Einsicht, was damit zusammenhängt, dass viele dieser Songs eine Veränderung der Perspektive dokumentieren."

Die beiden LOVING-Musiker spielten zwar den größten Teil der Instrumente selbst ein (Jesse Henderson an Klavier, Orgel und Gitarre, David Parry an Gitarre, Bass, Schlagzeug/Percussion und zusätzlichen Keyboards). Für die ausgefeilten Tracks nahmen sie aber noch etwas Hilfe befreundeter Musiker in Anspruch, darunter Evan Cheadle an der Gitarre, Colin Nealis für die Streicher und Keenan Mittag-Degala für Bass und weitere Percussions. 

FAZIT: Als Begleiter der wunderbaren südafrikanischen Singer-Songwriterin Alice Phoebe Lou traten LOVING erstmals auch hierzulande ins Rampenlicht. Jetzt legen Jesse Henderson und David Parry - nach einem bescheideneren, aber bereits vielversprechenden Debüt vor vier Jahren - selbst ein sehr starkes Album vor. Es dürfte - neben hoffentlich vielen anderen Hörern - auch der befreundeten Wahl-Berlinerin gefallen. Ein frühes Indie-Folkpop-Kleinod dieses Musikjahres.

Werner Herpell (Info) (Review 545x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • Any Light
  • Medicine
  • Uncanny Valley
  • No Mast
  • On My Way To You
  • Gift
  • To Turn
  • Ask Directions
  • The Light In You
  • Blue

Besetzung:

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