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Enslaved: Ruun (Review)

Artist:

Enslaved

Enslaved: Ruun
Album:

Ruun

Medium: CD
Stil:

Progressive Black Metal

Label: Tabu/Soulfood
Spieldauer: 46:03
Erschienen: 2006
Website: [Link]

Auch nach “Isa” konnte man traditionsgemäß alles Mögliche von ENSLAVED erwarten, denn alle ihre Alben zeichnen sich durch eine jeweilige Eigenheit und manches Mal gar starke Kontraste aus. So verwundert „Ruun“, weil es ohne Stilbruch an seinen Vorgänger anknüpft und mit nur leichten Schwerpunktverlagerungen sowie gediegenem Stimmungswechsel aufwartet.

Geblieben ist der stets leicht kaputt klingende Klang der Produktion durch die klassische Black-Metal-Schmiede des Bergener Grieghallen-Studios. Auch Grutles Keifen sowie der Gitarrenstil Bjørnsons sind bezeichnend für das schwarze Genre und werden sicher auf ewig Bestandteil von ENSLAVED bleiben. Demnach sieht man sie als Black-Metal-Band, obwohl sie dem Genre längst Flügel verliehen haben – zunächst rock’n’rollige, dann in den letzten Jahren immer stärker psychedelische. Die melodischen Gesangspassagen wurden weiter ausgebaut und scheinen nunmehr weniger schmuckes Beiwerk, sondern wichtiger Bestandteil der Kompositionen, was die Aggression etwas dämpft.

„Ruun“ offenbart mit jedem Durchlauf mehr seiner eigentümlichen Schönheit. Zum Beispiel entpuppt sich das Hintergrundgeräusch in „Entroper“ bei genauem Hinhören als bassiger Synthesizer, der das klirrende, rhythmisch geprägte und dissonante Klangbild aufwärmt; passend zum Einsatz des klaren Gesangs wird dieses Bild harmonischer, nur um als Klimax wieder ins Lärmende umzuschlagen. Das Spiel mit Gegensätzen bleibt weiterhin charakteristisch: Gediegene Geschwindigkeit und verschrobene Hammondklänge überwiegen in „Path to Vanir“, ehe gebündelte Härte die im rauschenden Wind angeschlagenen Clean-Gitarren und –Vocals davonweht. Song Nummer drei, zunächst thrashig, schwenkt um in getragenes Midtempo mit Keyboard-Unterstützung und Grutles tiefem Grollen. Dies in Kombination mit melodiösen Doom-Gitarren knüpft eine kurze Bezugskette zu Opeth, doch ein hymnenhaftes Solo und variantenreiche Drums hieven auch diesen Song bis zu seinem Ende in dynamische Höhen. Die einsetzende Doublebass fügt sich angenehm verwaschen ins emporwachsende Sound-Dickicht.

Der Titelgeber des Albums eröffnet mit meditativer Rhythmik sowie orientalischer Melodieführung und arbeitet zusätzlich Stakkati in dieses üppige Geflecht ein. Nach vollständigem Zusammenbruch kommt „Ruun“ wieder schrammelig in die Gänge. Grutle fügt sein aufgebrachtes Organ an, und das Anfangsmotiv wiederholt sich in dieser nun härteren Umgebung. Wie ein Mantra wirkt der Rhythmus, nur von einem Akustikbreak durchbrochen. Im Finale stehen sich beide Sänger gegenüber, was in „Tides of Chaos“ seine Weiterführung findet. Die Musik ist im Vergleich zu Grutles erzählendem Textfluss nun weniger hektisch; im Chorus scheint der Frontmann die Melodien seines Gegenspielers zu kommentieren. Erneut gleiten ENSLAVED und seinen Mitspielern voran Bekkevold mit sich konstant steigernder Intensität aus dem Stück, nur hohe Gitarrentöne stehen lassend.

„Essence“ ist sehr melodisch und verbleibt gesanglich in Dialogform. Meint man, die Struktur durchschaut zu haben, schieben sich unerwartete Variationen und galoppierende Drums in den Vordergrund. „Api-vat“ treibt die Spannung auf die Spitze, bevor das mit Bass beginnende und härter werdende letzte Stück eher spärlichen Gesang bietet und daher vielmehr als episch angelegtes Outro fungiert.

Dieses Album fließt wie ein schmelzender Gletscher zunächst abweisend und starr, dann nachdrücklich und süßes Schaudern hervorrufend ins Ohr. Dabei wirkt es geschlossener als sein Vorgänger, homogener in seiner Verbindung von Black Metal als Naturvertonung mit Space-Rock als Ausdruck der überirdischen Kräfte, welche diese Natur beherrschen. Keine Steigerung von „Monumension“ oder „Isa“, aber ebenbürtig.

FAZIT: ENSLAVED sind immer noch eine außergewöhnliche Erscheinung. Mit Black- oder gar Viking-Metal hat ihr im Wortsinn progressiver Sound immer weniger zu tun. Jeder Hörer intensiver Musik wird aus „Ruun“ etwas für sich ziehen können.

Andreas Schiffmann (Info) (Review 4272x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 11 von 15 Punkten [?]
11 Punkte
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Tracklist:
  • Entroper
  • Path To Vanir
  • Fusion of Sense and Earth
  • Ruun
  • Tides of Chaos
  • Essence
  • Api-vat
  • Heir to the Cosmic Seed

Besetzung:

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