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Erik Norlander: Live In St. Petersburg (DVD) (Review)

Artist:

Erik Norlander

Erik Norlander: Live In St. Petersburg (DVD)
Album:

Live In St. Petersburg (DVD)

Medium: DVD
Stil:

Progressive Rock

Label: Think Tank Media / Just For Kicks
Spieldauer: 143:00
Erschienen: 2006
Website: [Link]

Er ist schon ein cleveres, Keyboard spielendes Kerlchen, dieser ERIK NORLANDER. Auf seinen Solo-CDs kann man euphorische Kritiken zu seinem Schaffen von den zwei progressiven Keyboard-Göttern überhaupt lesen: KEITH EMERSON & RICK WAKEMAN. Das ist doch eine Referenz, oder? Aber vielleicht ist das alles auch nur so eine Art typisch amerikanischer Größenwahn? Irgendwie hat man beim Sehen und Hören dieser live in amerikanischem Feindesland aufgenommenen DVD den Eindruck, dass beide Vermutungen zutreffen.

Eins zumindest steht fest: für die etwa 20 Euro (bei Just For Kicks) bekommt man eine ganze Menge geboten, nämlich eine DVD mit dem Petersburger Konzert sowie einer 51minütigen, hervorragenden Dokumentation und eine Audio-CD mit den Konzertaufnahmen (ohne „Oblivion Days“ & „Secrets Of Astrology“, dafür aber mit zwei nagelneuen Studio-Versionen von „Fanfare For Absent Friends – Part 2“ & „From Russia With Love“ – gesungen von Lana Lane). Insgesamt sind das also 143 Minuten Ton und Bild sowie fast 80 Minuten Ton – beeindruckend und manchmal leider auch ein wenig Zeit raubend.

Damit wären wir auch schon beim ersten unübersehbaren Mangel – die insgesamt recht miese Bildqualität des Konzertmitschnitts, die im krassen Gegensatz zu der ausgezeichneten Tonqualität (in Stereo & 5.1 Dolby Digital) steht. Na ja, umgekehrt wäre es erheblich schlimmer. Und außerdem wird der Konzertmitschnitt oft durch verschiedene optische Schnipsel, wie Schriftzeichen, Bilder von Petersburg, Naturaufnahmen, Aufnahmen aus Technik und Wissenschaft usw. aufgelockert, was ein wenig von diesen rot-, blau- und sonst- wie –stichigen, mitunter laienhaften und verschwommenen Aufnahmen ablenkt.

So, für’s erste genug gemeckert – dafür aber ein wichtiger Tipp! Wer wirklich bewusst die DVD sehen und hören will, sollte unbedingt mit der kurzweiligen Dokumentation „The Road To Russia“ beginnen, in der ERIK NORLANDER in sehr leicht verständlichem Englisch (deutsche Untertitel gibt es nicht) die Geschichte dieses Konzerts, das während ihrer 2004er Tour durch Amerika, Japan, Europa und Russland den Abschluss bildete, erzählt. Außerdem erfährt man von ihm eine Definition zum Prog-Rock, die ganz spannend und dann beim Hören seiner Musik auch echt nachzuvollziehen ist. Zusätzlich gibt’s die kompletten Titel „Sky Full Of Stars“ (das wie „Shine On You Crazy Diamond“ klingt) und „Mariner“ von ihrem Hamburger Konzert sowie „In The Court Of The Crimson King“ vom Cal Prog Festival zu hören. Letzterer Titel, leider auch noch von Lana Lane und nicht Kelly Keeling gesungen, wird ROBERT FRIPP garantiert nicht dazu bewegen, sich an die Seite der Laudatoren Wakeman und Emerson zu gesellen.

Das Konzert selber setzt sich aus Titeln von Norlanders Solo-CDs (Threshold/Into The Sunset/Music Machine), einer wirklich grandiosen Cover-Version von Procol Harums „Salty Dog“ (von Keeling gesungen), aus ROCKET SCIENTISTS Titeln und aus dem Repertoire seiner Ehefrau Lana Lane zusammen. Recht praktisch, wenn man die Gattin immer bei den Konzerten dabei hat, so muss man sich nicht gegenseitig einen Kopf machen, ob der geliebte Ehepartner die gewonnenen, nicht nur musikalischen Freiräume zum Fremdgehen nutzt – durchaus clever. Nur leider ist es gerade diese Lana Lane, die das Konzert auf ein Niveau bringt, das mich enttäuscht. Es ist nicht etwa ihre weibliche (wirklich beeindruckende) Stimme, sondern der plötzliche Wechsel der musikalischen Ausrichtung des Konzerts. Die ersten Titel erinnern noch deutlich an EMERSON, LAKE & PALMER und RICK WAKEMAN, dann geht’s ab in Richtung symphonisch-bombastischen Prog-Rock a’la AYREON sowie dem unglaublichen „Salty Dog“, der mit einer Dynamik gespielt wird, die garantiert kein Anhänger von Procol Harum jemals erwarten würde – was aber trotzdem funktioniert.

Doch spätestens als Lana Lane die Bühne betritt, ein rotes Tuch schwenkend (Oder ist das etwa die russische Fahne?) und die Aufmerksamkeit, mehr als es der Musik gut tut, auf sich ziehend, rutscht der Sound in die AOR und Melodic-Rock-Schiene ab. Da bereichern auch die kurzen Solis von Peer Verschuren und Ernst Van Ee, der oftmals seine Drumsticks geschickt durch die Luft wirft, die Szene nicht mehr – das wirklich musikalische Pulver bleibt verschossen. Erst mit der Zugabe „One Of The Machines“, für die sich Norlander und Keeling spontan entscheiden und die angeblich erst- und einmalig bei diesem Auftritt erklingt, spürt man noch einmal die Magie der ersten Konzert-Hälfte.

Auf Norlanders ersten Solo-CD, die durch Keith Emerson mit lobenden Worten im Booklet eingeleitet wird, dankt Norlander Emerson für seine Worte und seine Inspiration und hofft, „dass er mit seiner Musik Mr. Emerson ein wenig stolz macht“. Vielleicht sollte Erik sich endlich wieder mehr von Emerson und weniger von seiner Ehegattin (musikalisch) inspirieren lassen.

FAZIT: Eine DVD für alle, die mit Keyboard-Bombast im Stile von Rick Wakeman und Emerson, Lake & Palmer etwas anfangen können, auch wenn sie im zweiten Konzertteil durch Mittelmäßigkeit vergällt werden. Der Klang ist sehr gut, die Bildaufnahmen sind gerade so mittelmäßig. Die zusätzliche Audio-CD und die gelungene Konzert-Dokumentation werten Norlanders erste Präsentation im DVD-Bereich auf – außerdem, wer besitzt eigentlich derzeit einen Konzertmitschnitt aus dem (kalt-kriegerischen) Königreich des Großinquisitors und ehemaligen Stasi-Lieblings Mr. KGB-Putin?

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 3377x gelesen, veröffentlicht am )

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Tracklist:
  • Fanfare For Absent Friends – Part One
  • Neurosaur
  • Dreamcurrents
  • Mariner
  • A Salty Dog
  • Sky Full Of Stars
  • Alexandria
  • Guardian Angel
  • Oblivion Days
  • Peer´s Guitar Solo
  • Beware The Vampires
  • Secrets Of Astrology / Ernst’s Drum Solo
  • Fallen
  • One Of The Machines
  • Fanfare For The Absent Friends – Part Two

Besetzung:

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