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Spaced Out: Unstable Matter (Review)

Artist:

Spaced Out

Spaced Out: Unstable Matter
Album:

Unstable Matter

Medium: CD
Stil:

Instrumental Prog

Label: Unicorn Digital
Spieldauer: 46:00
Erschienen: 2006
Website: [Link]

So außerirdisch ist dieses Instrumentaltrio gar nicht, sondern sogar sehr irdischen Machstrukturen unterworfen – etwa der Monarchie des blutroten Königs, der im frankophonen Raum offenbar zahlreiche Untergebene hat. Das Label Unicorn Digital nimmt sich dieser Spätfolgen des Absolutismus gerne an und verpackt sie in diesem Fall in ein schickes Layout inklusive tiefgründiger Sprüche im Booklet. Die drei Musiker wären auch sicher nicht böse, bezeichnete man sie als Mathematiker oder Philosophen, denn ihre Stücke zeugen von Präzision wie Komplexität.

Chromatische Melodieführung wird im Ohr des Hörers tatsächlich zu instabiler Materie, so dass er sich eher am Groove orientiert. Ein hereinbrechendes Slapbass-Unwetter macht es ihm leicht, sich auf die Rhythmuskomponente zu konzentrieren, denn auch die Keyboardmelodien bleiben sperrig. Das Gitarrensolo schließt sich dem im besten Fripp-Sinn an, und die Drums schlagen fies aus wie die Gummipuffer eines Weltraumflippers. Basssolo...Schluss...
Ziemlich kitschig, dieser Synthesizersound – da kündet das engmaschige Band von Bass und Schlagzeug schon eher von einer neuen Brut. Heftige, zeitgenössische Tiefriffs stellen die der gesamten Platte innewohnende Dramatik wieder über die Tastensounds. Wieder sind es rhythmische Überlagerungen und Verschiebungen, nicht die lockeren Leadgitarren, die Aufmerksamkeit erregen. Nach plötzlichem Songende kommt es zur ersten Kunstattacke mit großkalibriger Orgel. Bevor das düstere Stück zum Grundton-Stampfer mutiert, zögert es, wartet ab und schreitet dann weiter. Offenbar scheint es nur ein Backdrop für ein teils triolisches, teils getapptes Basssolo zu sein, wohingegen Teil zwo auf ein Pianomotiv aufbaut. Trotz 4/4-7/8-Kombination handelt es sich nicht zuletzt wegen der ruhig singenden Gitarrenbridge um das melodiöseste Stück.

Ein weiteres Hintergrundbild wird aufgebaut, diesmal zwei Minuten heavy Riffs, damit Jazztrommler Maheux sich hinter den Kesseln austoben kann. Auf seine Kappe dürfte auch das krummgetaktete große Knirschen gehen. Hier brodelt es subtil in 5/4, wechselhaft in der Stimmung und spannungsvoll in der Tonwahl. Am Ende steht wieder eine Schlagzeugschau vor Gitarrenhärte in Endlosschleife.

Die Antimaterie ist erstaunlich greifbar; nachvollziehbar wipp-schaukelt sich der geslappte Bass hoch, um zu tempomachenden Drums den Daumen seines Spielers derart in Anspruch zu nehmen, dass einem Hören und Sehkraft schwinden. Dieser Wahnsinn klingt, als spiele Victor Wooten an Stelle des Funk in einer Heavy-Rock-Band. Nur ein Gitarrensolo bietet zeitweilig Entspannung. Anscheinend reißt Fafard das Ruder zum Albumende hin an sich, denn sein Blutsturz ist ebenso von Tiefton-Tropfen durchsetzt. Im vorletzten Stück treibt er es auf die Spitze. Kurze und immens virtuose Tapping-Sauereien. „Singularity“ erweist sich als zu beliebiger Fade-Out einer Scheibe, die vom Zusammenspiel der Rhythmusgruppe lebt, welche sich zu spröden Tonfolgen nach Herzenslust austobt. Manchmal bleiben Motive im Ohr, doch generell sind es Bass und Schlagzeug, die vor den Boxen fesseln.

FAZIT: SPACED OUT stellen die kantige Seite des Instrumental-Prog dar. Die Rhythmusgruppe ist der Star, aber die Kompositionen sind trotz tendenzieller Melodiearmut spannend und schlüssig genug, um nachhaltigen Hörgenuss zu verbreiten. Die Musikerpolizei darf einen oder zwei Zähler zur Wertung hinzufügen...

Andreas Schiffmann (Info) (Review 2419x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 8 von 15 Punkten [?]
8 Punkte
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Tracklist:
  • Unstable Matter
  • New Breed
  • Art Attack Pt. I
  • Art Attack Pt. II
  • Event Horizon
  • Big Crunch
  • Antimatter
  • Blood Fall
  • Glassosphere Pt. IV
  • Singularity

Besetzung:

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