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Vanden Plas: Christ 0 (Review)

Artist:

Vanden Plas

Vanden Plas: Christ 0
Album:

Christ 0

Medium: CD
Stil:

Progressive Metal

Label: InsideOut
Spieldauer: 67:16
Erschienen: 2006
Website: [Link]

Deutschlands Vorzeige Prog Metal Truppe hat sich mit vier Jahren Bedenkzeit seit dem letzten Album „Beyond Daylight“ eine Menge Zeit gelassen – völlig untätig waren die Herren aber nicht: Sänger Andy Kuntz hat sein ABYDOS Soloprojekt durchgezogen, außerdem waren die fünf Musiker an Theaterprojekten wie den Nostradamus-Aufführungen in Kaiserslautern beteiligt. Eine recht fruchtbare Kooperation, wie sich noch zeigen wird.

Es handelt sich bei „Christ 0“ um ein Konzeptalbum, das von Alexandre Dumas „Der Graf von Monte Cristo“ inspiriert ist – mit Betonung auf „inspiriert“, denn es handelt sich nicht im geringsten um eine Nacherzählung des berühmten Werkes. Wen die teilweise etwas wirre Story interessiert, der findet im Booklet ein paar erklärende Worte. Wir gehen jetzt zur Musik über.

Der Opener und gleichzeitige Titeltrack zeigt gleich die pompöse Ausrichtung des neuen Materials. Der Chor des Pfalztheaters Kaiserslautern legt wuchtige Gänsehaut Harmonien über die erstaunlich knackig und heavy rockenden Gitarren, kein Ausrutscher, wie sich im weiteren Albumverlauf zeigt: THRESHOLD lassen grüßen. Sänger Kuntz hat sich klar gesteigert und kann sich mit theatralischen Gesangslinien gegen das progmetal-typische Stakkatoriffing gut behaupten. Wilde Hochgeschwindigkeits-Unisono-Instrumentalabfahrten haben durchaus Potential, auch schläfrige Artgenossen aus dem Koma zu frickeln.

Ob es sich bei dem Track „Wish You Where Here“ um einen Schreibfehler handelt, weiß wohl niemand so recht zu sagen. Einerseits sieht der Titel mit der im Booklet abgedruckten Schreibweise so schlimm aus, daß es weh tut, andererseits zieht sich dieser Fehler (?) wie ein roter Faden durch das Booklet, also handelt es sich nicht einfach um einen „Vertipper“. Letztlich ja auch egal, denn der Song bietet gutklassige VANDEN PLAS Kost, knackiges Riffing, sehr eingängiger Gesang, ruhige Pianopassagen mit einem elektronisch leicht verzerrten Andy Kuntz.

„Silently“ startet balladesk mit verträumtem Piano – dem Schönklang wird ein abruptes Ende bereitet, wenn die recht heftigen Stakkato-Gitarren über den Hörer hereinbrechen. Wie an vielen anderen Stellen auch klingt man hierbei verdammt nach DREAM THEATER. Die Deutschen gehen rhythmisch ähnlich vertrackt zur Sache, allzu schwer verdaulich wird man aber nie, denn neben einigen Spieltechnikdemonstrationen gibt es auch jede Menge eingängiger Gitarrensoli nebst Latin-Einsprengseln zu bewundern. Die Keyboards werden von den nicht zimperlich eingesetzten Gitarrenwällen nicht untergebuttert und setzen jede Menge Akzente: Seien es untermalende Piano Klänge, spacige Synthie-Orgien oder orchestrale Arrangements, Günter Werno prägt den Sound von VANDEN PLAS eindeutig mit.

Den nächsten Höhepunkt stellt „Fireroses Dance“ dar: Anfangs stehen nur Andys Gesang und das Piano im Mittelpunkt, dann gesellen sich soundtrackartige Streicher hinzu, Spannung wird aufgebaut, selten war der Gesang so gut, und die berüchtigten Kitschklippen werden mit knapper Not umschifft. Nach der Hälfte kippt die Stimmung, es wird härter, verzerrte Gitarren kämpfen um Dominanz und werden von dramatischen Chören wieder in den Hintergrund gedrängt. Ein elegisches Gitarrensolo rundet den Song ab. Das klingt vielleicht nach kalkulierter Reißbrett-Komposition, ist aber handwerklich und gesangstechnisch so gut umgesetzt, daß der Track einfach gut funktioniert.

„Somewhere Alone In The Dark“ geht dann wieder pfeilschnell ab, hat aber außer typisch progmetallischen Instrumentalpassagen nicht so viel zu bieten, wie einige andere Tracks. Erwähnte ich schon DREAM THEATER?

„January Sun“ könnte neben dem Titeltrack DAS Highlight des Albums sein. Wieder ein balladesker Einstieg, Orchester und Streicher tragen dick auf und klassisches Piano leitet die E-Gitarren ein, die mit ordentlich knallenden, stehenden Akkorden keine Originalitätspreise gewinnen, aber doch gut Stimmung machen – außerdem muß ja nicht immer so komplex wie möglich gespielt werden. Gitarren und Keys spielen sich geschickt die Bälle zu und produzieren im späteren Verlauf beglückende Solo-Momente.

FAZIT: Mit „Christ 0“ produzieren VANDEN PLAS Progressive Metal in Reinkultur. Progressiv im Sinne von fortschrittlich ist hier natürlich nichts, dafür haben die Deutschen aber gezeigt, daß sie auf jeden Fall ganz, ganz oben mitspielen können: Der Sound ist klar und druckvoll und die Musiker agieren ausnahmslos auf höchstem Niveau. Der neu entdeckte Bombast mit Chor und orchestraler Untermalung macht deutlich: Sofern Prog Metal als „kommerziell“ bezeichnert werden kann - „Christ 0“ ist genau dies und unterhält dabei auf höchstem Niveau. Wer das Traumtheater sowohl zu „Images And Words“ also auch zu „Train Of Thought“ Zeiten zu schätzen wußte, wird unter Garantie auf seine Kosten kommen. Auch wenn die spritzige Genialität und Neuartigkeit vom zuerst genannten Album heute nicht mehr erreicht werden kann.

Nils Herzog (Info) (Review 2682x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 11 von 15 Punkten [?]
11 Punkte
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Tracklist:
  • Christ 0
  • Postcard to god
  • Wish you were here
  • Silently
  • Shadow I am
  • Fireroses dance
  • Somewhere alone in the dark
  • January sun
  • Lost in silence
  • Gehtsemane

Besetzung:

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