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Blind Melon: For My Friends (Review)

Artist:

Blind Melon

Blind Melon: For My Friends
Album:

For My Friends

Medium: CD
Stil:

Alternativer Rock mit postmortalem Erinnerungswert

Label: Ear Music / Edel
Spieldauer: 50:30
Erschienen: 16.10.2009
Website: [Link]

„No Rain“ war es gewesen – dieses seltsam vertrackte Liedchen, welches auf unerklärliche Weise zu einem Hit samt Radioairplay geworden war – das mich auf BLIND MELON aufmerksam machte. Dieser „Hit“ hatte dafür gesorgt, dass ich verblüfft meinen Ohren nicht trauen wollte: „Wie konnte es so ein (tatsächlich in meinen Augen zu guter und dafür eigentlich fürs Radio völlig ungeeigneter) Titel bis in irgendwelche Hitradiostationen schaffen? Hatte da ein besoffener Radiomacher aus Versehen den falschen Knopf gedrückt und ‚No Rain’ unfreiwillig zum Hit werden lassen, weil doch tatsächlich noch ein paar Leute mit Grips und Geschmack vorm Radio saßen und sich begeistert auf diesen musikalischen Ausrutscher stürzten?“ Neben der Musik begeisterte mich damals besonders auch die Stimme von SHANNON HOON, die an ROBERT PLANT von LED ZEPPELIN erinnerte. Nur liegt diese Erfahrung nunmehr 17 Jahre zurück – und eine ähnliche erwartete mich bereits ein Jahr später wiederum im Radio, nur da hieß der Titel „Mmm Mmm Mmm Mmm“ und wurde von einem genauso ungewöhnlichen Stimmwunder namens BRAD ROBERTS bei den CRASH TEST DUMMIES vorgetragen.

Doch das ist alles Geschichte! Genauso wie das kurze Leben von Shannon Hoon, das 1995 nach 28 Jahren mit einer Überdosis Kokain endete. Vielleicht hatte er den unerwarteten Erfolg und die ungewöhnliche öffentliche Aufmerksamkeit nach dem vierfach mit Platin ausgezeichneten Album „Blind Melon“ (1992) nicht verkraftet. Sein musikalisches Erbe waren am Ende zwei Alben zu Lebzeiten und ein drittes, das mit noch vorhandenen Tonspuren von Hoons Stimme in unappetitlicher Weise nach seinem Tod nachgeschoben wurde. Er konnte sich gegen diese vokalistische Leichenfledderei genauso wenig wehren wie Jahre später ein FREDDY MERCURY. Zurecht starb damit auch die blinde Melone. Zumindest bis zu ihrer Wiedergeburt 13 Jahre später mit TRAVIS WARREN als Sänger. Und gleich im Vorfeld: Er ist ein würdiger, charismatischer Nachfolger von Hoon, der hoffentlich nicht den gleichen Lebensweg wie sein Vorgänger beschreitet. Gerade darum wirkt bereits eine Liedzeile von „For My Friends“ erschreckend: „Lass uns ein paar Pillen einwerfen und so lange singen, bis uns die Stimme versagt!“ – Hoffentlich meinen das die blindmelonigen Jungs nicht so ernst, wie sie es hier zum Besten geben.

Kleine Kinder scheinen es den Rockern aus Mississippi optisch angetan zu haben. Während auf dem 92-er Album ein properes Mädchen in Biene-Maja-Kostüm posiert, schläft diesmal ein Junge angelehnt an einer Autoscheibe. An der Musik von „For My Friends“ kann das nicht liegen, denn die rockt in klassischer Indi-Manier mit 70-er-Jahre-Appeal. Zwar ein wenig angestaubt, aber immer noch besser als eine Vielzahl von dem, was uns heutzutage so geboten wird. Besonders wenn uns ehemalige Größen wie U2 nur noch mit ihren austauschbaren Scheiben belästigen, sind BLIND MELON gerade wegen dieser „angestaubten Atmosphäre“ wichtig. Es sind nämlich Erinnerungen, die geweckt werden, welche ähnlich mystisch angehauchte Indi-Bands umgeben und deren Leben bzw. Sterben oder Verschwinden ihrer Sänger viele Rätsel aufgaben: die MANIC STREET PREACHERS oder NIRVANA. Bei „Sometimes“ und „Last Laugh“ gibt’s sogar noch einen in Punkto geheimnisvolle Sterbefälle musikalischer Größen drauf. T. REX bzw. MARC BOLAN winkt uns mit seiner knochigen Grabeshand aus den Tiefen unserer musikalischen Erinnerungen zu. Tatsächlich also sind BLIND MELON wieder die Band, die sich bis dahin ausschließlich über ihren verstorbenen Sänger definieren konnte. Travis Warren klingt nämlich so, als hätten sie Shannon Hoon wieder zum Leben erweckt. Und mit ihm gleich noch ein paar andere Tote, die man dieser Gilde mühelos zuordnen könnte. Lebendes Vorbild jedoch ist unzweifelhaft ROBERT PLANT von LED ZEPPELIN.

Zweierlei ist jedoch traurig an „For My Friends“. Die Texte sind, soweit ich das beim genauen Hinhören erkennen konnte – ja, ja, ich bespreche mal wieder so eine lieblose Papp-Promo-CD ohne Texte oder anderes gestalterisches Beiwerk – ziemlich bis total belanglos und viel schlimmer: ein Ausnahmetitel wie „No Rain“, der wirklich etwas ganz Besonderes war, fehlt. BLIND MELON sind wiederbelebt worden – nun bleibt nur noch abzuwarten, ob eines Tages neben der klassischen Ausrichtung an Sixties- und Seventies-Rock mit LED-ZEPPELIN-(Ge)Röhre sich auch ganz heimlich, still und leise ein Song wie „No Rain“ einschleicht – ob ich daran glaube? Eher nicht!

FAZIT: Eine CD, die fast mühe-, aber doch nicht ganz makellos an die Qualität des 17 Jahre alten, mehrfach mit Platin ausgezeichneten Albums anknüpft – und gerade darum bei der Qualität unserer aktuellen Musikkultur kaum eine Chance für erneutes Platin bekommen wird. Wohl auch, weil ihr ein „echter Hit“ fehlt. Eigentlich verdammt schade – verdient zumindest hätten es sich BLIND MELON für den Mut, dort weiter zu machen, wo sie einst gezwungenermaßen aufhören mussten, auf jeden Fall!

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 2350x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 9 von 15 Punkten [?]
9 Punkte
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Tracklist:
  • For My Friends
  • With The Right Set Of Eyes
  • Wishing Well
  • Sometimes
  • Tumblin’ Down
  • Down On The Pharmacy
  • Make A Difference
  • Harmful Belly
  • Last Laugh
  • Hypnotized
  • Father Time
  • So High
  • Cheetum Street

Besetzung:

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