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Bloodbound: Tabula Rasa (Review)

Artist:

Bloodbound

Bloodbound: Tabula Rasa
Album:

Tabula Rasa

Medium: CD
Stil:

Melodic Power Metal

Label: Blistering Records
Spieldauer: 40:50
Erschienen: 24.04.2009
Website: [Link]

Der Begriff „Tabula Rasa“ wird in verschiedenen Zusammenhängen verwendet, der Volksmund etwa spricht davon, „reinen Tisch zu machen“, die Philosophie dagegen vom ursprünglichen Zustand der Seele oder des Verstands, frei von Eindrücken und Erfahrungen. Alle Songs des dritten Albums von BLOODBOUND beziehen sich mehr oder weniger auf dieses Thema. Musikalisch hat sich die Band vor allem die wörtliche Übersetzung zu Herzen genommen und „die Tafel leer gewischt“. Soll heißen: Die Musiker versuchten gänzlich ohne feste Vorstellungen, wie BLOODBOUND zu klingen haben oder was die Band in der Vergangenheit ausgemacht haben mag, an das neue Material heranzugehen. Nach all den personellen Schwierigkeiten der letzten Jahre und in Anbetracht der Rückkehr von Original-Sänger Urban Breed dürfte es vielleicht sogar hilfreich gewesen sein, die eigene Historie außen vor zu lassen.

Auch der Hörer sollte sich dementsprechend von Erwartungen oder vorgefertigten Meinungen befreien, seien sie nun positiver oder negativer Art. Denn die Band setzt tatsächlich die eigene Vorstellung von „Tabula Rasa“ um und knüpft keinesfalls an das Debüt „Nosferatu“ an. Klischeetriefende Metal-Lyrics? Zahllose IRON-MAIDEN-Zitate mit den typischen Galoppier-Riffs und zweistimmigen Harmonien? Mitsing-Refrains, die gerne auch mal kitschig sein dürfen? Fehlanzeige, all das gibt es auf „Tabula Rasa“ nicht mehr zu hören, zumindest nicht in solch geballter Form. Stattdessen klingt man reifer und moderner, stellenweise auch leicht progressiv, und die ehemalige Melodieverliebtheit weicht einer deutlich angezogenen Härte. Wo früher praktisch jeder zweite Part im Galopp absolviert wurde, gibt es jetzt vor allem heftige Stakkato-Riffs zu hören. Die Keyboards werden nur noch äußerst dezent eingesetzt, ebenso wie die harmonischen Gitarrenleads. Anstatt auf hymnenhafte Refrains, die früher oft auch an Bands wie HELLOWEEN erinnerten, setzt man jetzt eher auf düstere Atmosphäre und wirkt insgesamt erwachsener.

Zwar klingen BLOODBOUND nun weitaus weniger klischeehaft und zitieren nicht ständig die großen Vorbilder, ironischerweise wirkt man dadurch aber auch nicht unbedingt eigenständiger. Stattdessen erinnert der Sound an viele andere skandinavische Bands, die versuchen, den melodischen Power Metal sanft zu modernisieren (etwa NOCTURNAL RITES). Teilweise klingen sogar TAD MOROSE durch, die ehemalige Band von Urban Breed. Kein Wunder, hat doch der Sänger nach seiner Rückkehr erstmals bei BLOODBOUND den kompletten Gesangsbereich in Eigenverantwortung übernommen und ist somit an allen Kompositionen beteiligt. Im ersten Moment mag die neue musikalische Ausrichtung etwas enttäuschend wirken, bezog „Nosferatu“ seine Anziehungskraft doch nicht zuletzt gerade aus dem völlig unbekümmerten Ausleben sämtlicher Metal-Klischees und der Verwendung altbekannter Traditionen im neuen Gewand. Diese gewisse Spritzigkeit und Frische geht nun ein wenig verloren. Nach und nach offenbart sich jedoch, dass BLOODBOUND weiterhin auf starke Melodien und eingängige Hooklines setzen, nur eben etwas subtiler zu Werke gehen. Es gibt immer noch die mitreißenden Refrains zu hören, allerdings werden diese nicht mehr mit dem Holzhammer präsentiert und klingen weitaus weniger kitschig. Dadurch braucht „Tabula Rasa“ ein paar Durchläufe mehr, dann jedoch bekommt man viele der Songs nicht mehr aus dem Kopf, während es gleichzeitig immer noch jede Menge zu entdecken gibt. Der Großteil des Albums kann absolut überzeugen. Da gibt es treibende Tracks wie „Sweet Dreams Of Madness“ oder „Take One“, das melancholische „Dominion 5“, die beiden „Tabula Rasa“-Teile oder die Halb-Ballade „Night Touches You“. Lediglich gegen Ende des Albums schleichen sich einige nicht ganz so zwingende Nummern ein, Ausfälle gibt es jedoch keine. Dafür schlägt das mitreißende „Twisted Kind Of Fate“ den Bogen zur eigenen Vergangenheit und bildet so etwas wie das Bindeglied zwischen den früheren Alben und „Tabula Rasa“.

Insgesamt muss man feststellen, dass BLOODBOUND mit diesem Album wohl den richtigen Weg eingeschlagen haben, um eben nicht mehr nur als tolle „Cover-Band mit auschließlich eigenem Material“ zu gelten. Vor allem der kernige, aber gleichzeitig dramatische und emotionale Gesang von Urban Breed weiß zu begeistern. Ihm ist es zu verdanken, dass man sich mit „Tabula Rasa“ nicht einfach nur in die Riege moderner Power-Metal-Bands einreiht, sondern sich gleich im oberen Bereich festsetzt. Rein musikalisch mögen sich BLOODBOUND wenig abheben, aber gerade die gelungene Mischung aus modernem Sound, traditionellen Hooks und packendem Gesang macht den Unterschied aus.

FAZIT: Jeder, der bereits zu wissen glaubt, wie BLOODBOUND klingen, oder was ihn mit „Tabula Rasa“ erwarten mag, sollte genauer hinhören. Die Band wagt einen Neuanfang und präsentiert sich mit dem dritten Album deutlich gewandelt, jedoch ohne künstlich erzwungene Experimente und ohne alte Fans vor den Kopf zu stoßen. Zwar klingt man nicht mehr ganz so unbekümmert wie zu Zeiten des Debüts, dafür könnten nun auch Hörer Gefallen an BLOODBOUND finden, die vielleicht bisher aufgrund der klischeehaften Texte, Optik oder Musik einen Bogen um die Band machten.

Daniel Fischer (Info) (Review 3967x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 11 von 15 Punkten [?]
11 Punkte
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Tracklist:
  • Sweet Dreams Of Madness
  • Dominion 5
  • Take One
  • Tabula Rasa
  • Night Touches You
  • Tabula Rasa, Pt. II (Nothing At All)
  • Plague Doctor
  • Master Of My Dreams
  • Twisted Kind Of Fate
  • All Rights Reserved

Besetzung:

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