Musikreviews.de bei Facebook Musikreviews.de bei Twitter

Partner

Statistiken

Crazy Chris Kramer: ...Unterwegs (Review)

Artist:

Crazy Chris Kramer

Crazy Chris Kramer: ...Unterwegs
Album:

...Unterwegs

Medium: CD
Stil:

Blues Rock

Label: Blow 'Til Midnight / Sony Music
Spieldauer: 57:47
Erschienen: 28.08.2009
Website: [Link]

CRAZY CHRIS KRAMER begleitet mich schon eine ganze Zeit auf meinen verschlungenen Blues-Pfaden und hat regelmäßig überzeugen können. Als ich aber hörte, dass der Dortmunder in den USA unterwegs ist, um mit dortigen Bluesmusikern Aufnahmen einzuspielen, hat es mir erstmal die Sprache verschlagen... mit unglaublichen Musikern: MICK TAYLOR, die göttlichen CHUCK LEAVELL und PINETOP PERKINS, MEL GAYNOR, WILLIE SMITH, HELGE SCHNEIDER... gut, DEN traf er bei Sessions im "Pott" ;-)) Man muss sich das 'mal vorstellen: Da kommt ein in den US völlig unbekannter Blueser aus Germany, rennt offene Studiotüren ein, um mit Musikern, die zusammen mit den ROLLING STONES, der ALLMAN BROTHERS BAND oder MUDDY WATERS spielten, zu jammen. Unglaublich! [Die musikalischen Gäste habe ich am Ende des Reviews gesondert aufgelistet.]

Die Frage, ob Blues mit deutschen Texten überhaupt funktioniert, ist für CRAZY CHRIS KRAMER-Kenner ein alter Hut. Natürlich ist das gewöhnungsbedürftig!! Das war auch so, als UDO LINDENBERG Anfang der 70er begann, auf deutsch 'rumzunuscheln. Wenn man dann mit Kramers Texten aus dem Alltag, seinem Alltag, konfrontiert wird, ist man erstmal über die Banalität der Themen verblüfft. Aber: Blues-Lyrics waren zu keiner Zeit große philosophische Abhandlungen ;-)) Hört Euch bspw. des großen Meisters STEVIE RAY VAUGHANs Texte einmal genauer an... erschütternd einfach gestrickt und doch mit all der unendlichen Traurigkeit gefüllt, die der Blues vermittelt. Nein, Kramers Texte sind völlig in Ordnung und er transportiert diese mit sehr viel authentischem Gefühl und natürlich seiner tollen Stimme.

CRAZY CHRIS KRAMER ist ein musikalischer Tausendsassa, der mit verschiedensten Projekten für Aufsehen sorgte. Sein "...& Friends"-Ding war ein echter Bringer. Jack Bruce, Bernard Allison, Frank Diez, Albie Donnelly, Helge Schneider, Pete York... endlos ist die Reihe prominenter Musiker, die als "Friends" mitwirkten. Mit seinen GROOVE HANDS frönt er dem Jazz, Bossa Nova, Zigeuner-Swing, ja sogar Country und Bluegrass. Als Meister der Blues-Harp wagte er sich mit seinem Programm "Choräle auf der Blues Harp" sogar in Kirchen. Überhaupt gilt er als DER Harp-Player hierzulande und hat schon einige Bücher zu diesem Thema verfasst. Mit seiner großartigen 2008er Scheibe "Komm mit!" spielte er sich via ordentlichem Radio-Airplay in die Herzen eines immer größer werdenden Fankreises. Nun legt er mit "...Unterwegs" sein bislang vielleicht bestes Werk vor.

"...Unterwegs" rockt und bluest mit einer derartigen Portion schwärzestem Soul, dass es eine helle Freude ist. Wenn man die Texte weglassen würde, käme man zu keinem Zeitpunkt auf die Idee, hier wäre ein deutscher Bandleader am Werk. Ein Großteil der Aufnahmen entstanden wie gesagt in den USA. Die amerikanischen Produzenten, der legendäre Paul Hornsby in Macon/Georgia [genau: DEM Macon und DER Hornsby] und Stuart Sullivan in Austin/Texas, haben ganze Arbeit geleistet und "...Unterwegs" einen internationalen Standard verpasst.
MICK TAYLOR verleiht gleich dem Opener "Meister Igel" eine rattenscharfe Slide-Guitar und macht diese Nummer zu einem zeitlosen Blues-Rocker. Danach wird mit einem Boogie der weiblichen Untreue der Garaus gemacht - ein herzzerreißender Slow-Blueser und eine ebenso traurige Ballade folgen. Zum Brüllen komisch ist der Song, der zu erklären versucht, warum CRAZY CHRIS KRAMER nicht wie JAMES BROWN klingt. Schuld sind Chris' Mutter und ein diabolischer Gitarrenhändler, der dieser einfach frech ein Banjo angedreht hatte ;-)) "Nichts dauert ewig" ist ein erfrischender Boogie mit Chris' glühender Blues-Harp veredelt.
Dann folgt aber eine Nummer, die ich aus persönlichen Gründen einfach nur schröcklich finde: "Ich such' den ganz besonderen Ton" klingt original wie ein gewisser KLAUS LAGE, der mich schon ein halbes Leben -"(Meine) Faust auf... (sein) Auge"- nervt. Aber das bleibt glücklicherweise der einzige Ausfall von "...Unterwegs". Die Ballade "Hätt' ich nur einen Moment Zeit" wird von Michael Mitzkus' depressiver Pedal-Steel wunderschön untermalt. Lupenreinen Soul mit knackigem Gebläse bietet "Biggi" in ihrer "Bier Bar". Hier ist, wie auf dem folgenden Instrumental "Benedicita", auch einer meiner Lieblings-Keyboarder CHUCK LEAVELL, der bereits für die ABB und die ROLLING STONES in die Tasten griff, zu hören. Das allseits beliebte Internet-Dating wird mit "Bleib bis zum Frühstück" auf die Schippe genommen. Obendrein ist's ein wunderbar traditioneller Blues... und gleich -weil's so schön war- noch einen Shuffle hinterher geschoben. Man merkt sogleich, dass diese vier Aufnahmen allesamt in den US entstanden sind. HELGE SCHNEIDER und PETE YORK verleihen dem abschließenden "Work Song" ein jazziges Gepräge.

FAZIT: Dies Album kommt nicht nur perfekt produziert daher, es schmeichelt sich beim Hörer auch direkt mit Charme und Witz ein. Mit "...Unterwegs" ist CRAZY CHRIS KRAMER ein ganz großer Wurf gelungen. Die Blues-Fraktion wird aufs Beste bedient!

---
Musikalische Gäste:

Mel Gaynor, Willie Smith, Carsten Steffens, Pete York (Schlagzeug)
Dirk Edelhoff (Banjo, Gitarren)
Jens Filser, Malte Triebsch, Mick Taylor, Herbie Klinger, Little Frank Karkowski (Gitarren)
Michael Mitzkus (Pedal Steel)
Martin Engelien, Bob Stroger, Colin Hodgkinson (Bass)
Chuck Leavell (Piano, Hammond B3)
Pinetop Perkins, Niclas Floer (Piano)
Helge Schneider, Tobias Coster (Orgel)
Wolfgang Engelbertz (Upright Bass)
Olaf Krüger, Jörg Wippich, Daniel Fellmann, Albie Donnelly ("Gebläse")
Bernd Kullack (Violin)
Hennes Bender, Jochen Malmsheimer, Pavel Popolski, Giovanni Arvenah, Katrin Ritt, Nils Brunkhorst (Background Vocals)

Steve Braun (Info) (Review 5635x gelesen, veröffentlicht am )

Unser Wertungssystem:
  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
[Schliessen]
Wertung: 11 von 15 Punkten [?]
11 Punkte
Kommentar schreiben
Tracklist:
  • Meister Igel
  • Du gabst mir 7 Kinder
  • Ich hab Scheiß gebaut
  • Dein Herz schlägt wie es schlägt
  • Ich wollte immer klingen wie James Brown
  • Nichts dauert ewig
  • Ich such' den ganz besonderen Ton
  • Hätt' ich nur einen Moment Zeit
  • Biggis Bier Bar
  • Benedicita
  • Bleib bis zum Frühstück
  • Es gibt gut, besser und es gibt mich
  • Ich beiß mich da jetzt durch
  • Work Song

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
Benachrichtige mich per Mail bei weiteren Kommentaren zu diesem Album.
Deine Mailadresse
(optional)

Hinweis: Diese Adresse wird nur für Benachrichtigungen bei neuen Kommentaren zu diesem Album benutzt. Sie wird nicht an Dritte weitergegeben und nicht veröffentlicht. Dieser Service ist jederzeit abbestellbar.

Captcha-Frage Welche Farbe hat eine Erdbeere?

Grob persönlich beleidigende Kommentare werden gelöscht!