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Osibisa: Osee Yee (Review)

Artist:

Osibisa

Osibisa: Osee Yee
Album:

Osee Yee

Medium: CD
Stil:

African Soul-Funk Fusion Rock

Label: Cadiz/ Soulfood
Spieldauer: 61:51
Erschienen: 28.08.2009
Website: [Link]

In letzter Zeit scheint die Finanzkrise Auswirkungen auf Presse-Infos zu haben. Zumindest wird an inhaltlicher Kompetenz und Qualität gespart. Von Grammatik ganz zu schweigen. Im vorliegenden Fall „fängt die Musik den afrikanischen Charakter ein und projeziert ihn“. Fragt man sich als aufmerksamer Hörer nur „welchen“ und „wohin“? An anderer Stelle heißt es: „’Osee Yee’ ist OSIBISAs brand neues Album eingespielt von dem unzähmbaren Multiinstrumentalisten Teddy Osei (der u.a. mit Künstlern wie Stevie Wonder, The Rolling Stones performte) zusammen mit einer Auswahl von Musikern der afrikanischen Diaspora“. „Afrikanische Diaspora“ hat es der lausigen Übersetzungssoftware (von einem menschlichen Übersetzer wollen wir gnädigerweise nicht ausgehen) derart angetan, dass es gleich zwei Mal im kurzen Text vorkommt.

Wie wenig Wert misst man einer Veröffentlichung bei, wenn man als verantwortliche Promotionsabteilung so schludrig und gelangweilt arbeitet? Und man tut dem aktuellen Album der Formation, die bald ihr vierzigsten Geburtstag feiert, Unrecht, es so nachlässig zu bewerten.
Ein paar Richtigstellungen: Teddy Osei ist tatsächlich seit OSIBISAs Anfangstagen dabei. Auf „Osee Yee“ begleitet ihn aber noch ein Veteran, nämlich Mac Tontoh, am Flügelhorn und als Co-Autor dreier Stücke. Und die Begleitband, die hier als OSIBISA firmiert, kann so namenlos nicht bleiben, bereits der exponierte zweite Komponist, Keyboarder, Percussionist und akustische Gitarrist Kwame Yeboah hat augenscheinlich großen Einfluss auf den Bandsound. Dass der sich nicht allzu weit von den Anfangstagen der Band entfernt hat, dürfte keine große Überraschung darstellen.

Wer je als Prog Rock-Jünger in den frühen Siebzigern eine Platte allein aufgrund Roger Deans phantastisch bunter Cover kaufte, durfte sein blaues Wunder erleben, wenn eine LP OSIBISAs dabei war. Nix war’s mit epischen Progressiven Verlustierungen, keine Sounds zwischen verschnörkelten YES- und bombastischen ASIA-Ergüssen. Stattdessen freundlicher Soul-Funk, afrikanische Rhythmen, ein klein bisschen Fusion, ein klein bisschen mehr Disco, etwas schlicht mitunter, aber immer freundlich und mit tanzbarer Attitüde. Das klang nach Sonne, Cocktails und Tanzböden. Nicht so fixiert auf ein Ego wie SANTANA, besaß es durchaus Affinitäten, wenn man die Latino-Rhythmen durch westafrikanischen Drive ersetzt. Hier wurde (scheinbar) locker gejammt, manchmal banal und überbordend bis zum Schlager-Kitsch („The Warrior“, passend gelistet unter „Edition Meridian Ralph Siegel“!), mal konzentriert und mit ansteckender Lust am Leben und Musizieren. Ob man Lieder wie „Sunshine Day“ oder den „Coffee Song“ unerträglich oder geil bis zum Abwinken fand, war nur abhängig von der momentanen Lebenssituation. Tagsüber beim intellektuellen Höhenflug noch bedingungslos in die Tonne gekloppt, konnte der „Sunshine Day“ die darauf folgende Nacht zum Leuchten bringen.

Irgendwann waren OSIBISA in der Versenkung verschwunden; obwohl sie sich nie auflösten und zumeist in Afrika noch recht erfolgreich tourten. In den letzten Jahren überschwemmten meist billige „Best Of“-Kompilationen und Live-Alben den europäischen Markt. Dass dazwischen auch ein paar, wenige neue Alben entstanden, ging fast unter. Fünf Jahre nach “African Dawn, African Flight” ist es jetzt wieder so weit. Neben einer lizenzierten „The Very Best Of“-Scheibe, erscheint mit Osee Yee“ ein neues Studioalbum. Und das macht verdammt viel Spaß.

Man nehme die bereits oben erwähnten Trademarks, schraube das Kitschlevel etwas herunter und ersetze es durch ein Mehr an jazzorientierter Weltmusik, klangtechnisch sauber eingespielt. Neben SANTANA, werden Erinnerungen an Jasper Van'T Hofs PILI PILI wach, die Keyboarder dürfen brillieren, und sowohl die Bläsersektion wie sämtliche Percussionisten weben einen flüssigen, präzisen und die Füße zum Wippen bringenden Rhythmusteppich.
Mit der Coverversion von George Harrisons „My Sweet Lord“ bekommt endlich der Kitsch seinen ganz großen Auftritt und darf sich viereinhalb Minuten austoben. Aber das passt schon in den flirrenden Soundkosmos, der auf seine eigene, kleine Art etwas ziemlich originäres ist.

FAZIT: Zurück auf Start - ein weiteres erbauliches Zitat aus dem Presse-Info: „Die Musik von OSIBISA erregt und bereichert unser Leben wie niemals zuvor und möge lange leben!!!“ Jep, dem kann ich mich nur anschließen, obwohl unser Leben auch ohne die Musik OSIBISAs schon erregt (oder doch eher „erregend“?) genug ist. Wie auch immer, „Osee Yee“ ist jedenfalls zum Tanzen wie Chillen vortrefflich geeignet.

Jochen König (Info) (Review 3793x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 10 von 15 Punkten [?]
10 Punkte
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Tracklist:
  • Osuno
  • Watusi
  • Ayioko
  • Life Time
  • Osee Yee
  • Yen Ara Ghana
  • Higher And Higher
  • It's Ok
  • My Sweet Lord
  • Boyengya
  • One Life
  • Mystical
  • Too Much Going On
  • Saworowa

Besetzung:

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