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Nick Magnus: Children Of Another God (Review)

Artist:

Nick Magnus

Nick Magnus: Children Of Another God
Album:

Children Of Another God

Medium: CD
Stil:

Progressive Rock

Label: Magick Nuns Records / Just For Kicks
Spieldauer: 50:13
Erschienen: 26.03.2010
Website: [Link]

Wie oft begegnen uns große Musikernamen, die mit ihren Solo-Alben gerade darum Beachtung finden, weil sie Bestandteil großer Bands sind? Und wie oft lassen uns alle Begleitmusiker, die bei den Aufnahmen dem einen Großen zur Seite stehen, kalt? Wir hören einen Namen und verbinden mit dem Namen die Musik legendärer Bands, die wir hinter diesem Namen wiederzuerkennen hoffen. Einer von denen ist STEVE HACKETT. Der Mann, der ehemals neben einem PETER GABRIEL, MIKE RUTHERFORD, TONY BANKS und PHIL COLLINS als Mitglied von GENESIS Musikgeschichte schrieb und der regelmäßig mit seinen Soloalben für Aufsehen oder zumindest Aufmerksamkeit sorgt. Die ihn begleitenden Musiker aber bleiben grundsätzlich im Hintergrund und wecken bei kaum einem Hörer Interesse. Im Falle von NICK MAGNUS, dem langjährigen Hackett-Begleiter an den Keyboards, kommt diese Nichtbeachtung fast einem Frevel gleich. Zumindest wenn man dessen neues Solo-Album „Children Of Another God“ gehört hat.

Was also ein Tony Banks für Genesis war ist ein NICK MAGNUS für Steve Hackett. Und wenn ich einfach mal die Solo-Alben von Banks versus „Children Of Another God“ stelle, dann weiß ich, warum Magnus von Hackett ausgewählt wurde, denn kaum eins der Alben des Genesis-Stammkeyboarders erreicht die Qualität des gänzlich namenlosen Hackett-Keyboarders, der in der Vergangenheit sogar bei THE ENID aktiv war. Noch interessanter ist aber, dass sich Magnus auch für ein lange verschollenes, progressives Kleinod verantwortlich zeichnet, das leider viel zu wenig Beachtung fand, dafür aber trotzdem eine musikalische Meisterleistung ist: AUTUMN „Oceanworld“. Ein Album, im Geiste von Genesis. Ähnliches gilt auch für „Children Of Another God“.

Doch bevor wir uns der Musik zuwenden, sollten wir uns nicht von dem seltsamen, in meinen Augen missratenen Cover abschrecken lassen. Der Titel „Kinder eines anderen Gottes“ weckt da schon eine deutlich größere Neugier. Schließlich predigt die Kirche stoßgebetartig, dass es nur einen – und je nach Religion zwar ihren – Gott geben kann. Ein Gott, der durchaus auch mal darüber hinwegsieht, dass seine Vertreter auf Erden manchmal auch ihr Priestergewand anheben, um mit ihrem nicht immer nur schlaffen kleinen Segenspender jugendliche Messdiener oder in ihre Obhut gegebene Kinder zu missbrauchen. Ja, man sollte eben nicht vergessen, dass trotz Zölibat und göttlicher Unterwerfung diese Herren am Ende doch nur Menschen und damit ein Teil der unvollkommenen Schöpfung Gottes sind.

Und um die Unvollkommenheit oder noch besser Skrupellosigkeit einiger Menschen, die auf Erden bereits Gott spielen, also die „anderen Götter“, geht es auf diesem Album. Die „anderen Götter“ stehen vorrangig für die sich jeglichen ethischen Grundsätzen widersetzenden Wissenschaften, die, ob durch Klonen oder das Schaffen künstlichen „Reagenzglaslebens“, jede Moral ihrem Drang nach Wissen unterwerfen. Wissen auf Kosten von Gewissen. Nur dass sich diese Typen nicht wie bei Goethe der Faust zum Erlangen von Wissen mit dem Teufel paktieren. Nein, sie tragen diesen Teufel bereits in sich, heißen beispielsweise „Doctor Prometheus“ und nutzen ihr Wissen, um die Natur und den Menschen für neue Erkenntnisse zu missbrauchen und zu zerstören. Ihr Ziel ist die Vernichtung des Individuums, bzw. des Individualismus, zu Gunsten der Gleichschaltung und totalen Anpassung. Hier blinzelt ein Hitler genauso um die Ecke wie ein religiöser Fanatiker, dessen einziges Ziel die „Zwangsvergottung“ seiner Schäfchen ist.

Dieses Thema setzt Magnus fast gänzlich im musikalischen Alleingang um. Ehrensache, dass ihm dabei zwar auch kurz mal JOHN & Steve HACKETT zur Seite stehen, aber eine große Rolle spielen beide auf diesem nicht. Mehr Eindruck hinterlassen dagegen die vielfältigen Gesangsleistungen seiner Gäste PETE HICKS und ganz besonders TONY PATTERSON. Hier stimmt eigentlich fast alles.

Allerdings gab mir „Doctor Prometheus“ einige Rätsel auf. Mal ganz davon abgesehen, dass der echte Prometheus, also der Halbgott, der die Menschen auf der Erde schuf und für deren Überleben Zeus das Feuer stahl, wofür er schwer büßen musste, indem er am Kaukasus angeschmiedet einem hungrigen Adler ständig seine sich erneuernde Leber als Festmahl feilbieten musste, mit dem Doktor, der heutzutage „neues Leben“ schafft, verglichen wird, machte mich die Musik nachdenklich. Sie erinnerte von ihrer Anfangsmelodie her an ein anderes Werk und lange Zeit kam ich einfach nicht darauf, an welches. Ich wusste zwar genau, dass dies kein kurzer Song, sondern irgendein Konzeptwerk war, aus dem Magnus die Grundidee „geborgt“ hatte, aber trotzdem, ich kam nicht darauf, welches es nun war. Wohl nach dem zehnten Hördurchgang fiel dann endlich der Groschen, ging mir ein Licht auf, machte es klick! Der klonende Prometheus-Doktor beginnt ganz ähnlich wie eine Passage aus RICK WAKEMANs „Journey To The Centre Of The Earth“ – und zwar der Moment, in dem die Seemonster auftauchen und der Gesang einsetzt. Puhhh, daran wäre ich doch fast verzweifelt. Kurze Zeit später wurde mir dann auch klar, warum diese Erkenntnis so schwer zu gewinnen war. Die musikalische Grundstimmung, die von dem klonenden Prometheus-Doktor ausgeht, deutet nämlich ziemlich eindeutig auf das ALAN PARSONS PROJECT hin. Ein Eindruck, der sich während des ersten Hördurchgangs von „Children Of Another God“ noch zum wiederholten Male einstellen wird.

Eine weitere Parallele deutet ebenfalls auf einen gerne unterschätzten Genesismusiker mit kleiner, aber konstanter Fangemeinde hin. Gemeint ist natürlich ANTHONY PHILLIPS, den STEVE HACKETT ablöste. Womit wir eigentlich auch schon am Ende aller Vergleiche wären. Jeder, der in seinem Plattenschrank ein paar Scheiben des Gitarristen (und späteren Multi-Instrumentalisten) stehen hat, der 1970 maßgeblich an Genesis’ „Trespass“ mitwirkte, der wird sicher seine Freude an „Children Of Another God“ haben. Ein Album, das garantiert nicht in den Tiefen des CD-Regals verschwinden wird. Darum herzlich willkommen in der Welt bösartiger Menschen, deren Gesinnung von wundervoller Musik und beeindruckenden Texten an den Pranger gestellt wird.

FAZIT: Alle, die sehnsüchtig auf jede neue Veröffentlichung des produktiven ANTHONY PHILLIPS warten und nicht gleich beim ALAN PARSONS PROJECT abwinken, die sollten sich NICK MAGNUS‘ neustem Album zuwenden. Ihr werdet feststellen, dass „Children Of Another God“ eine wahre Entdeckung ist!

PS: Unbedingt empfehlenswert sind auch die drei Videos, die Magnus auf seiner Homepage zu diesem Album zur Verfügung gestellt hat.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 3862x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • Children Of Another God
  • Doctor Prometheus
  • Twenty Summers
  • Identity Theft
  • The Colony Is King
  • Crimewave Monkeys
  • The Others
  • Babel Tower
  • Howl The Stars Down

Besetzung:

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  • keine Interviews
Kommentare
Jörn
gepostet am: 29.04.2010

Jemand der in einer Kritik zu Musik zur Generaltabrechnung mit der Kirche, ausholt, missbraucht seine Position so, dass ihm jede Glaubwürdigkeit abgeht.
Thoralf [musikreviews.de]
gepostet am: 29.04.2010

Huch, ich dachte, ich hätte versucht, keine Genralabrechnung mit der Kirche in meine Kritik einzubauen, sondern einfach einen ähnlichen Ansatz wie Nick Magnus im Umgang mit Gottheiten darzustellen. Und ich habe es wirklich nicht nötig, eine "Generalabrechnung" mit der Kirche anhand eines Albums vorzunehmen - diese Abrechnung nehmen doch all diejenigen, die nach wie vor im Namen von Gott Taten begehen, die unmenschlich und grausam sind, selber vor!

Jörn, wenn du dir das Album anhörst und die Zeit nimmst, auch die Texte zu lesen, dann wirst du erkennen, dass auch Nick Magnus sehr kritisch mit der "göttlichen Schöpfung" umgeht. Es ist seine künstlerische Freiheit, so wie es meine Kritiker-Freiheit ist, auf widersprüchliche Themen einzugehen. Ein Neal Morse, würde das natürlich ganz anders sehen, da er seine Kunst durchaus auch zu so einer Art Missionierung nutzt.

Das alles geschieht aus Überzeugung - und das ist auch gut so! Also, immer den Kontext betrachten und nicht nur ein paar Zitate herauspicken - meint zumindest der nach wie vor um Glaubwürdigkeit bemühte Kritiker Thoralf Koß
Hoffi
gepostet am: 09.04.2011

User-Wertung:
15 Punkte

Sehr gute Rezension eines hervorragenden, leider der breiten Masse nicht bekannten Albums!
Thoralf Koß [musikreviews.de]
gepostet am: 09.04.2011

Puhhhh, Hoffi, vielen Dank für die Blumen, trotz "meiner Generalabrechnung mit der Kirche", die doch im Grunde gar nicht meine "Abrechnung" war, sondern die eines Nick Magnus, der dieses Thema hervorragend in seinem Album aufgreift.
Musik und Inhalt passen eben hervorragend zusammen - und Magnus' Aussagen kann ich nur bestätigen!
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
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