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Haken: Visions (Review)

Artist:

Haken

Haken: Visions
Album:

Visions

Medium: CD
Stil:

Progressive Metal

Label: Sensory / Alive
Spieldauer: 71:31
Erschienen: 21.10.2011
Website: [Link]

Progressivmetallische Hausmannskost aus dem Hause Sensory: HAKEN dienen sich der Tradition an, punkten aber auf ihrem zweiten Album mit Streicher-Geschmeide und etwas stringenterem Songwriting als auf "Aquarius" - im gegebenen Stilrahmen gleichwohl, denn wir reden eben von Prog und Epik.

Der instrumentale Opener "Premonition" hat demgemäß außer verhaltenem Muskelspiel wenig zu bieten, denn während man zumeist im metallischen Gestus verharrt, locken auch Slap-Bass und mathematisches Geschiebe keinen Kenner mehr hinterm Ofen hervor. Dass die Produktion erste Sahne ist, steht indes gleich fest. "Nocturnal Conspiracy" begeistert dann überraschenderweise regelrecht dank Ross Jennings' emotionaler Stimme. Einstweilen schieben die Gitarren zwar zu mechanisch, doch hinter seinen Vocals fällt dies nicht einmal allzu sehr auf. Der verheißungsvoll bedrohlichen ersten Hälfte steht wiederum Formatkino hintan: Keyboard-Gitarren-Abklatschen und ein Zusammenbruch ins Balladeske mit näselndem Bass und Piano, wobei der Fronter erneut alle Trümpfe ausspielen kann.

Die versöhnliche Note greift das sachte, aber rhythmisch verschlungene "Insomnia" auf. Mit etwas über sechs Minuten ist der Track relativ kompakt und regelrecht eingängig, von seiner Stimmung her auf jeden Fall erhebend, denn selbst die Instrumentalparts wirken gelöst. Das laut-leiselnde "The Mind's Eye" (Prog-Metal-Titel par excellence) empfiehlt sich in seiner Überschaubarkeit mit eingängigem Chorus als Anspieltipp, und wer sich der spielerischen Qualitäten rasch überzeugen möchte, findet im treibend schillernden "Portals" einen entsprechenden Kandidaten. "Shapeshifter" scheint diesen metallischen Zug weiterzuverfolgen, driftete jedoch einstweilen in psychedelische, fast gewohnheitsmäßig prog-rockige Gefilde ab.

"Deathless" hält - ungewöhnlich für eine achtminütige Ballade - anhaltend bei Laune, weil die Band melodisch variiert und mit der Dynamik spielt, um das Herz- und Titelstück gewissermaßen vorwegzunehmen. Hier kommen die Streicher mehr denn jeh zum Tragen, zumindest bis zum Ende der Einleitung, sobald feiste Riffs die Ruhe zerstieben. Beginnt Jennings zu singen, findet er sich vor tänzelndem Hintergrund wieder, wie ihn HAKENs ungleich sanfter agierenderen Neo-Prog-Nachbarn im eigenen Land nicht besser zurechtzimmern könnten. Diego Tejeida spielt hier vermutlich alle Karten aus (der Mann hat eine Menge Jordan Rudess gehört), Tom Maclean jazzt einstweilen, und Raymond Hearne klopft vereinzelt lateinamerikanisch. Die GENTLE-GIANT-würdigen Gesangsarrangements am Ende hat nicht jeder Wald-und-Wiesen-Progger drauf; sie empfehlen HAKEN definitiv für die Prog-Metal-Upper-Class.

FAZIT: "Visions" mag eine Genrescheibe sein und nichts weniger, rangiert jedoch eingedenk seiner Erzeuger in der oberen Liga. Wer auf Progressive Metal (and nothing but) steht, kommt dieses Jahr nicht hieran vorbei - Mehrwert inklusive, denn die Hooks insbesondere im Gesangsbereich sind nicht zu verachten, gerade in einem für Faserigkeit bekannten Stil.

Andreas Schiffmann (Info) (Review 5369x gelesen, veröffentlicht am )

Unser Wertungssystem:
  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • Premonition
  • Nocturnal Conspiracy
  • Insomnia
  • The Mind's Eye
  • Portals
  • Shapeshifter
  • Deathless
  • Visions

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
Kommentare
Werner
gepostet am: 27.10.2011

User-Wertung:
10 Punkte

Wer das Debüt daheim hat kann auch hier bedenkenlos zugreifen-der Rest anchecken.
Simon Voggeneder
gepostet am: 30.01.2012

User-Wertung:
13 Punkte

Nach zahlreichen Durchläufen kristallisiert es sich immer deutlicher heraus, dass HAKEN vom Debüt zum 'sophomore effort' einen Qualitätssprung vollbracht haben. "Aquarius" verliert immer weiter an Klasse, während "Visions" diese gewinnt.

Nachdem sich auch das sperrige Titelstück in Überlänge langsam für mich entwindet, stellt sich für mich die entscheidende Frage: 12 oder 13 Punkte? Großartiges Handwerk oder Meisterwerk mit Makeln?

Ich tendiere dazu, 13 Punkte zu vergeben. "Visions" wird seinen Platz als moderner Klassiker der progressiven Metallmusik finden, davon bin ich überzeugt. Gemeinsam mit den norwegischen LEPROUS beweisen HAKEN 2011, dass zuletzt zunehmend für tot geglaubte Genre doch noch vital wirken kann.

HAKEN bekommen hier die Punkte, die man LEPROUS abziehen könnte: Sie überzeugen mit einem extrem dichten und in sich geschlossenen Werk. Gänsehaut garantiert, wenn im Verlauf von über 70 Minuten immer wieder die Themen vorangegangener Stücke aufgegriffen werden.

[...]
Simon Voggeneder
gepostet am: 30.01.2012

User-Wertung:
13 Punkte

[...]

Makellos geht die Leistung aber auch nicht über die Bühne. Während die Instrumentalleistung sehr stark ist, merkt man, dass Vokalist Ross Jennings spürbar an der Grenze seiner Stimme angelangt ist. Ihm liegen die leisen, warmen Stellen deutlich besser als jene, in denen er sich lautstark Emotionen abringt. Man vergleiche hier die starke Ballade "Deathless" mit dem Refrain von "Nocturnal Conspiracy". Ich bin skeptisch, ob sich Ross noch steigern kann und stellt damit einen musikalischen Flaschenhals auf hohem Niveau dar. Auch den Vorwurf des 'Herumnudelns' kann man HAKEN auf "Visions" nicht absprechen. 13 respektive 24 Minuten sind einfach zu lange, um sich nicht hie und da in einem nicht songdienlischen Instrumentalstück zu verlieren. Stellenweise hätte es dem Album gut getan, es dezent zu kürzen und musikalisch mehr und schneller auf den Punkt zu kommen.

Das ändert jedoch nichts daran, dass HAKEN ihr Talent dafür unter Beweis stellen, musikalische Konzeptwerke überzeugend umsetzen zu können. Dafür Hut ab und die angekündigten 13 Punkte.
Thomas
gepostet am: 08.03.2012

User-Wertung:
12 Punkte

Bedenkenlos kann ich mich in der Qual 12 oder 13 meinem Vorredner anschließen
Letztlich dann doch 12, da für mich der Titel "Deathless" ein Durchhänger ist;
der Titelsong "Visions" ist für mich der Hammer, da stimmt alles.
Besonders begeistert bin ich von der Gesangsleistung auf der kompletten Scheibe;
reicht von der stimmlichen Qualität zwar nicht an Peter Hammill oder Gentle Giant ran,
unter dem Gesichtspunkt "Abwechselung" und "Komplexität" geht's aber in dise Richtung.
Der Gesang belegt für mich wieder einmal, dass Progrock auch ohne Rockinstrumentierung
funktionieren kann (siehe auch Peter Hammill).
Andreas Schiffmann
gepostet am: 08.03.2012

Mit Van Der Graaf und Gentle Giant hat die Kiste ziemlich wenig zu tun ... und zur Abwechslung wollt ihr mal "Abwechselung"? :)
Nils [musikreviews.de]
gepostet am: 08.03.2012

Andreas wieder schön subtil! :o)
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
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