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Memento Waltz: Antithesis of Time (Review)

Artist:

Memento Waltz

Memento Waltz: Antithesis of Time
Album:

Antithesis of Time

Medium: CD
Stil:

Progressive Metal

Label: Eigenvertrieb
Spieldauer: 30:53
Erschienen: 24.06.2011
Website: [Link]

Der Titel "Through the Spiral Rise" winkt mit dem Zaunpfahl: Die Italiener MEMENTO WALTZ (wo wir gerade bei Zaunpfählen sind …) haben die Philosophie norwegischer Winzer verstanden: Guter Wein braucht seine Zeit, und war man seit der Gründung 1994 zwar nicht untätig, so ist "Antithesis of Time" nichtsdestoweniger das erste größere Lebenszeichen der Gruppe. Größer? Riesig.

Wie gesagt: Der Opener schlägt von Sekunde eins an Haken, dass dem Hörer seine namengebende Eigenschaft verloren geht. Dafür sieht er einen Insektenschwarm von Norden her aufziehen; nach Landsleuten klingen MEMENTO WALTZ wahrlich nicht, denn statt Rondo tanzen sie den Walzer der Gerechten und immerzu ungerecht Behandelten, verdammt zum Untergrunddasein: Halsbrecherische Unisono-Passagen, rhythmische Verschiebungen (niemals am Rande der Auflösung) sowie allerlei andere unlautere Mittel, die anderswo stets unbeholfen als "jazzig" bezeichnet werden. Das zu behaupten wäre jedoch im Falle dieser Band ziemlicher Stuss; mehr als das Gros vieler Tech-Metaller bleibt sie allzu stilfremden Elementen fern und unterstreicht dabei, was wir ohnehin alle wussten: Metal (!) ist und bleibt eine der kreativsten, musikalisch wie emotional variantenreichsten Spielarten, die auch zwischen den Trendextremen Retro-Krampf und Auschneide-Einfüge-Kampf unantastbar zeitlos bleibt .

Bei "Cosmic Illusion" hört man DREAM THEATER zu "Awake"-Zeiten heraus. Piu erinnert hier an Alan Tecchio zu düsteren HADES-Zeiten und veredelt den Anspieltipp mit ganz, ganz starken, beißkräftigen Melodien. Zwischendurch lässt Basser Deiana noch alle Zügel schießen, ehe die Band zum großen Finale zurückfährt und den Achtminüter heavier denn je weiterführt, schließlich verträumt wie gewisse andere metallische Walzerkönige ausklingen lässt. Dramatisch, schlüssig wie abgepfiffen und gut.

"Cyclonic Vision": Verflucht, an welchen Sänger erinnert Piu hier? William Wren bei MYSTIC FORCE? Egal. Der dritte Track des relativen Kurzspielers (der Ideenfundus reicht für mindestens drei Totschläger-Alben) gehört zu den atmosphärischsten und verbleibt stimmungsmäßig besonders düster. Das Gitarrensolo am Ende ist gleichzeitig Fingerbrecher und Tränentreiber, während das Tempo bis zum Finale doomig bleibt, dann aber eingedenk bassiger Sauereien anzieht. Hinterher leitet das kurze Alien-Instrumental gleichfalls dräuend und mit Funkgeräte-Samples nicht nur zu den kleinen grünen Männchen über, sondern auch zu Titeltrack.

"Antithesis of Time" würde man anderswo Hook-Wunder nennen, natürlich im entsprechenden stilistischen Rahmen, denn mit der Brechstange verdingen sich MEMENTO WALTZ nicht - Stichwort Selbstkasteiung zum Untergrund. Die Rhythmusgruppe lässt dem Frontmann keine andere Wahl, als sich vorm Mikro zu schlängeln, als habe er gerade einen Hektar Pilze vom Waldboden schnabuliert. Livio Poier hat auf seinem Instrument eine ähnliche Ausdrucksweise kultiviert wie Jeff Loomis oder Kai Gornitzka, sein Kumpel an den dicken Därmen war anscheinend bei Lars Norberg und Doug Keyser in der Lehre. Mit all diesen Assoziationen im Hinterkopf kommt man dennoch nicht umhin, MEMENTO WALTZ eine sehr markante eigene Handschrift zu attestieren, vor allem aber - was im oft despektierlich als Gefrickel abgekanzelten Metier eher selten zutrifft - ein Talent für mitreißendes, niemals dem Selbstzweck geschuldetes Songwriting.

Das tollste bei dieser ganzen Chose: Die Band schlägt auch live ordentlich die Zähne aus. Eine ganz heiße Kartoffel, verflucht zum Fallenlassen in den Händen der Mehrheit, die Stahl sagt und kalten Kunststoff meint. Lasst es nicht zu.

FAZIT: Technisch am Limit, emotional jederzeit greifbar und liedschreiberisch ganz stark katapultieren sich MEMENTO WALTZ an die Frontlinie, wo nur ganz unentwegte den Kampf gegen den schlechten Geschmack weiterführen, obwohl zum Schluss leider stets der grobe Knüppel zu siegen scheint. Wer WATCHTOWER, SPIRAL ARCHITECT und das beste aus den progressiven Neunzigern liebt, dem kommen hier die Tränen. Jetzt noch ein anständiges Label, Neil Kernon an die Regler, und ab auf den Olymp!

Andreas Schiffmann (Info) (Review 3112x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • Through the Spiral Rise
  • Cosmic Illusion
  • Cyclonic Vision
  • Albert the Visitor
  • Antithesis of Time

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
Kommentare
hendrik [musikreviews.de]
gepostet am: 03.08.2011

Jaa, instrumental ganz schön geil. Die Gesangslinien gehen spontan nicht so ins Hirn, aber das kann sich ja auch als Vorteil herausstellen. Schwerer wiegt für meinen Geschmack, dass der Sänger leider arg dünn und etwas zu hoch und jaulig ist.
Andreas
gepostet am: 03.08.2011

Ist er gar nicht. Der hat verdammten Druck auf der Pipeline und bringt gerade Live das Salz hinein, wo die anderen Griffbrettgucker sind.
hendrik [musikreviews.de]
gepostet am: 04.08.2011

Ok, das war auch etwas falsch formuliert. Vielleicht insgesamt nicht zu hoch, aber irgendwas stört mich. Zuviel Vibrato? Die leichte Kreischneigung? Zuviel LaBrie? Aber instrumental so interessant , dass ich mir das Teil einfach mal besorge.
Andreas
gepostet am: 04.08.2011

Tu dies :-)
Karl-Heinz
gepostet am: 05.08.2011

Und wo besorgt man sich das Teil?
Andreas
gepostet am: 05.08.2011

Bei der Band.
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