Musikreviews.de bei Facebook Musikreviews.de bei Twitter

Partner

Statistiken

Ton: Diskussionen mit dem Eisberg (Review)

Artist:

Ton

Ton: Diskussionen mit dem Eisberg
Album:

Diskussionen mit dem Eisberg

Medium: CD
Stil:

Deutschrock der Hamburger Schule

Label: Tonträger / AL!VE
Spieldauer: 49:32
Erschienen: 04.02.2011
Website: [Link]

Was ist das nur für ein seltsamer Bandname!?
Sind den vier deutschen Jungs etwa die STEINE und SCHERBEN ausgegangen, ähnlich wie vor geraumer Zeit EARTH und FIRE der WIND abhanden kam, mit dem sich auch ein YOUNG von CROSBY, STILLS & NASH davontragen ließ?
Welcher TON ist eigentlich gemeint: der (Be)TON, aus dem bereits Prometheus im Goethegedicht die Menschlein nach seinem Bilde formte oder der akustisch-TONale Klang, der zum einen unser Ohr zu verzaubern vermag, zum anderen es auch mächtig nerven kann?
Fragen über Fragen, die wir hier unbedingt „mit dem Eisberg“ ausdiskutieren müssen!

Mit RIO REISER oder besagten SCHERBEN hat die Musik erst einmal überhaupt nichts zu tun. Nichts mit radikaler, politisch aggressiver Kommunen-Mucke, die noch heute Kultstatus besitzt. Nicht die Berlin Hausbesetzer-Szene ist Mittelpunkt, sondern die HAMBURGER SCHULE. Aus der kommen die STERNE oder TOCOTRONIC oder BLUMFELD und mit „Diskussionen mit dem Eisberg“ nunmehr auch TON. Jeder hat in dieser Schule ein Klassenzimmer für sich und kämpft um beste Noten. Und eigentlich gelingt es auch allen irgendwie in der deutschen Musikszene.

Stopp! Da fällt einem doch gleich ein weiteres Merkmal auf: TOcotroNic, das passt, nicht nur als Wortspiel, sondern auch als musikalischer Vergleich. Glücklicherweise sind die deutschen Texte nicht so verkopft wie bei besagten Tocotronicern. TON gehen’s da schon deutlich lockerer an, ohne in irgendwelche Banalitäten zu verfallen oder mit einem aufgesetzten Intellektualismus am Ende nur ratloses Schulterzucken zu ernten. Ein echter Vorteil und Punktgewinn für TON.
Ein paar schöne Beispiele gefällig?
„Ich nehme mir mein Leben / Und behalt es nur für mich.“ (Und dann kamst du)
„Mit jedem Satz von dir wird die Welt ein Wunder ärmer … Die kleinen Illusionen und die wunderbare Sicht nimmst du mir nicht!“ (Mein Fundament)
„Sieht super aus / Fühlt sich scheiße an … Fühlt sich super an / Sieht scheiße aus.“ (Der Typ in der U-Bahn)
„Was, wenn das Licht am Ende des Tunnels nicht das Ende ist / Bloß der entgegenkommende Zug.“ (Wer rettet heute Nacht die Welt)
„Hast du’s dir gemütlich gemacht / In den Gedärmen der Stadt?“ (Mag auch dein Leben angekommen sein)

Die Texte von TOBIAS RÖGER, der zugleich auch die Kompositionen, Keyboards, Gitarre, den Gesang und die Produktion übernimmt, haben was zu sagen, auch wenn sie phonetisch manchmal ein wenig holprig sind. Rögers größte Schwäche liegt allerdings in seinen Fähigkeiten als Produzent. Der Sound ist unter modernen Bedingungen nicht ganz klar, etwas dumpf und die Kanaltrennung könnte deutlich besser sein. Vielleicht hätte mein erster Hördurchgang nicht unter Kopfhörern beginnen sollen, denn genau hier fällt diese Schwäche am permanentesten auf.

Gegen diese Schwäche steht aber das Gefühl für Melodien, die selten nur melancholisch oder gar ausschließlich poppig sind, dafür aber durchaus mal was Hymnisches oder Bleibendes, auf gut Neudeutsch eine Hookline, haben. TONs Musik untermalt überzeugend die Texte und da diese nicht banal sind, ist es die Musik auch nicht.

Sehr ähnlich verhält es sich mit einer ebenfalls deutschen Band, deren Namen ich bisher bewusst noch nicht erwähnt habe, die aber manchmal wie der große Bruder von TON klingt: KETTCAR! – samt einem gehörigen Schuss TOMTE! Genau hier wirft das Schiff auf dem Cover seinen Anker aus. Gitarren treffen auf deutschen Indie-Pop, der es sich auch in anspruchsvolleren Radiostationen durchaus gemütlich machen und den einen oder anderen Aha-Effekt zur Folge haben könnte. Meine Empfehlung: „Der Typ in der U-Bahn“ oder die zarte Ballade „November Dezember“, die fernab jeglichen Kitschs, dafür aber mit einer gehörigen Portion erhobener Feuerzeuge, daherkommt. TON, die vier jungen Männer sehen nicht nur im Booklet sympathisch aus, sie machen auch (im positiven Sinne) sympathische Musik.

FAZIT: Musik, die mit zartem, aber auch härterem Gitarren-Pop im Stil der Hamburger Schule die Ohren der Zuhörer umschmeichelt. Endlich mal wieder ein TON, der nicht zum rechten Ohr rein und zum linken wieder raus geht!

PS für alle, die auf solche Musik stehen, geht zu einem ihrer Konzerte (2.3. im „Colos-Saal“ Aschaffenburg / 18.3. im „Underground“ Köln / 2.4. im „Club Schiller“ Albstadt / 7.4. im „MS Treue“ in Bremen / 8.4. im „Beatlemania“ Hamburg & 9.4. im „Crystal Club“ Berlin)!

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 5247x gelesen, veröffentlicht am )

Unser Wertungssystem:
  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
[Schliessen]
Wertung: 11 von 15 Punkten [?]
11 Punkte
Kommentar schreiben
Tracklist:
  • Ich sing immer nur deinen Namen
  • Und dann kommst du
  • Mein Fundament
  • Keine Zukunft ohne deine Gegenwart
  • Bruchstücke
  • Der Typ in der U-Bahn
  • Das Problem
  • Wie sehr es dich nicht mehr berührt
  • November Dezember
  • Wer rettet heute Nacht die Welt
  • In Momenten wie jetzt
  • Mag auch dein Leben angekommen sein

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
Kommentare
Lukas Hilbert
gepostet am: 26.01.2011

Ich hab' mein Handy in der Hamburger Schule verlorn.
Ich hab' gelästert und jetzt spüre ich euern Zorn.
Jetzt kommt alles auf mich zurück,
Ich hab' wirklich nicht euer Glück,
Und ich hab' auch nicht die schlauste Tasche benutzt.
Ich geb' es zu, ich bin wirklich nicht so schlau geboren,
Ich hab' mein Handy in der Hamburger Schule verloren. (ROH)
Thoralf Koß (musikreviews.de)
gepostet am: 26.01.2011

Vielen Dank Lukas,
genau diese Texte habe ich in meiner Rezi als "verkopft" bezeichnet. Zum Glück ist das ja bei TON nicht der Fall!
Aber deine ROHe Aufklärung war wohl an dieser Stelle bitter nötig, ansonsten empfinde ich diesen Kommentar nämlich auch ziemlich "verkopft"!
Chris [Musikreviews.de]
gepostet am: 26.01.2011

Ähhh... den Namen Lukas Hilbert kenn ich irgendwie aus dem TV, falls es DER ist. Gabs da nicht mal vor ein paar Jahren ein seltsames Weihnachtslied von dem? Generell... irgendwie... hm... viel ProSieben war da im Spiel, kann das sein?

*kopfkratz*
Dr. o [musikreviews.de]
gepostet am: 27.01.2011

Wenn mich nicht alles täuscht, war Lukas Hilbert Sänger und Bassist von ROH, die drei großartige Punkrock/Pop-CDs gemacht haben, die ordentlich vom Wortwitz seiner Texte profitiert haben. Der Text oben stammt aus einem ROH-Song, der "Ich hab mein Handy..." heißt, wenn ich mich recht erinnere. Später war Hilbert in irgendeiner Casting-Show als Juror und hat Texte u.a. für DIE FANTASTISCHEN 4 geschrieben, war aber nie wieder so cool wie bei ROH...
Cheers
Ollie
Chris [musikreviews.de]
gepostet am: 28.01.2011

Ja eben, ich erinnere mich da an wirklich SEHR seltsame Auftritte, aus der "coolen" Ära kenne ich da nix. Aaaaah, ja, und einen sehr ulkigen Hund hatte er bspw. auch öfter mal dabei.
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
Benachrichtige mich per Mail bei weiteren Kommentaren zu diesem Album.
Deine Mailadresse
(optional)

Hinweis: Diese Adresse wird nur für Benachrichtigungen bei neuen Kommentaren zu diesem Album benutzt. Sie wird nicht an Dritte weitergegeben und nicht veröffentlicht. Dieser Service ist jederzeit abbestellbar.

Captcha-Frage Was kommt aus dem Wasserhahn?

Grob persönlich beleidigende Kommentare werden gelöscht!