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Amplifier: Echo Street (Review)

Artist:

Amplifier

Amplifier: Echo Street
Album:

Echo Street

Medium: CD
Stil:

Progressive Rock

Label: KScope / Edel
Spieldauer: 60:49
Erschienen: 15.03.2013
Website: [Link]

Sel Balamir ist nach wie vor einer der wenigen Frontleute, die mit schlichten Worten vermögen, Zuversicht in jeder Lebenslage zu spenden. Dies macht die Musik von AMPLIFIER ungeachtet ihrer Ausrichtung im Detail gehaltvoll, auch wenn sich wenigstens dieser Rezensent wieder einen Kracher wie das Debüt von Briten wünscht ... das sie natürlich nicht rekapitulieren können und wollen. Vermutlich ist dies auch gut so, aber müssen die einstigen Lärmschläger so behäbig und mit sich selbst im Reinen klingen, um ihren unentwegten Fortschrittsdrang zu rechtfertigen?

"Matmos" ist trotz leichter überlänge aufgrund seiner subtilen Keyboard-Flächen und eingängigen Gesangsmelodie (der einzigen von solcher Güte) der ideale Opener ihrer aktuellen Scheibe, auch wenn ihm letztlich das zündende Hook abgeht. In dieser Hinsicht steht es stellvertretend für "Echo Street" als Ganzes. Ein richtiges Song-Album hat die Gruppe noch nie geschrieben, und dieses zeichnet sich zuvorderst durch seinen schwebenden Charakter beziehungsweise die damit einhergehende Wirkung auf den Hörer aus (der zwangsweise zum Kopfhörer greift und sich am Sound weidet). Das mystisch verspielte "The Wheel" lebt demgemäß nicht vom sporadischen Gesang, sondern den mäandernden Strukturen, und ist somit akustisches Quecksilber in Zeitlupen-Form.

Die 13 Minuten von "Extra Vehicular" beruhen gleichsam auf Entschleunigung und stehen PINK FLOYD nach der einstweiligen Annexion durch Roger Waters und dessen Vision näher, als es AMPLIFIER je taten. Auch hier drängt sich trotz des stimmig auf ein erbauendes Ende hin komponierten Rumpfes die Frage auf: Wo ist der Knackpunkt, der den Track abgesehen von artig deklinierten Postrock-Schemata als unverkennbares Werk in den Kontext zeitgenössischer Rockmusik und darüber hinaus einbrennt? Nun gut, man sollte nicht immer Anspruch auf die Ewigkeit setzen - und dennoch ...

"Echo Street lebt ein gutes Stück weit von der Produktion, die erst ab dem Ende des Longtracks vorübergehend an Gewicht verliert, denn hier wie im folgenden "Where The River Goes" sowie bei "Mary Rose" (faktisch einem Outro mit deutlichen Längen) tun sie sich wieder auf, die schlingernd konstruierten Riffwände, die AMPLIFIER von Beginn an einzigartig machten, bloß sind sie nunmehr mit harmonischem Schmelz und ein wenig Altersweisheit getüncht ("Paris In The Spring" spricht in dieser Hinsicht mit seiner Bowie-esken Liedermacher-Anmutung Bände), was die Gruppe - jawohl - beliebiger erscheinen lässt. Wenn sie sich mit "Between Today And Yesterday" inklusive Sixties-Harmoniegesang auf Folk-Parkett zwischen den Stühlen wähnt, irrt sie, denn gerade wegen der wenigen Reibungsflächen ihrer neuen Stücke entspricht sie so brav dem Konsens des gegenwärtigen Prog wie nie zuvor: Befindlichkeitsmusik, Stimmungsmache statt Dringlichkeit und dabei im Übrigen das gleiche Problem wie beispielsweise bei LONG DISTANCE CALLING: Es rockt einfach nicht. Die vier Stücke der mit der Sonderauflage der CD ausgelieferten EP "Sunriders" wirken gedrungener und im Grunde genommen sogar zwingender als das eigentliche Album.

FAZIT: Quo vadis, AMPLIFIER? Nachdem der Szene-Mainstream die Engländer mit dem überbewerteten "Octopus" in die Arme geschlossen hat, sucht die Combo ihr Heil in vermeintlich überschaubareren Bahnen und entschuldigt mit diesen Ambitionen weithin eigentlich nur die Tatsache, dass es "Echo Street" entschieden an Pep und guten Songs mangelt.

Andreas Schiffmann (Info) (Review 4626x gelesen, veröffentlicht am )

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  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
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Wertung: 8 von 15 Punkten [?]
8 Punkte
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Tracklist:
  • Matmos
  • The Wheel
  • Extra Vehicular
  • Where The River Goes
  • Paris In The Spring
  • Between Today And Yesterday
  • Echo Street
  • Mary Rose

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
Kommentare
Mathias
gepostet am: 02.04.2013

User-Wertung:
10 Punkte

Sehr gut geschrieben! Ich finde auch daß die Band einen tollen Sound hat, aber leider zu wenig gute Songs schreibt.
Thomas
gepostet am: 17.04.2013

User-Wertung:
9 Punkte

Lieber Herr Schiffmann, schade, schade....
aber ich muss Dir in Deiner Grundeinschätzung zustimmen.
Die CD ist nicht schlecht, sondern eher belanglos
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
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