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Big Big Train: English Electric Part Two (Review)

Artist:

Big Big Train

Big Big Train: English Electric Part Two
Album:

English Electric Part Two

Medium: CD
Stil:

Progressive Rock

Label: Giant Electric Pea / English Electric
Spieldauer: 57:40
Erschienen: 28.06.2013
Website: [Link]

Sie haben es wieder getan: Von einem halben Orchester unterstützt setzen BIG BIG TRAIN ihr "English Electric"-Konzept fort und nehmen sich dabei auf der ganz großen Prog-Rock-Bühne wenig im Vergleich zum ersten Teil.

Und ja, wiederum wecken die Briten zuallererst Assoziationen zu GENESIS, sowohl des Überbaus wegen als auch aufgrund von Longdons Stimme. Davon abgesehen gelingt es dem Ensemble jedoch, seinen symphonischen Sound so kompakt zu inszenieren, dass man sich als Höhrer zu keiner Sekunde überfrachtet fühlt. Vielleicht liegt dies auch daran, dass BIG BIGH TRAIN den Longtrack mit allen Stilschikanen - Mellotron, Chor und motivischer Durchführung eines Hauptthemas im klassischen Sinn) - gleich zu Beginn vorsetzen. Mit "Swan Hunter" folgt ein elegischer Leisetreter, den der aktuelle Drummer aus den Sessions zum Album "V" mitgebracht haben könnte - auch und gerade wegen der Bläser. Das Stück fungiert auch mit leichter Überlänge als Nahtstelle zum ähnlich verhalten beginnenden folgenden, doch "Worked Out" - überragend intensive Gesangsleistung - schaukelt sich mit Call-and-Response-Arrangement zu einer aufbegehrenden Arbeiterkampf-Hymne hoch.

Hinterher führt das inhaltlich kryptische "Leopards" zu einem frühsonntäglichen Cocktail-Frühstück Bessergestellter in einem Park, komplett mit Kontrabass und Kammer-Streichern - eine charmante Alternative zum üblichen Schlenker britischer Bands in ihre folkloristische Tradition, wenn ihnen sonst nichts mehr einfällt. Einmal mehr verleiht Longdon dem etwas zu sachten Ambiente Kanten ... was er im folgenden "Keeper of Abbeys" nicht muss, dem quirligsten Track der Platte. Zwischendurch lassen es BIG BIG TRAIN getragen angehen - passenderweise zum Text über den offenbar tragischen Helden des Stücks.

Von den beiden abschließenden Neunminütern erweist sich "The Permanent Way" als Hommage an den einfachen Menschen, der das eigentliche Rückgrat der Gesellschaft bildet, musikalisch zunächst verhalten umgesetzt, dann aber erfrischend flott und rockig mit Hammond-Orgel. Das pittoreske Finale "Curator of Butterflies" lässt hingegen an ein possierliches Adelsmädchen im goldenen Käfig denken, und entsprechend fragil gehen BIG BIG TRAIN bei der Vertonung der Lyrics vor - eine Tendenz, die man "Part Two" insgesamt bei der Gegenüberstellung mit dem Vorgänger ankreiden beziehungsweise lobend hervorheben kann: Die Gruppe klingt einerseits häufig ruhiger (man mag sagen in sich geschlossener), doch dies verleiht den lauteren Ausschlägen andererseits umso mehr Wucht.

Besetzungswechsel haben der Combo noch nie geschadet, und so gestaltet es sich auch aktuell. Ex-Bart Nick D'Virgilio brilliert ohnehin schon länger hinterm Schlagzeug und beweist damit, wo sein angestammter Platz ist - auch wenn er ein solider Sänger war beziehungsweise ist. Gleichzeitig haftet BIG BIG TRAIN all dessen ungeachtet nie der Ruch eines halbherzigen Projekts oder einer gewollten Allstar-Geschichte an. Vielmehr sind sie Rädelsführer der neuen alten Neo-Prog-Bewegung (ächz ...) und müssen sich mit "English Electric Part Two" gleich neben der jüngsten Scheibe von THE TANGENT einordnen lassen.

FAZIT: Mit "English Electric Part Two" stagnieren BIG BIG TRAIN für die einen auf hohem Niveau, während sich der Nicht-Analyst schlicht an fantastisch ins Schlaglicht gerücktem Progressive Rock erfreut, der wirklich als solcher zu bezeichnen ist - auch wenn er häufig leichtfüßig auftritt.

Andreas Schiffmann (Info) (Review 2613x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • East Coast Racer
  • Swan Hunter
  • Worked Out
  • Leopards
  • Keeper of Abbeys
  • The Permanent Way
  • Curator of Butterflies

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
Kommentare
Thomas
gepostet am: 27.06.2013

User-Wertung:
10 Punkte

Andreas, da hast Du treffend auf den Punkt gebracht: Stagnation auf hohem Niveau; Part 1 finde ich klasse, part 2 hat Laengen, es fehlt das Ueberraschungselement
Jochen [musikreviews.de]
gepostet am: 27.06.2013

User-Wertung:
12 Punkte

Ich bin ganz bei Andreas und ein bisschen weiter weg von Thomas: Mir hat Part II besser gefallen, gerade wegen seiner (ungeahnten?) Leichtfüßigkeit, die sich von den vertrackten Genesis-Referenzen weg bewegt - Entwicklung, juchhu!
Andreas Schiffmann
gepostet am: 27.06.2013

Entwicklung mögen Prog-Fans nun einmal nicht. Anders ist fremd, Hilfe!
Mike Ehrhardt
gepostet am: 26.07.2013

User-Wertung:
13 Punkte

Also: Allgemein finde die Musik von Big Big Train eigentlich nicht so überragend gut.
Ich habe mir vor zwei Jahren mal das Album GATHERING SPEED angehört und außerdem die zwei Long Tracks (Victorian Brickwork und Underfall Yard) vom hochgelobten Album UNDERFALL YARD. Danach habe ich die Band ad acta gelegt.
Ich empfand die Mucke von Big Big Train nicht unbedingt schlecht, aber diese Genesisgeschwängerten Kompositionen haben mich doch eher leicht gelangweilt.
Vor kurzen habe ich mich mal wieder getraut in ein Big Big Train Album reinzuhören: ENGLISH ELECTRIC PART TWO wurde nämlich auf progstreaming.com vorgestellt.
Mit der Devise – schnell reinhören und genauso schnell wieder abhaken – ist es bei diesem Album aber nicht getan.
Schon der erste Track „East Coast Racer“ ist für mich ein Highlight. Warum ?
Weil hier von Anfang an eine gewisse Spannung aufgebaut wird. Ich will sofort richtig zuhören und nicht nebenbei hinhören. Auf diesem Niveau (mit wirklich geilen Bläsern) geht es mit „Swan Hunter“ sogar weiter. Richtig! Ein Leisetreter Song. Aber ein sauguter Leisetreter Song! Es folgen weitere sehr gute Songs. Die akustischen Instrumente werden überall sehr gut eingesetzt. Einzig der letzte Track „Curator Of Butterflies“ ist mir etwas zu melodramatisch. Für manche mag die Scheibe zu eingängig zu sein. Mir ist das vollkommen schnuppe. Ich will einfach nur gute Musik hören.
Übrigens: Ich kannte ENGLISH ELECTRIC PART ONE zu diesem Zeitpunkt noch nicht und habe das – wegen meiner Begeisterung für Part Two – inzwischen nachgeholt. Meiner Meinung nach ist ENGLISH ELECTRIC PART TWO das deutlich stärkere Album.
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