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Riverside: Shrine Of New Generation Slaves (Review)

Artist:

Riverside

Riverside: Shrine Of New Generation Slaves
Album:

Shrine Of New Generation Slaves

Medium: CD
Stil:

Progressive Rock

Label: Inside Out / EMI
Spieldauer: 50:59
Erschienen: 18.01.2013
Website: [Link]

Die polnische Prog-Spitze spricht quasi von einem Neuanfang, wenn sie dieses Album auf die Hörerschaft loslässt, und verspricht damit nicht zu wenig. „Shrine Of New Generation Slaves“ emanzipiert die Gruppe nicht endgültig von ihren Vorbildern, schert in der Musikgeschichte jedoch weiter nach hinten aus und lässt das für RIVERSIDE stets unsägliche Gejammer außen vor.

Das eröffnende „New Generation Slave“ mutet wie ein neuzeitlicher Field-Holler an, weil Duda mit beschwörender Stimme einzelne Zeilen intoniert, welche die gesamte Band wiederholt mit verschlungenen Riffs beantwortet, ehe das Stück zum synkopierten Antreiber mit flirrenden – der Vergleich drängt sich auf – OPETH- oder PORCUPINE-TREE-Leads und quirliger Hammondorgel wird. Die Produktion klingt erdig warm und transparenter denn je, was „The Depth Of Self-Delusion“ sehr gut tut. Statt eintönig zu schluchzen wie einst allzu oft, hat der Frontmann hier wie anderswo auf dem Album einige sehr gute, ergreifende Gesangslinien ersonnen und muss sich nicht mehr hinter seinem eigenen Seelenadel verstecken. PINK FLOYD klingen in der federleichten Bridge des zweiten Tracks an, doch ansonsten sind RIVERSIDE hier vor allem sie selbst.

„Celebrity Touch“ beruht auf einem wuchtigen Unisono-Riff, zu dem der auffallend dringliche Gesang sehr gut passt. In dieser Gewandung klingt die Gruppe verspielt wie die jüngeren DARK SUNS, bloß bissiger und absolut nicht nach Retro-Chic, zumal das Ende unverhofft ruhig ausfällt. Das Morsecode-Riff von „Feel Like Falling“ läutet einen überraschend beschwingten Track mit entrückt hoher Stimme ein, dessen Grundstruktur eine doppelte Durchführung erfährt, bei der RIVERSIDE zugleich immer härter werden – interessantes Arrangement. „Deprived“ hingegen ist neben der Ballade „We Got Used To Us“ der offensichtlichste Rückblick der Scheibe aufs eigene Schaffen der Band: sachte, in sich gekehrt und weitgehend instrumental, womit sich die Gruppe unter Wert, da wenig originell verkauft.

Der Longtrack „Escalator Shrine“, eingeleitet von hypnotischem Bass, Orgel und Post-igem Flirren, entschädigt als Herzstück der Platte für diese kleine Unzulänglichkeit. Zunächst meint man, einem Solostück von Roger Waters zu lauschen, doch dann steigen RIVERSIDE mit satt geradeaus rockender Rhythmusgruppe in einen Hammond-Parforceritt. Sobald die Band das Tempo wieder drosselt, kehrt Duda mit halb narrativem Gesang zurück in den Vordergrund. Das letzte Drittel der 13 Minuten schwingt sich von einem lichten Beinahe-Nichts zu einem versöhnlichen, majestätisch schreitenden Ende auf, mit dem sich die Polen wieder einmal als Cineasten erweisen. Ihr Sound ist heuer feiner austariert als zuvor, was die erzählerischen beziehungsweise handfest krachenden Passagen betrifft. Prog muss man das gar nicht mehr nennen; es ist unverkrampfte Rockmusik mit langem Atem und einer Vision, die dem Hörer eben nicht penetrant aufgedrückt wird.

Nach dem kurzen Outro „Coda“ erhält der kaufende Fan übrigens eine Bonus-CD mit dem zweiteiligen Track „Night Session“. Sollte man haben, um mitreden zu können.

FAZIT: RIVERSIDE sind eine Konsens-Band der neuen Prog-Szene geworden und verteidigen diesen Status mit „Shrine Of New Generation Slaves“ nachdrücklich. Ein bisschen eingängig, etwas melancholisch, leicht virtuos und immer nachvollziehbar ohne Schrullen, wobei die Einflüsse nach wie vor deutlich zutage treten: alles in allem Merkmale einer leicht überschätzten Band, die schon mit ihrem zweiten Album das meiste gesagt hat.

Andreas Schiffmann (Info) (Review 6554x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 9 von 15 Punkten [?]
9 Punkte
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Tracklist:
  • New Generation Slave
  • The Depth Of Self-Delusion
  • Celebrity Touch
  • We Got Used To Us
  • Feel Like Falling
  • Deprived (Irretrievably Lost Imagination)
  • Escalator Shrine
  • Coda

Besetzung:

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