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Solefald: World Metal - Kosmopolis Sud (Review)

Artist:

Solefald

Solefald: World Metal - Kosmopolis Sud
Album:

World Metal - Kosmopolis Sud

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Prog Metal/World Music

Label: Indie Recordings
Spieldauer: 50:19
Erschienen: 06.02.2015
Website: [Link]

Etwas eigenartig sind sie ja schon, die Norweger. Da erfinden sie sich zusammen mit ihren schwedischen Nachbarn die wohl kompromissloseste Musikszene der Welt, die manche Idioten auch noch als Vehikel für ihre fragwürdigen, politischen Ansichten nutzen und schmeißen 20 Jahre später immer häufiger ihren Glauben in den puren Black Metal über den Haufen. IHSAHN experimentiert mit Saxophonen, Fenriz spielt auf einmal Heavy Metal, ja selbst der extremistische Varg Vikernes sucht sein Glück zwischen Folk, Ambient und Electro. Bei SOLEFALD liegt der Fall etwas anders.

Schon zu Beginn ihrer Karriere 1995 war ihnen bewusst, dass sie trotz ihrer Liebe zum extremen Genre nicht ihr Leben lang stumpf das Black Metal-ABC werden runterspielen wollen. Grob umrissen als "Avantgarde Black Metal" mixten die Norweger schwarzmetallische Kälte mit jeder nur erdenklichen Spielart. 20 Jahre später mündet das alles in Album Nr. 8, das auf den mutigen Namen "World Metal. Kosmopolis Sud" hört und fast nichts mehr mit Black Metal zu tun hat.

Das Genre und ihr Heimatland Norwegen scheinen dem unzertrennlichen Duo Cornelius Jakhelln und Lazare Nedland so langsam zu eng zu werden, sie reisen lieber durch die Welt und in gewisser Weise auch in sich selbst. Wie schon auf der vorangegangenen EP soll dem eigenen grenzlosen Denken auf vielschichtiger Art und Weise Ausdruck zu verleihen, das Genregrenzen konsequent missachtet. Da treffen Flöten und Piano auf harte Metalriffs, tropische Trommeln und niederländische Technobeats (!) und das alles im eröffnenden "World Music With Black Edges". Dass dabei höchstens schockiert, dass es so gut zusammen passt, spricht für die Songschreiber-Qualitäten des Duos.

Es folgt Epik gepaart mit industrieller Kälte und afrikanischen Instrumenten, bei dem man sich den Dubstep hätte sparen können, das schon auf dem letzten MUSE-Album ziemlich uncool war. Beachtenswert ist hingegen, dass SOLEFALD das in englisch, deutsch und französisch gehaltene Textkonzept noch nicht genug zu sein scheint und sie oben drauf immer wieder norwegische Songfragmente einbauen, ohne dabei die Einheit des jeweiligen Songs aufs Spiel zu setzen. Wenn man so will das „Inception“ oder „Synecdoche, New York“ der Musikszene, auch wenn es das Topniveau der beiden Filme nicht erreicht.

Zum einen verwundert, dass bei einem so durchdachten Werk schon an dritter Stelle ein teilweise improvisiertes Stück steht, das wohl zur Auflockerung dienen soll, am Ende aber besser aufgehoben gewesen wäre. Gerade die englischen Texte wirken doch etwas platt (v.a. ‚2011, Or A Knight Of The Fail‘) und können dem gut gelungenen Musikteil nicht das Wasser reichen. Die oft zu einfachen Reime und Aussagen können auch von den vielen kulturellen Querverweisen nicht aufgewogen werden, die ihrerseits nicht viel mehr als eine Aufzählung ohne Mehrwert darstellen. Der Mix aus deutschen und englischen Begriffen in ‚Future Universal Histories‘ hat zwar ihren Reiz, ist aber ohne Kenntnis des Booklets nur schwer zu verstehen. Ein wichtiger Teil der Texte bleibt allen Nicht-Norwegern leider ohnehin verborgen.

Ebenfalls irritierend wirkt die Themenwahl: Nach dem weltoffenen Start befassen sich SOLEFALD mit nationalen Thematiken wie dem Attentat von Andres Breivik (‚2001, Or A Knight Of The Fail‘), der Schönheit Oslos (‚Oslo Melancholy‘) oder mit gänzlich anderen Dingen wie der Sonne (‚Le Soleil‘). Ein perfekter Mix für das Label, das trotz seiner Verbundenheit mit Norwegen die heimischen Bands auch auf den internationalen Markt wirft, ein schlüssiges Konzept hätte der Platte aber besser gestanden.

Aber es ist bei Weitem nicht alles schlecht an „World Metal…“. Selbst im von Natur aus experimentierfreudigen Prog Metal-Bereich trauen sich SOLEFALD erstaunlich viel und könnten deswegen entweder mächtig auf die Schnauze fallen oder tatsächlich frischen Wind in die Szene tragen. Die Verbindung der Teilstücke gelingt ihnen fast immer, nur die Stärke des jeweiligen Songs an sich ist nicht immer gegeben. Ausgewogenheit gehört für die Norweger zur Grundausrüstung, was das Album bis auf den Schlussakkord „Oslo Melancholy“ durchgängig spannend und fordernd hält. Cornelius Jakhellns Vocals offenbaren immer wieder Ohrwurmfähigkeiten und bilden einen starken Kontrast zum Sprechgesang/Gekeife seines Partners. Solange der Hörer den Anspruch SOLEFALDS nicht gleich als Größenwahn abstempelt, kann er auf jeden Fall Spaß an der Platte finden und sich selbst ein wenig aus der liebgewonnen Komfortzone locken.

FAZIT: Manchmal sind die ausgelutschtesten Phrasen doch die passendsten. SOLEFALD wollten mit „World Metal…“ die Welt umarmen, hätten mit weniger aber mehr erreichen können. In ambitionierten 50 Minuten verpackt das norwegische Duo unzählige Genres, die eigentlich nicht zusammengehören meist mit solch einer Sicherheit, dass es einen schon schockieren kann. Leider hält das musikalische Niveau aber nicht durchgehend an und gerade lyrisch zeigen sich Schwächen, die den Hörgenuss deutlich einschränken. Es fehlt die Stringenz, die zum Anspruch der Norweger passen würde, doch trotzdem kann das Album Spaß machen, fordern und vielleicht sogar etwas frischen Wind in die Prog-Welt tragen.

Norman R. (Info) (Review 3700x gelesen, veröffentlicht am )

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Tracklist:
  • World Music with Black Edges (Kosmopolis Sud)
  • The Germanic Entity (Kosmopolis Nord)
  • Bububu Bad Beuys
  • Future Universal Histories (Umgangskrigen)
  • Le Soleil
  • 2011, or a Knight of the Fail (Toteninsel)
  • String the Bow of Sorrow (Solefald, 15.09.1995)
  • Oslo Melancholy (Den Norske Sumaren)

Besetzung:

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