Musikreviews.de bei Facebook Musikreviews.de bei Twitter

Partner

Statistiken

Aisles: Hawaii (Review)

Artist:

Aisles

Aisles: Hawaii
Album:

Hawaii

Medium: Download/Do-LP/Do-CD
Stil:

Progressive Rock

Label: Presagio Records / Just For Kicks
Spieldauer: 81:56
Erschienen: 29.07.2016
Website: [Link]

Musik aus Chile?!
Woran dankt man da wohl?
Am ehesten an Victor Jara, den politischen Sänger und Volkshelden, welchen man während des Militärputschs 1973 erst ausgiebig folterte, ihm die Zunge abschnitt, damit er nicht mehr singen könne und ihn dann tötete. Das hat man uns in der DDR immer wieder ausgiebig erzählt, um uns zu zeigen, dass es wichtig ist, für den Kommunismus zu kämpfen.
Und dazu haben wir dann auch noch Inti Illimani gehört.
Sonst fand Musik aus Chile gar nicht statt.
Und progressive Rockmusik aus Chile, das war so, als würde man im Sommer einen Schneemann bauen wollen. Unmöglich eben.
AISLES aus Chile aber hauen mit „Hawaii“ ein progressives Rockalbum auch auf den europäischen Markt, das es in sich hat, gerade weil es sich geschickt zwischen den unterschiedlichsten Spielarten von Neo bis Retro, von Electronic bis Jazz-Rock bewegt und MARILLION genauso huldigt wie YES, KING CRIMSON oder JEAN-MICHEL JARRE.

Dazu gibt‘s auf „Hawaii“ - einem CD- bzw. LP-Doppelalbum – noch eine konzeptionelle, sehr futuristisch anmutende Geschichte, die stark an Aldous Huxleys „Brave New World“ erinnert und irgendwie sogar eine Art Gegenstück zu MARILLIONs gerade erschienenem „F.E.A.R.“ darstellt. Nur während Marillion mit ihren Texten in der Gegenwart ein düsteres Bild zeichnen und AISLES bereits die Zukunft im Blick haben, die ähnlich, wenn nicht noch finsterer erscheint. Die Erde ist jedenfalls anno 2300 nicht mehr bewohnbar, aber im Universum haben sich ein paar (intelligente, aber auch korrupte) Homo Sapiens durch ein geheimes Projekt in Raumstationen zwischen dem Mars und dem Kupfergürtel (flache Region unseres Sonnensystems außerhalb der Neptun-Bahn) gerettet und richten sich ein neues Leben ein – beginnend mit dem „Year Zero“. In dem 20seitigen, auf dickem Papier gedruckten Booklet kann man dazu die Geschichte und alle Texte nachlesen, während die Gestaltung, typisch prog-affin, im Inneren des dreifaltigen Digipaks stark an ED UNITSKY orientiert ist.

CD 1 startet recht intensiv durch und enthält jede Menge härtere Passagen, bei denen man den Chilenen abnimmt, dass auch KING CRIMSON und das MAHAVISHNU ORCHESTRA zu ihren Vorbildern gehören, wobei doch immer wieder ihre absolute Vorliebe für MARILLION dominiert. Schon nach kürzester Zeit folgt man auch gespannt der Geschichte, die wirklich ordentlich Spannung aufbaut und durch die Musik eindrucksvoll umrahmt wird. AISLES sind unfassbar gut darin, mit Spannungen zu spielen und diese in immer wieder neue Klang-Gewänder zu kleiden, wofür neben den vielen Longtracks auch ein kurzes Stück wie „Upside Down“ ein hervorragendes Beispiel ist. Kein Song verkommt zum Rohrkrepierer oder zerstört die sich behände aufbauenden Prog-Strukturen, welche genauso auf Melodie wie auf Komplexität setzen. Doch der echte Höhepunkt erwartet uns dann auf der zweiten CD, die auch insgesamt noch einen Ticken stärker als die erste ist.

CD 2 beginnt sehr bedrückend und melodramatisch mit deutlichem PORCUPINE TREE-Einschlag. „Terra“ erzählt nicht nur eine traurige Geschichte, sondern wartet auch im Schlussteil mit unglaublich intensivem Gesang auf, der in elektronischem Maschinengestampfe untergeht, bis auf „Pale Blue Dot“ eine akustische Gitarre übernimmt, während die Keyboards zarte Flächen hintergründig hinzuzaubern und Sänger SEBASIAN VERGARA beweist, dass er auch den „h“-Gesang beherrscht, und außerdem ganz nebenbei sogar RADIOHEAD grüßen lassen. Ein starkes Stück, das gleichermaßen beweist, dass die Chilenen locker in der Oberliga guten Prog-Rocks mitspielen.
Doch erst so ein komplexer Song wie „Club Hawaii, der neben Crimsoneskem auch jede Menge Theatralisches sowie eine gesunde Portion Erotik in sich trägt, erhebt sich dann zum wahren Höhepunkt des rundum gelungenen Albums.

Mit klopfendem Herzen verfolgen wir das Album und die Geschichte bis zum bitteren Ende.
Ein Ende mit musikalischem Herzklopfen.
Woher kennen wir das nur?
Vielleicht sollten wir doch noch einmal auf der dunklen Seite des Mondes danach suchen!?!?

FAZIT: Eigentlich fand Chile, wenn man über Werke aus dem Prog-Olymp nachdachte, dort bisher noch nicht statt. AISLES aber haben den Olymp mit „Hawaii“ (So blöd der Titel auch klingen und Urlaubsstimmung verbreiten mag!) locker und überzeugend erklommen.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 2089x gelesen, veröffentlicht am )

Unser Wertungssystem:
  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
[Schliessen]
Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
Kommentar schreiben
Tracklist:
  • CD 1 (38:15):
  • The Poet Part I – Dusk
  • The Poet Part II – New World
  • Year Zero
  • Upside Down
  • CH-7
  • CD 2 (43:41):
  • Terra
  • Pale Blue Dot
  • Still Alive
  • Nostalgia
  • Club Hawaii
  • Falling
  • In The Probe

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
Kommentare
Sascha G. [musikreviews.de]
gepostet am: 28.09.2016

Abrete Gandul fallen mir noch ein, die aus Chile stammen und ebenfalls KC-Elemente verarbeiten.
Robert
gepostet am: 27.03.2018

Kenne das Album nicht, nur zwei ältere der Band, aber einige Bands aus Chile fallen mir noch ein, Die man dem Prog zuordnen könnte: In den 70ern gab es Congreso und die mehr empfehlenswerten Los Jaivas, die landestypischen Folk mit Prog gemischt haben. Von den aktuellen Gruppen könnten mich die Neo-Ptogger S.E.T.I. wenig überzeugen, ebenso wie die experimentelleren, schrägen Akineton Retard. Die fast instrumentalen Tryo erinnern auch etwas an King Crimson, die sicher interessanteste und originellste Prog Band des Landes sind die wohl leider nicht mehr existenten La Desooorden, irgendwo eine düstere Mischung aus VdGG mit Jazz-Elementen und einigen lateinamerikanischen Elementen. Deren DVD Las Islas de los muertos gehört zu den interessantesten Musik DVDs, die ich kenne. Auch von Tryo gibt es eine Konzert DVD, von Los Jaivas eine mit dem peruanischen Literatur-Nobelpreisträger Vargas Llosa als Erzähler.
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
Benachrichtige mich per Mail bei weiteren Kommentaren zu diesem Album.
Deine Mailadresse
(optional)

Hinweis: Diese Adresse wird nur für Benachrichtigungen bei neuen Kommentaren zu diesem Album benutzt. Sie wird nicht an Dritte weitergegeben und nicht veröffentlicht. Dieser Service ist jederzeit abbestellbar.

Captcha-Frage Was kommt aus dem Wasserhahn?

Grob persönlich beleidigende Kommentare werden gelöscht!