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David Bowie: Blackstar (Review)

Artist:

David Bowie

David Bowie: Blackstar
Album:

Blackstar

Medium: CD/LP+CD/Download
Stil:

Art Pop/- Jazz

Label: RCA
Spieldauer: 41:19
Erschienen: 08.01.2016
Website: [Link]

Eine analytische Rezension des letzten Albums von DAVID BOWIE sollen prosaischere Gemüter vornehmen, dies wird meine zweite 15/15 Kritik auf diesen Seiten sowie eine Menge Abschweifungen und Abschiednehmen. Volle Punktzahl für ein grandioses Werk, das am Ende des Lebens eines der einflussreichsten Künstler der letzten vier Jahrzehnte steht.

Am achten Januar wurde DAVID BOWIE 69 Jahre alt, am gleichen Tag erschien sein achtundzwanzigstes Studioalbum „Blackstar“. Ein konsequent schwarzer Monolith, BOWIEs beste Arbeit seit „Scary Monsters“, musikalisch zu „Low“ und „Heroes“ aufschließend, noch konsequenter in der künstlerischen Gestaltung. Zwei Tage nach der Veröffentlichung ist DAVID BOWIE gestorben. Sagt man. Doch wir wissen alle, wahre Helden sterben nie.

Im Nachhinein passt es perfekt. Geburt, kreativer Höhepunkt und Tod an einem ganz bestimmten Punkt der persönlichen Zeitleiste. Es würde zum Meister der Selbstinszenierung passen, dem Chamäleon, das sich nicht an seine Umgebung, an die Einflüsse um ihn herum anpasste, sondern sie anzog und einsog und so lässig wie euphorisch wieder absorbierte. Bei weitem nicht jeder Anzug passte. Es gab mäßige, orientierungslose Alben, gruselige Songs, und den verzweifelten Versuch als DAVID BOWIE Teil der durchschnittlichen TIN MACHINE zu sein. Der natürlich missglückte, weil BOWIEs (ernstgemeintes) Bestreben, nur ein Bandmitglied unter anderen zu sein, bei seiner Popularität nicht funktionieren konnte. Nur wenige kamen wegen TIN MACHINE. Alle kamen wegen DAVID BOWIE.

Als Schauspieler landete er in einem der größten Flops aller Zeiten („Schöner Gigolo, armer Gigolo“) und sein zeitweises Liebäugeln mit der Ikonographie des Faschismus ließ ebenfalls ratlos zurück. Doch das gehört zur Identität des ewig Suchenden, sich in einem Labyrinth zu verirren, verlaufen und wieder herauszufinden. DAVID BOWIE gelang auch das. Jedes Mal, ob es sich um Drogen oder Uniformglanz handelte, und irgendwie konnte man ihm nie böse sein. Der Mann hatte Stil, war Stil, selbst im Scheitern. Er hätte zugedröhnt kopfüber eine Treppe herunterstürzen können und die Anwesenden hätten ihm Anerkennung für einen gelungenen Stunt bezeugt. In seinem Anzug wäre keine zusätzliche Falte gewesen. Das hätte außer ihm nur Bryan Ferry geschafft.

Doch was heißt schon Flop? „Gigolo“ brachte das wahrhafte DAVID-Dreamteam zusammen, BOWIE und HEMMINGS, Marlene Dietrich trat zum letzten Mal in einem Film auf; auf „Never Let Me Down“ rappte Mickey Rourke. Selbst im Schauerlichen setzte BOWIE nachhaltige Akzente. Wesentlich stärker prägten aber die enigmatischen Filmrollen, wie in Nicolas Roegs maßgeschneidertem „The Man Who Felt To Earth“, als standhafter englischer Offizier der Gegenspieler des musikalischen Bruders im Geiste, Ryuichi Sakamoto, in Nagisa Oshimas „Furyo – Merry Christmas, Mr. Lawrence“ oder in Jim Hensons wunderbarer, dunkler Phantasie „Labyrinth“. Und er machte sich nicht nur als Schauspieler um den Film verdient, seine Soundtrack-Beiträge haben diverse (heimliche) Highlights zu bieten.

Wie das düster hypnotische „I’m Deranged“ aus David Lynchs (für den er bei „Twin Peaks: Fire Walks With Me“ vor der Kamera stand) düster hypnotischem „Lost Highway“ oder der Song, der die Menschheitsgeschichte auf einen Punkt bringt, (We’re) „Absolute Beginners“ aus dem gleichnamigen Julien Temple Film. Genauso groß „This Is Not America“ mit Pat Metheny und besonders “Cat People (Putting Out Fire)”, die Kollaboration mit Giorgio Moroder für Paul Schraders „Katzenmenschen“-Remake, eindrücklicher noch auf dem Soundtrack-Album als auf dem eigenen “Let’s Dance”.

Nicht nur dieser Song zeigt, dass BOWIE ein formidabler Teamplayer sein konnte (vielleicht deshalb die Band-Sehnsucht). Er produzierte Lou Reeds legendäres „Transformer“, seine Verbindung zu Iggy Pop war ein produktiver Exzess, “Under Pressure“ mit Freddie Mercury und QUEEN ein Meilenstein der neueren Popgeschichte. Nicht zu vergessen Tina Turner, Mick Jagger, Bing Crosby („Peace On Earth/Little Drummer Boy“ – SO muss Weihnachten sein), die PET SHOP BOYS, die großartigen KASHMIR, Scarlett Johansson(!!) und natürlich der „Reflector“ von ARCADE FIRE: „If this is heaven, I need something more!“.

Meine erste Begegnung mit Bowie ähnelt vielen anderen: “Space Oddity” gehört, fallen in Love with Major Tom, das Album geholt. Noch relativ unspektakulärer Psych-Folk mit Überhit. Plus dem exzellenten Befreiungsschlag „The Wild Eye Boy from Freecloud“, dem exzessiven „Memory Of A Free Festival“ und der ersten Selbsteinschätzung: „God Knows I’m Good“. Wohl wahr.

Die nächste, bleibende und kennzeichnende kam wenig später: „Changes“ auf „Hunky Dory“. „Every time I thought I'd got it made, It seemed the taste was not so sweet. So I turned myself to face me, But I've never caught a glimpse of, How the others must see the faker, I'm much too fast to take that test: Ch-ch-ch-ch-changes.” Da war er, der Spieler, der sarkastisch Selbsteinschätzung betrieb und vermutlich genau wusste, dass er ein Großer werden würde. Als Ziggy Stardust, im Gepäck die Spiders from Mars, gelang BOWIE der Durchbruch. Und doch blieb Ziggy nur eine weitere Station. Es folgten der Soul-Funk-geprägte Thin White Duke, der mit Elektronik experimentierende Berlin-Fan, dessen wagemutige Alben „Low“ und „Heroes“ (samt dem hervorragenden Live-Mitschnitt aus jener Zeit „Stage“) musikalische Höhepunkte seiner Karriere waren und mit „Heroes“ eine vielgecoverte Hymne für Generationen im Gepäck hatten. Das weltmusikalisch (die Afrika-Phase der TALKING HEADS vorwegnehmend) angehauchte „Lodger“ entstand bereits in der Schweiz und in New York, markierte das Ende der Zusammenarbeit von BOWIE und BRIAN ENO, weshalb es als Abschluss von BOWIEs Berlin-Phase gilt.

Mit „Scary Monsters“ reiste Major Tom angeschlagen, als Ex-Junkie, aber noch am Leben, in die 80er. Das Album vereint noch einmal die früheren Trademarks, mixt Soul, Funk mit artifiziellem Rock, war durchaus erfolgreich, was aber von „Let’s Dance“ locker getoppt wurde. BOWIE, produziert von Nile Rodgers, went Eighties-Disco und lieferte mit dem Titelsong den größten Hit seiner Karriere, das gesamte Album war ein phänomenaler Kassenschlager. Danach kamen die beiden blassesten Alben seiner Karriere, in der Folge das nicht besonders geglückte TIN MACHINE-Bandprojekt, 1993 schließlich mit „Black Tie White Noise“ die linde Rückkehr in die eigene Vergangenheit und etwas Aufbruchsstimmung, die sich zwei Jahre später im experimentellen und zerfahrenen „Outside“ entlud. 1997 erschien mit „Earthling“ ein interessanter, aber nicht wirklich gelungener Versuch in Industrial und Drum’n’Bass. Wesentlich erfolgreicher betätigte sich BOWIE als merkantiler Verwalter seiner selbst. Er gab Anleihen aus, die er mit dem zukünftigen Salär aus 300 Songs absicherte. Das spülte ihm schlappe 55 Millionen Dollar in die Portokasse.

Musikalisch ging es mit „Hours…“, „Heathen“, „Reality“ und dem 2013er Werk „The Next Day“ (mit einer anonymisierenden Variante des „Heroes“-Plattencovers) wieder aufwärts. Allesamt ordentliche bis sehr gute Alben, für andere Musiker wären es vermutlich Highlights gewesen, für DAVID BOWIE gehobener Durchschnitt.

Dann das fabelhafte Werk, das eine neue Ära hätte einläuten können, aber das unerwartete Finale darstellt. „Blackstar“. So sperrig wie einnehmend, eine düstere Phantsmagorie, dunkelster Pop, schleichender Rock, mit mehr als einer Prise Jazz und viel von dem gnadenlosen Experimentiergeist SCOTT WALKERs, allerdings mit schmelzender dahinfließenden Gänsehautsongs.

Der Titelsong zum Einstieg ist bereits düster, kryptisch, wehmütig, macht die Einsamkeit fühlbar, das Erleben des Vorabends einer Exekution. Ein sanftes auf- und abschwellen der Grundmelodie, gerahmt von DAVID BOWIEs Klagegesang, unterbrochen von Störgeräuschen, zerfetzten Flöten- und Saxophonsounds. Das folgende „'Tis a Pity She Was a Whore“ ist spröder, funkiger, durchzogen von finsterem Humor, trotzdem das versöhnlichste Stück des Albums.

Dann „Lazarus“, dessen erste Strophe eigentlich keinen Zweifel lässt – gerade in Verbindung mit dem morbiden, verzweifelten Video -, hier beschreibt BOWIE sich selbst, seine Krankheit, das Sterben, den kommenden Tod. „Look Up Here, I’m In Heaven, I’ve Got Scars That Can’t Be Seen, I’ve Got Drama, Can’t Be Stolen, Everybody Knows Me Now.” Die Musik dazu ist ein dunkler Fluss, in dem in einsames Saxophon schwimmt. So könnten zwingende ROXY MUSIC klingen, natürlich mit ENO an Bord, mit einem Lied über vergebliche Liebe. Zum dahinschwinden schön.

„Sue (Or in a Season of Crime)“ und „Girl Loves Me“ sind wieder rhythmisch vertrackter, kruder, ohne ihren intimen, betörenden Charakter zu verlieren. „Dollar Days“ könnte die wütende Fortsetzung von „Lazarus“ sein; Geld, Liebe, Macht, Tod bekommen starke, jazzige Saxophon-Phrasen spendiert. Die auch der Schlusstrack „I Can't Give Everything Away“ besitzt, in den „Dollar Days“ nahtlos übergeht. Ein weiteres, inniges Liebeslied, in dem BOWIE sich einmal mehr als Meister der Masken und Schwarzer Humorist beweist. „And Fool Them All Again And Again/I’m Trying To, It’s All Gone Wrong But On And On/The Bitter Nerve Ends Never End, I’m Falling Down, Don’t Believe For Just One Second I’m Forgetting You, I’m Trying To/I’m Dying To.” Repeat-Taste.

Jemand stellt die Frage: “Ist das noch Pop? Und wenn nicht, was ist es dann?“ Es ist Pop, weil es Menschen anrührt, weil es Leid und Liebe, Leben und Tod mit funkelnder, betörender Musik verbindet. Es ist kein Pop, weil es viel zu düster, sperrig, experimentell, jazzig auftritt. Finalement ist „BlackstarDAVID BOWIE.

FAZIT: „Blackstar“ ist das letzte, große Statement des Meisters der Selbstinszenierung und des stetigen Wandels. Veröffentlicht mit einem erschreckend konsequenten Timing, dass nur Staunen, Bewunderung und ein fies fräsender Schmerz bleiben, ob dieses perfekt gestylten Abgangs.

Unabhängig davon überzeugte „Blackstar“ ohne Abstriche während der beiden Tage, in denen alles in Ordnung schien und DAVID BOWIE, der seine Krebserkrankung nie öffentlich gemacht hatte, einen weiteren Volltreffer verbuchen konnte, den es reichhaltig auszukosten galt.
Vieles schien möglich. Bis zu jener Nachricht, die erst auf Unglauben, dann auf Entsetzen und tiefe Trauer stieß. Und Zuversicht, denn wir wissen genau, DAVID BOWIE mag das Gebäude verlassen haben, doch Major Tom ist weiterhin da draußen unterwegs:

„This is Major Tom to Ground Control
I'm stepping through the door
And I'm floating in a most peculiar way
And the stars look very different today”

Bereits drei Tage nach der Todesnachricht kursieren Meldungen, dass von den “Blackstar”-Sessions genügend Material übrig sei für mindestens ein postumes Album. Entweder kreisen die Geschäftemacher bereits geiermäßig über dem Erbe oder der Creator DAVID BOWIE hat einen Masterplan, den er bereits weiterverfolgt.

Wie auch immer, „Made in Heaven“ hat nie an „Innuendos“ Größe gekratzt. [Album bei Amazon kaufen]

Jochen König (Info) (Review 3981x gelesen, veröffentlicht am )

Unser Wertungssystem:
  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
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Wertung: 15 von 15 Punkten [?]
15 Punkte
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Tracklist:
  • Blackstar
  • 'Tis a Pity She Was a Whore
  • Lazarus
  • Sue (Or in a Season of Crime)
  • Girl Loves Me
  • Dollar Days
  • I Can't Give Everything Away

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
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Kommentare
Benji
gepostet am: 14.01.2016

User-Wertung:
13 Punkte

Sehr schöne Kritik, die gar nicht erst probiert eine "analytische Rezension" vorzunehmen; was wie ich finde eigentlich auch gar nicht möglich ist, sowohl generell, als auch vor allem in diesem speziellen Fall. Persönlich, zurückschauend, nach vorne schauend, im Moment resonierend und innehaltend, Abschied nehmend und zelebrierend von dem was Bowie erreicht und geschaffen hat, als auch von dem was er mit Black Star vollbracht hat. Toll geschrieben!

Selbst sein Tod war ein perfekt inszeniertes Kunstwerk. Ein "perfekt gestylter Abgang".
Thoralf Koß [musikreviews.de]
gepostet am: 14.01.2016

Eine faszinierende Kritik und zugleich musikalischer Nachruf für einen unsterblichen Gestorbenen!
Schade, dass Bowie das nicht mehr lesen kann!
Aber vielleicht Major Tom?
proggus
gepostet am: 14.01.2016

User-Wertung:
13 Punkte

Eine schöne Nachruf-Rezension... vielleicht noch das Text-Zitat aus "Lazarus" hinsichtlich "...Everybody Knows Me Now" korrigieren, um den schönen Gesamteindruck nicht zu stören...
Martin Dambeck
gepostet am: 14.01.2016

Bewegend!
Das hast Du schön geschrieben Jochen!
Jochen [musikreviews.de]
gepostet am: 15.01.2016

Danke Euch allen. Ist mir schwergefallen, aber musste sein.

@Proggus: Ist korrigiert, plus zwei kleinere Sachen zusätzlich. Ist verflucht schwierig von schwarzem Booklet mit schwarzer Schrift abzulesen. Aber hätte mir natürlich auffallen müssen...
ijb
gepostet am: 21.01.2016

Kleine Anmerkung: Wenn man nur Bowies regulär veröffentlichte Studioalbum zusammenzählt, ist "Blackstar" das 28. Album, nicht das 25. Es wird auch auf der offiziellen David-Bowie-Seite so angegeben. Zählt man das nicht offiziell (nur über Bowies "Leak") veröffentlichte "Toy" dazu, kommt man sogar auf 29.
Jochen [musikreviews.de]
gepostet am: 21.01.2016

ijb, ich finde die Zählung bei Bowie enorm schwierig. Ich habe mehrfach nachgezählt, dann die beiden Tin Machine-Werke als Bandalben rausgelassen, ebenso die "Peter der Wolf"-Adaption, da Adaption und kein reguläres Bowie-Album, dito die Buddha Of Suburbia-Filmmusik und die Soundtrack-Variante von "Ziggy Stardust". Gut, das in keiner von mir zu Rate gezogenen Discography "Toy" habe ich ebenfalls nicht zugezählt. Blieben, nach meiner (und der vieler anderer) Rechnung 25 reguläre Alben übrig. Kannst du mir deine Auflistung irgendwie zukommen lassen?
ijb
gepostet am: 28.01.2016

Ich habe vor einer Woche zwei recht lange, informative und fachkundige :-) Kommentare hier als Antwort gepostet. Schade, dass die nie freigeschaltet wurden.
Thoralf Koß [musikreviews.de]
gepostet am: 28.01.2016

Hallo ijb, die Kommentare werden von uns nicht freigeschaltet, sondern sofort mit dem Posten veröffentlicht! Wenn können wir sie höchstens löschen, was wir aber garantiert nicht gemacht haben.
Allerdings ist die Kommentarzeile vom Umfang her beschränkt, sodass ich vermute, dass dadurch deine Kommentare gar nicht hochgeladen werden konnten. Du müsstest sie wahrscheinlich "teilen" und schon müsste es klappen!
Jochen [musikreviews.de]
gepostet am: 29.01.2016

ijb, kann es sein, dass du Links/Web-Adressen in die Kommentare eingebaut hast? Dann werden sie leider nicht hochgeladen, der Administrator hat in diesem Fall eine Sperre eingebaut, damit niemand Werbeseiten oder Spam posten kann. Trifft leider auch informative Links. Ist mir selbst schon passiert, was äußerst ärgerlich ist, da der entsprechende Kommentar - falls nicht anderweitig gesichert - bedauerlicherweise ohne Rückmeldung im Orkus verschwindet. Ich mache deshalb immer copy & paste um sicherzugehen, dass der Kommentar erscheint. Was umgehend passieren sollte. Falls nicht, ist etwas schiefgelaufen. - Wie jetzt gerade eben. Also zweiter Versuch.
ijb
gepostet am: 30.01.2016

Hm, OK, blöd. Ja, ich hab nun echt oft versucht, sehr schwierig... Ich kopiere es mal in ein paar Einzelteile...
Mal sehen, ob ich das noch so zusammenkriege. Die Tin-Machine-Alben nicht mitzuzählen, finde ich ehrlich gesagt etwas abwegig und nicht nachvollziehbar. Wirkt ein bisschen so, als wollte man sie aus der Diskografie rausstreichen, weil man sie nicht mag oder so. Auch die offizielle Zählung bei Davidbowie-Web und der Facebook-Official gibt "Blackstar" als 28. Studioalbum an. Zumal "Tin Machine" ganz normal als Teil der regulären Bowie-Remasters-Serie 1999 erschien, wie alle Alben von 1969 bis 1989. Allein das Debüt von 1967 wurde ausgelassen, seltsamerweise, gerade so, als wollte DB es aus der regulären Diskografie streichen. Evtl. lagen da aber auch rechtliche Hindernisse vor, weil es auf einem anderen Label als die Alben von 1969 bis 1989 erschien. Weißnich.
ijb 2/4
gepostet am: 30.01.2016

Seien wir doch mal ehrlich: Tin Machine war doch immer auch "nur" eine von Bowies verschiedenen "Verkleidungen"/Inkarnationen. In diesem Fall eben die geradlinige, mehr oder wenige konventionelle Rockband, als Gegenreaktion auf den So-Lala-80's Pop, der die vorhergehenden Jahre geprägt hatte. 1989 waren gerade die Pixies frisch, Nirvana und Pearl Jam kurz vor dem Sprung, und einige andere Rockbands ebenfalls kurz vor der Alternative-Rock-Welle der ersten Hälfte der Neunziger im Aufkommen. Dass Bowie da seinen eigenen Beitrag in Form von Tin Machine, mit Musikern, mit denen allen er ja auch auf anderen Alben zusammengearbeitet hat, die nicht Tin Machine waren... Das Projekt Tin Machine hat doch nur einen Platz in der Musikgeschichte, WEIL es eines von Bowies unzähligen Stilinkarnationen ist. Persönlich mochte ich das erste Album immer sehr gerne, finde es wirklich sehr gut, mit großer Energie und einigem Einfallsreichtum, und nur weil es nicht innovativ ist, wird es eben gegenüber Bowies "größeren" Werken als Tiefpunkt abgeurteilt. Die anderen beiden Tin-Machine-Alben (ich denke dabei auch an das Livealbum) haben ihre guten und (sehr) mauen Momente, doch gehören sie zweifelsfrei in Bowies Gesamtoeuvre, und wenn das von seiner und der offiziellen Bowie-Seite so gehandhabt wird, sehe ich keinen Grund dafür, die Alben "abzuziehen".
ijb 3/4
gepostet am: 30.01.2016

Zu "Buddha of Suburbia" muss festgehalten werden, dass das Album zwar bei der Erstauflage die Bezeichnung "Soundtrack" auf dem Cover stehen hat, wenn auch klein und nur einmal im gesamten Design, dass die Musik selbst aber überhaupt kein Soundtrack ist. Ich vermute, das wurde damals aus vertraglichen Gründen oder in der Hoffnung mehr Käufer, die die BBC-Serie gesehen haben, anzuziehen. Bowie selbst erläutert aber in einem sehr ausführlichen Text im Beiheft, dass es sich keineswegs um den Soundtrack zur Filmproduktion handelt, sondern er einzelne fragmenthafte Ideen aus der Soundtrackarbeit als Grundlage für diverse Experimente genommen habe, um daraus dieses Album zu gestalten. Wenn ich richtig informiert bin, taucht wirklich nur ein Lied von der Platte im Film auf. Der Rest sind völlig eigenständige, unabhängige Stücke. Die sind sicherlich Geschmackssache, und es handelt sich auch explizit um ein experimentelels Album, doch die Tatsache, dass "Buddha of Suburbia" nur bei der Erstauflage mit Bezug zur BBC-Serie (Cover und Verweis darauf) veröffentlicht wurde, ab dann aber nur mit dem neuen Cover, ebenso wie wiederum, dass die CD offiziell als reguläres Album mit angegeben wird, lässt mich schwer nachvollziehen, warum man die CD abziehen sollte.
ijb 4/4
gepostet am: 30.01.2016

Naja, wurde doch nicht so kurz wie gedacht... Schade aber, dass du "Outside" und "Earthling" so wenig abgewinnen kannst und als „nicht wirklich gelungenen Versuch (...)“ abgespeichert hast.
Einerseits ist ja schön, dass die Musik die Gemüter scheidet (und DB war das bekanntlich auch bei diesen Alben voll bewusst - und vielleicht sogar egal). Andererseits finde ich, dass die beiden zu seinen besten zählen (zu denen allerdings einige zählen) und finde bedauerlich, dass diese aus improvisierten Aufnahmen entwickelten sperrigen und abgründigen surrealen Rocksongs von „Outside“ von vielen so leichtfertig als misslungen abgetan werden. Bzgl. „Earthling“ ist mir zudem nie klargeworden, warum es dafür kritisiert wird, dass es nicht Drum&Bass neu erfindet... Ich fand es immer einen absolut gelungenen Versuch - eine extrem hochenergetische Mischung aus Drum&Bass/ Jungle, Techno, Hardrock und anderen Sounds der späten 1990er. Sowas hat doch sonst niemand gemacht, und man muss sich auch mal vor Augen führen, dass andere, heute als „Klassiker“ bezeichnete Alben dieser Stilmixtur erst später erschienen: „The Fat of the Land“ kam ein halbes Jahr später, Fatboy Slims Durchbruchalbum rund ein Jahr später, Goldies Drum&Bass-Rock-Mix ebenfalls. Es ist natürlich kein klassisches Jungle- oder Drum&Bass-Album.
ijb
gepostet am: 30.01.2016

PS: "Ziggy Stardust" ist ja weniger ein Soundtrack als einfach eines von Bowies vielen Live-Alben. (Da komme ich auf elf an der Zahl, "At the Beeb" als BBC-Kollektion mal nicht mitgezählt, dafür aber die bislang nur limitiert erhältlichen "LiveAndWell" und "Nassau Coliseum" - in der Station-to-Station-Box.)
"Peter und der Wolf" würde ich jetzt auch nicht rechnen, da es doch sehr klar ein Ormandy/Prokofiev-Album ist, kein Bowie-Album. Ähnlich "Labyrinth". Ich hoffe ja, das "Toy" irgendwann doch noch mal veröffentlicht wird. Es ist wirklich gut.

Jetzt aber Schluss... :-)
Jochen [musikreviews.de]
gepostet am: 30.01.2016

Na siehste, klappt doch. Die Tin Machine-Werke rauszulassen hatte keinerlei qualitativen Ursachen, ich bin schlicht Bowies Ansasger gefolgt, sie als Alben einer Band zu deuten und nicht als Solowerke. Aber du hast volkommen Recht, ich habe "Studioalben" geschrieben und nicht "Soloalben", was ich intendiert hatte. Insofern ist es tatsächlich Quatsch sie rauszulassen. Das mit "Buddha Of Suburbia" wusste ich nicht, ich kenne nur das Album, das als Soundtrack vermarktet wurde. Mag ich übrigens sehr gerne. Da ich (und kaum ein anderer?) die Serie nicht gesehen habe, kann ich nicht beurteilen, inwieweit Bowies Musik verwendet wurde. Ich kann man ich aber auch hier deiner Sichtweise anschließen, und da wir uns in einem flüchtigen Medium befinden, setze ich die Albenzahl gerne auf 28 hoch. Ist mir ein Leichtes. PS.: Ist es beim Debüt nicht so, dass es dies (mindestens) in zwei verschiedenen Ausgaben gibt? Ich habe da außerdem noch eine LP namens "Rare Tracks" von "David Bowie & The Lower Third" aus dem Jahr 1966. Scheint aber alles andere als was Offizielles zu sein. Bowies Diskographie ist jedenfalls nicht so ohne.
Jochen [musikreviews.de]
gepostet am: 30.01.2016

Weder "Outside" noch "Earthling" halte ich für völlig misslungen, beide bergen interessante Ansätze, sind für mich aber eher Alben einer Suche, die nicht immer von Erfolg gekrönt ist. "Earthling" war mir zu gleichförmig und bei "Outside" fand ich die experimentelle Seite zu unentschlossen, fahrig. Die Beurteiluingen sind in der Vergangenheitsform, weil es verdammt lange her ist, seit ich beide Werke gehört habe. "Lodger" habe ich während der Rezension noch einmal hervorgekramt, das Album hat mich früher nicht überzeugt. Das am wenigsten gehörte der "Berlin-Trilogie". Jetzt fand ich es klasse und war baff wieviel mir damals entgangen ist. Wenn jemand ein Musiker für zweite und dritte Neubewertungen ist, dann David Bowie. Freue mich drauf.
ijb
gepostet am: 30.01.2016

Hi. Ich wollte da eigentlich keine so große Debatte draus machen, wie es jetzt den Anschein hat. Aber ich wollte die Frage fachkundig beantworten, und dann... naja, fällt mir alle mögliche ein. Ich hab übrigens geschätzte 25 Mal versucht, die Texte zu posten, und ich bin nicht schlau geworden, warum es beim 25. Mal dann geklappt hat. Ich glaube, es hatte am Ende nichts mit dem Inhalt des Texts zu tun. Das Debüt (1967) - ich bin nicht sicher... wurde laut Discogs in 27 Pressungen veröffentlicht.. was das bedeutet, ist schwer zu sagen... "Space Oddity" wird mit 135 Versionen angegeben, "Ziggy" sogar mit 195.
Mich hatte damals (1999) nur gewundert, dass bei einer vollständigen Wiederveröffentlichungsreihe das erste ausgelassen wurde. Ich hatte erst dann irgendwann mal in einer Edition, die als Kollektion der Deram-Jahre verkauft wurde, und im Wesentlichen das Debüt enthält, mit einigen Tracks vorneweg und hintendran. 2010 erschien dann auch eine "Deluxe Edition", allerdings mit viel zu vielen diversen Mono- und Stereo-Mixes auf zwei prallvolle CDs aufgepumpt. Die habe ich bislang nicht. Im Endeffekt sind das nur die gleichen Stücke wie auf der Deram-Collection, nur doppelt und dreifach.

Aus den Jahren vor dem Debüt gibt es ganz unterschiedliche compilations. "The 1966 Pye Singles" oder "Early On" oder so Sachen. Die Singles zwischen 1965 und 1967 erschienen damals unter verschiedenen "offiziellen" Namen. Etwas unübersichtlich, ja.
Jochen [musikreviews.de]
gepostet am: 30.01.2016

Beim "Ziggy Stardust & The Spiders From Mars" habe ich mich stumpf an den Titel des Albums gehalten (bei mir im recht aufwändigen 30th Anniversary 2CD Set - trotzdem zum Schnäppchenpreis bekommen), und der lautet nun mal "The Motion Picture Soundtrack". So, jetzt auch Schluss von mir. Aber ist schön noch einmal einen Austausch in den Kommentaren erleben zu dürfen.
Jochen [musikreviews.de]
gepostet am: 30.01.2016

Wenn Debatten so verlaufen - immer gerne!
ijb
gepostet am: 30.01.2016

Ah, Lodger, ja. Da muss ich sagen, dass die meisten Veröffentlichungen einfach ganz schlecht klingen. Ich weiß nicht, ob es Mix oder Mastering ist... Irgendwie hatte ich auch mal gelesen, dass die das überhastet abgeschlossen hatten, wegen der beginnenden Tour (oder sowas). Meines Erachtens ist die erste Version, die recht gut klingt, die Remastered Edition von 1999. Ich mag die auch sehr gern, vor allem ist da der NEU!- und Harmonia-Einfluss so schön zu einer neuen Art-Pop-Version weiterentwickelt worden. "Outside" ist vielleicht ein bisschen zu lang (leider), aber ich mag es gerade auch wegen der Vielseitigkeit, und ich finde, es ist kein wirklich schlechtes Stück drauf (zwei, drei sind nicht topp, ja...), dafür eine ganze Reihe hervorragender, u.a. einer meiner Bowie-Lieblingssongs, "Strangers When We Meet". "Outside" ist ja auch eher eine surreale Erzählung als ein klassisches Songalbum. Bowie und Eno hatten wohl im letzten Jahr noch mal drüber gesprochen, dass sie damit "nochmal was machen" wollten, weil der Mix wohl nicht ganz zufriedenstellend war. Sehr schade, dass wir die übrig gebliebenen vielen Songs der Sessions wohl nicht mehr zu Gehör bekommen werden. Schätze, dass Eno das nicht alleine durchziehen wird...
Jochen [musikreviews.de]
gepostet am: 30.01.2016

Interessant. Ich habe "Lodger" noch und nur als Original-LP aus dem Jahr 1979. Okay, ich bin alt. Ich fand, dass die LP recht ansprecehnd klingt. Werde aber Ausschau nach der '99er-CD-Ausgabe halten. Wobei meines Wissens die ebenfalls bereits remasterte Variante von 1991 einen guten Ruf genießt. Nur wegen der beiden Bonustracks, die es später nicht mehr gab? Eine überarbeitete "Outside"-Variante wäre tatsächlich hochspannend gewesen.
Jochen [musikreviews.de]
gepostet am: 30.01.2016

Vergessen: Was bei Lodger auffällt ist die Nähe zu den Talking Heads, insbesondere, dass Bowie "Remain In Light" tendenziell vorwegnahm. Verbindungsglied Eno….
ijb
gepostet am: 30.01.2016

Ja, von den Talking Heads bin auch großer Fan. Obwohl ich später geboren bin (1978), aber in meiner Kindheit waren die auf MTV schon sehr präsent.

Ich hab "Lodger" noch nie von LP gehört. Ich habe aber die beiden CD-Ausgaben. Die von 1990/91 (Sound+Vision Edition) ist meines Wissens kein wirkliches "Remastering", sondern einfach die erste CD-Ausgabe. Die Bonus Tracks: Naja, "I Pray, Olé" is eher für Fans, aber die neue Version von "Look Back in Anger" ist nicht uninteressant. Man kann bei YouTube das Video zu dieser Aufführung sehen, zu der die Version 1988 entstand. Zu finden unter: "Look Back in Anger (New version 1988)"
Text:
The new version of 'Look Back In Anger' was performed featuring La La La Human Steps; Édouard Lock created a choreographed event with David Bowie and Louise Lecavalier as part of the 40th anniversary celebrations of the Institute of Contemporary Arts, filmed by video artist Nam June Paik, then continued his collaboration with Bowie in 1989-1990 as creator and art director of his Sound + Vision world tour.
Thoralf Koss [musikreviews.de]
gepostet am: 17.05.2016

Hochachtung vor dieser Kritik!
Das musste einfach noch mal gesagt werden, wo Halb-Deutschland durchdreht, weil ein gewisser Udo L. Geburtstag hat!
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
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