Musikreviews.de bei Facebook Musikreviews.de bei Twitter

Partner

Statistiken

John Wesley: a way you'll never be (Review)

Artist:

John Wesley

John Wesley: a way you'll never be
Album:

a way you'll never be

Medium: CD/LP+CD/Download
Stil:

Progressive Rock

Label: InsideOut
Spieldauer: 56:14
Erschienen: 07.10.2016
Website: [Link]

Die Dunkelheit ist bereits eingebrochen und offenbar hat endlich auch der Geschäftsmann von PINK FLOYDs „Wish You Were Here“ Feierabend. Als Frau und Kinder am Fenster stehen und ein wankendes Licht im Dunkeln glühen sehen, wissen sie: Daddy ist bald zu Hause...

Das ist der naheliegende Gedanke beim Blick auf das Cover von JOHN WESLEYs achtem Studioalbum „a way you'll never be“, unter Berücksichtigung der vielen elegischen Gilmour-Gitarrenleads auch kein ganz abwegiger. Die eigentliche Inspiration stammt aber von Ernest Hemingway und seiner „Lost Generation“, einer Gruppe von US-Schriftstellern, die während und nach dem Ersten Weltkrieg nach Europa (insbesondere nach Paris) flüchteten und dort als „Génération au Feu“ („Generation in Flammen“) gesehen wurde.

Die hohen Ansprüche im Songwriting treiben Wesley dann auch zu seinem bis dato ambitioniertesten Werk. Wie kein bisheriges markiert es einen sehr markanten Stil, der sich aus einer Mischung harter Rock-Riffs mit Alternative-Wurzeln, mäanderndem Solieren im eklektischen Zwielicht von Hall und Delay und intimen Einblicken ins Seelenleben durch entkleidete Songgerüste nährt. Man soll seine Vollwertigkeit begreifen, verstehen, dass viel Mühe und Sorgfalt eingeflossen sind, auch dass Gemeinschaftsarbeit notwendig war, um ein solches Album im Rahmen eines Bandgefüges (mit ICED EARTHs Mark Prator und CYNICs Sean Malone) zu realisieren. Dennoch ist der Singer/Songwriter im Kern zu beachten, ebenso der Konzeptcharakter als Produkt eines einzelnen schaffenden Auteurs zu begreifen, so wie es auch in der Literatur üblich ist. „a way you'll never be“ ist, musikalisch würden viele einen Bezug zu STEVEN WILSONs Soloarbeiten ziehen, in erster Linie tatsächlich ein literarisch inspiriertes Werk.

Dieses „man soll“ ist allerdings bei der Rezeption des Albums ein sich manifestierendes Problem. Die Kraftaufwände sind gerade als solche spürbar. Schwermütig klingen nicht nur die Passagen, die in Tagträumen versunken scheinen, sondern auch die antreibend gedachten Heavy-Parts. Gezielt öffnet WESLEY sein Album mit „By The Light Of A Sun“, einem der härteren und doch hymnischen Stücke, die deutlich machen, dass die Duckmäuserei der ersten Soloalben längst Geschichte ist. Einige Riffs binnen der durchaus experimentierfreudigen 56 Minuten werden umständlich mit leicht ungeraden Taktarten präpariert, funktionieren dann aber auf einer einfachen Ebene tadellos, begünstigt auch durch die kräftige Produktion. Als Sänger knüpft der Frontmann mit kratzig-heller Ohrschmeichelei weiter an die alternativen 90er Jahre an und verbindet diese kühn mit progressiven Ambitionen.

Das wirkt in einigen Momenten leider etwas durchschaubar, oder schwächer formuliert, man weiß immer recht schnell, worauf die Songs hinauswollen. Vielleicht auch, weil einige Stücke für sich genommen vielleicht überraschen („The Silence In Coffee“ schafft beispielsweise einen nahtlosen Übergang zwischen kauzigem Twin-Peaks-Humor und kühler Kleinstadtmelancholie), wegen ihres langen Anlaufs den Hörer aber niemals auf dem falschen Fuß erwischen, so dass man sich quasi in Echtzeit an jeden neuen Ansatz gewöhnen kann.

Obwohl WESLEY in Einzelausschnitten dabei durchaus an die Qualität etwa einer Wilson-Platte heranreicht (um die Referenz zu nennen), gelingt es ihm nicht, mit den Einzelteilen etwas von vergleichbarer Größe zu schaffen. Seine Kompositionen genügen dem schwelgerischen Genuss vollauf, nicht jedoch dem Ziel, die Silhouette zu einem selbstständig atmenden Wesen zu machen.

FAZIT: „a way you'll never be“ ist trotz der bewussten Kleinschreibung des Titels das bis dato größte Werk des Songwriters, was gleichwohl nicht zwangsläufig bedeutet, dass es auch sein bestes sein muss, auch wenn es über die aufwändigste Produktion und den höchsten musikalischen Gehalt verfügt. Als traumwandlerisches Gitarrenalbum mit einigen harten Akzenten lässt es sich hervorragend goutieren, hinterlässt aber auch so etwas wie ein Gefühl ambitionierter Leere und steht nur allzu deutlich im Schatten der selbst auserwählten Vorbilder und Inspirationsgeber.

Sascha Ganser (Info) (Review 3347x gelesen, veröffentlicht am )

Unser Wertungssystem:
  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
[Schliessen]
Wertung: 9 von 15 Punkten [?]
9 Punkte
Kommentar schreiben
Tracklist:
  • by the light of a sun
  • a way you’ll never be
  • to outrun the light
  • the revolutionist
  • nada
  • the silence in coffee
  • unsafe space
  • sun.a.rose
  • epic
  • pointless endeavors

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
Benachrichtige mich per Mail bei weiteren Kommentaren zu diesem Album.
Deine Mailadresse
(optional)

Hinweis: Diese Adresse wird nur für Benachrichtigungen bei neuen Kommentaren zu diesem Album benutzt. Sie wird nicht an Dritte weitergegeben und nicht veröffentlicht. Dieser Service ist jederzeit abbestellbar.

Captcha-Frage Schreibe das folgende Wort rückwärts: Regal

Grob persönlich beleidigende Kommentare werden gelöscht!