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Kristoffer Gildenlöw: The Rain (Review)

Artist:

Kristoffer Gildenlöw

Kristoffer Gildenlöw: The Rain
Album:

The Rain

Medium: CD/LP
Stil:

Melancholischer Progressive Rock

Label: Melodic Revolution Records / Just For Kicks
Spieldauer: 55:27
Erschienen: 20.05.2016
Website: [Link]

Progressiven Szene-Liebhabern klingeln, wenn sie den Namen GILDENLÖW hören, sofort die Ohren. Und natürlich denken sie dann umgehend an PAIN OF SALVATION, die spätestens seit „The Perfect Element, Part I“ zu einer wahren Prog-Institution wurden, bei der progressiv vielfältige, sich zwischen brachial bretternder Härte und trauriger Zerbrechlichkeit bewegende Musik zu einem enormen Prog-Obelisken erhob. Doch der Name vor diesem GILDENLÖW war eigentlich immer DANIEL, nicht aber KRISTOFFER!
Kristoffer spielte doch „nur“ Bass.
Nun aber erfahren wir spätestens nach „The Rain“, seinem zweiten Solo-Album nach dem 2013er „Rust“, dass er so viel mehr kann, nämlich genau wie Bruder Daniel als Sänger und Texter und sogar Multiinstrumentalist antritt, der, neben seinem Bass, auch alle Gitarren, Keyboards und Glockenspiel gänzlich perfekt beherrscht. Und auch als Texter und Sänger hinterlässt Kristoffer eine hervorragende Figur, wie man auf „The Rain“, einem sehr traurigen, stellenweise schwer melancholisch klingendem Konzept-Album über einen an Demenz erkrankten Mann, der versucht, so lange wie möglich mit dieser schrecklichen Krankheit umzugehen.
Dabei gilt der Regen als eine wichtige Metapher, der nach und nach alle Erinnerungen wegspült: „Here I am again / ... a broken man after The Rain“, mit diesen beiden Zeilen beginnt das Album und endet mit seiner Beerdigung auf „The Funeral Pt II“: „We‘ll meet again / All will be better then.“
Zwischen diesen beiden thematischen Momenten leiden und trauern wir gemeinsam mit diesem Mann und erleben zugleich einen musikalischen Genuss, der von Anfang bis Ende eine trauervolle Atmosphäre in sich trägt, die ähnlich schwer und getragen beispielsweise auf dem melodramatischsten Album eines NICK CAVE, „The Boatsman Call“, oder den Alben MATTHEW PARMENTERs von DISCIPLINE zum Ausdruck kam. Ein Gefühl der Trauer macht sich breit und umschließt den Hörer. Dann nimmt es einen gefangen und lässt uns nicht mehr los. Regen und Donner begleiten uns dabei genauso wie Streicher, Piano, viele akustische Gitarren, Kirchen-Orgeln, Kinderchöre sowie männliche und weibliche Gesänge, deren stimmungsvoll-trauriger Klang sich ideal der Thematik anpasst. Ein ganz großes, trauriges Kopfkino, das da über unsere Ohren vor unserem geistigen Auge abläuft. Einzig störend sind dabei manchmal die abgehackten Übergänge oder Ausblendungen zwischen einigen Titeln, die im Fluss des eigentlichen Konzepts etwas störend wirken.

Allein der Übergang von Streichern zur E-Gitarre auf „After The Rain Pt. II“ lohnt bereits den Kauf des Albums. Doch nicht nur diese Momente beleben die vertonte Krankheit auf „The Rain“ - es sind die vielen akustischen Ausflüge des Pianos und der Gitarren, die immer wieder von getragenen Streichern unterstützt oder gar dominiert werden, ähnlich wie sich bei der Demenz anfangs ein Schatten auf die Erinnerungswelt des Kranken legt, übertragen die Streicher dies wirkungsvoll auf die musikalischen Stimmungen in „The Rain“. Beeindruckend auch das Schlagzeug, gespielt von GAZPACHOs LARS ERIK ASP, der gerade darum Grandioses leistet, weil er der getragenen Stimmung entsprechend nicht etwa zurückhaltend die Felle streichelt, sondern immer wieder interessante Spannungsbögen aufbaut, um diese dann wieder in traurig stimmender Ruhe aufzulösen.
„Drizzle“ mit seinen Country-Elementen, die dann in bombastische PINK FLOYD-Sounds übergehen und den totalen Kontrollverlust symbolisieren, durchbricht die Stimmung des Albums mit Härte, Komplexität und einem Männer-Chor, der einem Schauer über den Rücken jagt. Ein sechsminütiger Prog-Exzess!
„She“ baut daraufhin noch ein paar „Wish You Were Here“-Elemente und ein bombastisches Keyboard-Outro ein, bis nach „All For You“, mit verfremdeter Stimme und Glockenspiel, die zweiteilige Beerdigung einleitet, deren erster Teil das Akkordeon bestimmt und endgültig im zweiten Teil mit Glockengeläut, Gewitter, akustischem Piano und einer zuschlagenden Kirchentür zu Ende gebracht wird.

FAZIT: Es ist immer wieder schwer beeindruckend, wenn sich progressive Rockmusiker mit problematischen Text-Konzepten, die sich eindeutig an aktuellen Problemen orientieren, beschäftigen und daraus ein Konzept-Album entstehen lassen. Der PAIN OF SALVATION-Bassist KRISTOFFER GILDENLÖW legt als nunmehr singender Multiinstrumentalist mit tatkräftiger Unterstützung hervorragender Prog-MusikerThe Rain“, ein grandioses, sehr trauriges Prog-Album zum Thema Demenz, vor.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 3534x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • After The Rain Pt. II
  • Holding On Pt. I
  • Seeking The Sun Pt. I
  • Seeking The Sun Pt. II
  • Worthy
  • Holding On Pt. II
  • See It All
  • Peripheral Memory
  • Breathe In, Breathe Out
  • In The Evening
  • It Was Me
  • Drizzle
  • She
  • All For You
  • The Funeral Pt. I
  • The Funeral Pt. II

Besetzung:

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