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Mothertongue: Unsongs (Review)

Artist:

Mothertongue

Mothertongue: Unsongs
Album:

Unsongs

Medium: CD
Stil:

Spaßiger Prog bis dümmlicher Folk

Label: Bad Elephant Records / Just For Kicks
Spieldauer: 48:28
Erschienen: 06.05.2016
Website: [Link]

Es ist schon eine gehörige Musik-Suppe, die MOTHERTONGUE auf ihrem aktuellen Album präsentieren und die neben sehr schmackhaften auch so einige Brechreiz erregende Zutaten enthält. „Unsongs“ - dieser Album-Titel passt ideal, denn was hier in knapp 50 Minuten die Membranen unserer Lautsprecher-Boxen penetriert, lässt letzten Endes einen verwirrten Hörer zurück, der garantiert seinen Überlegungen nachhängt, ob diese „Unsongs“ nun was Besonderes oder nur ein Haufen durchgequirlter Quark sind.
Die Antwort hierfür liegt wohl irgendwo in der Mitte.

Im Grunde beginnt die ganze Verwirrung schon beim Bandnamen.
Verwechslungen sind vorprogrammiert.
MOTHERTUNGE sind nämlich nicht etwa die kalifornische Indie-Entdeckung MOTHER TONGUE, die mit den RED HOT CHILI PEPPERS befreundet sind und musikalisch ähnlich klingen, sondern eine britische Sechs-Man-Band, welche neben dem „klassischen Rockinstrumentarium“ auch jede Menge Gebläse und Streicher in ihre Songs einbaut.

MOTHERTONGUE nennen ihre Musik selber Progressive-Indie-Rock-Jazz-Quiff-Pop und setzen gleich ein Fragezeichen dahinter.
Die Musik an sich auf diesem Album ist ein einziges großes Fragezeichen?
Denn bereits nach dem ersten Hören fragt man sich, wen dieses Album erreichen soll. All die seltsamen, nicht ernst zu nehmenden Rhythmen zwischen Folk/Volksmusik, etwas Prog, banalem Pop, härterem Rock, alternativem Indie sowie am Ende gar Space, Worldmusic, Psychedelic, Musical und Texten, die zwar ironisch sind, aber auch echtes Liedermacher-Potenzial haben. Das ist alles extrem wirr und spricht einen mal an, mal aber erschreckt‘s einen wieder. Etwas Ähnliches haben einst THEY MIGHT BE GIANTS gemacht, aber selbst die klangen in ihrem Musik-Stil-Gewusel noch zurückhaltender als MOTHERTONGUE.

Wenn die POGUES auf ELVIS COSTELLO (Vielleicht weil der Sänger auch so große Ähnlichkeit mit ihm hat?!) treffen und dazu CALEXICO einladen, mit der Absicht ein „Best Of“ der Dreigroschenoper auf Psyche-Prog-Manier rauszuhauen, dabei aber unbedingt auch Volksmusikalisch-Bajuwarisches mit einzubauen, dann nähern wir uns langsam den „Unsongs“.
Dabei darf auch Gott nicht fehlen, wenn in „A Poem That The Sky Wrote“, in dem sogar eine Walzer-Melodie auftaucht, die alles entscheidende Feststellung: „Oh my God / It‘s all in spin / The Earth turns in the sky / But you‘ve no time / For foolish things / When you‘re higher than high“, getroffen wird.
Fast alle Texte haben diese seltsam Aura - man möchte sie nicht ernst nehmen, muss es aber, weil die Themen darin uns betreffen, so ironisch und stellenweise sarkastisch ihr Ton auch klingen mag. Viel Nachdenkliches finden wir genauso darin wie Lustiges. Ähnlich tief- und abgründig sowie anspruchsvoll-ironisch waren bisher nur die CRAH TEST DUMMIES auf „God Shuffled His Feet“ - aber die hatten eben einen tiefstimmig sonoren Sänger, den man nie wieder vergaß. Den Gesang auf „Unsongs“ vergisst man dagegen schneller, als es einem lieb ist.

Ja, vielleicht lassen wir MOTHERTONGUE am Ende doch noch einmal für sich sprechen und es einfach so stehen, wie es ihrem musikalischen Blickwinkel entspricht: „MOTHERTONGUE sind ein sechsköpfiges Pop-Prog-Kunst-Rock-Fiasko aus Manchester, die seit etwa 2013 gemeinsam Anfälle hysterischer Nevenzusammenbrüche auf der Bühne ausleben.“
Nicht nur auf der Bühne, Jungs, auch auf eurer Studio-CD lebt ihr sie aus!

FAZIT: Weil‘s so schön war, hier die letzte, abgefahrenste Aussage des versponnenen Sextetts aus Manchester, die viel Wahrheit in sich birgt: „MOTHERTONGUE machen progressives Pop-Theater und klingen ein bisschen wie Edward Lear in einer Reihe mit den Cardiacs, die in GLENN MILLERs Badewanne Musik machen.“ Etwas mehr Geschick, ein gewisser roter Musik-Faden und weniger Spinnerei wären ein guter Anfang, um die tiefgründig-humorvollen Texte mit mehr musikalischem Esprit - es darf auch gerne was richtig Progressives sein - rüberzubringen.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 1506x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 8 von 15 Punkten [?]
8 Punkte
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Tracklist:
  • King Of The Tyrant Lizards
  • A Poem That The Sky Wrote
  • Perfect Zero
  • The Fog
  • Nautilus
  • Little Mice
  • Shango
  • Waxwing
  • Funeral Song For The Icarus Worm
  • Blooper‘s Theme
  • Sidescroller
  • Starcross
  • These Hands

Besetzung:

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