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Elane: Arcane 2 - Music Inspired By The Works Of Kai Meyer (Review)

Artist:

Elane

Elane: Arcane 2 - Music Inspired By The Works Of Kai Meyer
Album:

Arcane 2 - Music Inspired By The Works Of Kai Meyer

Medium: CD
Stil:

Kunstvoller, progressiver, weltmusikalisch-spannender Fantasy-Folk

Label: Eane Music/Alive
Spieldauer: 64:27
Erschienen: 07.04.2017
Website: [Link]

Höchste Vorsicht ist geboten, wenn man das voller Liebe gestaltete Digipak neugierig öffnet, denn unübersehbar springen uns von der ersten und letzten Innenseite die Worte: „with every page ... … a heartbeat“, an. Und dazwischen erstrahlt die CD in ihrer ganzen Schönheit, die sich dann über eine Stunde lang in unserem Player dreht und uns die Worte mit einer kleinen Veränderung wiederholen lässt: „with every note … … a heartbeat“!

Das aktuelle Album der Band aus dem Sauerland, die sich nicht ohne Grund bei ihrem Namen von ihrer Sängerin inspirieren ließ, geht tatsächlich mit jeder Note zu Herzen. „Arcane 2“ von ELANE ist ein romantisches und zugleich folkiges, mittelalterlich anmutendes, stellenweise gar hart rockendes, dann wieder klassisches und progressiv verspieltes Meisterwerk geworden, das sich im Grunde weit über alle Gothic-Terrains erhebt, in die man ELANE bisher immer wieder (fast mit aller Schubladen-Gewalt) hineinzustopfen versuchte. Vergesst einfach mal alles, was für euch UNHEILIG ist und fahrt nicht mit der SUBWAY TO SALLY über FAUN bis ihr die LETZTE INSTANZ erreicht, sondern schaut mit euren Ohren und Augen in diesen dunklen Gothic-Tunnel. Ganz am Ende seht ihr ein Licht. Das Licht heißt „Arcane 2“ und es wurde entfacht von ELANE mit der Unterstützung des erfolgreichen Fantasy- & Mystery-Schriftstellers KAI MEYER, dessen Erzählungen die Grundlage für dieses epische ELANE-Magnum-Opus sind.

Kein Weg ist zu weit, kein Klang zu ungewöhnlich, um Meyers anregende Texte aus „Die Seiten der Welt“, „Die Sturmkönige“, „Das Wolkenvolk“, „Frostfeuer“, „Die Alchimistin“ und „Die Wellenläufer“ umzusetzen und zu einem gänzlich eigenständigem Konzept, das sich um den Mythos des Mittelmeers dreht, zu verweben. Sogar mit dem Reggae – inklusive einem Akkordeon - gibt es keine Berührungsängste und so wird „Hexhermatic Dance“ zu dem wohl ungewöhnlichsten Song der gesamten ELANE-Ära – einer Ära, die tatsächlich schon auf über 15 Jahre Band-Geschichte zurückblicken kann.
Ganz wichtig ist natürlich bei solchen Texten die vokale Umsetzung. So nimmt einen die faszinierende Stimme von JORAN ELANE, welche tatsächlich mal nach ENYA, dann wieder nach der frühen MADONNA oder sogar nach TAMARA DANZ von SILLY klingt, sofort gefangen, aber gerade auch die männlichen Duett- und Satzgesang-Partner Nico und Skaldir leisten Großartiges, wofür „Breath Of Gold (Hold On)“ das beste Beispiel ist. Das vokale Sahnehäubchen setzt dem Ganzen am Ende der professionelle Hörspielsprecher MARCO GÖLLNER auf, der bei „The Wave Walkers“ schwer beeindruckend in deutscher Sprache die Geschichte vom Geisterschiff spricht, während bedrohliche Klänge uns einem gruseligen Film ähnlich den Soundtrack zum Text bieten.
Und wer es noch nicht wissen sollte, ELANE haben nicht nur Film-Soundtrack-Qualitäten, sondern tatsächlich auch für das Spiel des Jahres 2013 „Die Legenden von Andor“ den instrumentalen Brettspiel-Soundtrack „Into The North“ eingespielt, den man sich gratis auf deren Seite downloaden kann. Ein sehr lohnenswerter Download übrigens, in dem man zugleich einige Parallelen zu „Arcane 2“ entdeckt.

„Aurora“ wiederum erhebt sich mit Violine, akustischer Gitarre sowie orchestralen Sounds und zärtlichem Gesang zu einer wunderschönen romantischen Ballade: „Tonight you‘re as quiet / As a mouse could ever be.“ Da möchte man nur zu gerne Mäuschen sein.

Der Ritt auf dem magischen Teppich klingt dagegen nach einem U2-Titel mit Violine und es stellt sich sofort die Frage, wer von den beiden singenden ELANE-Multiinistrumentalisten diesen BONO in der Stimme hat.

Ähnlich überraschend wie die Reggae-Rhythmen ist außerdem die ungewöhnliche Extrem-Metal-Schlagseite auf „Nugua‘s Journey“, die sich sogar an Growls heranwagt.

Auf „Aura“ erwarten uns dann endlich auch die ersten deutschen, sehr kryptischen Textpassagen: „Ist dieses Haus ein Labyrinth / Mit Muscheln ausstaffiert / Der Sämann hat ein neues Rad / Ein Kraut auf Nestors Grab.“ Während die männliche Stimme verklingt, konfrontiert uns der weibliche Gesang mit der Tatsache, dass besagter Sämann angetreten ist, um ihr das Leben zu nehmen.

Während wir noch über den Sämann nachsinnen, werden mit einem echten deutschsprachigen Seefahrer-Lied die „Leinen los“ gemacht. Der einzige Titel, welcher sich ausschließlich auf Deutsch präsentiert und den alten Ost-Rock-Freund, gerade der Percussion und des Wellenrauschens wegen, an „Der weite Weg“ von der STERN-COMBO MEISSEN erinnert, während gesanglich tatsächlich die viel zu früh an Krebs verstorbene TAMARA DANZ bei Sängerin Jordane eine Art Wiedererwachen widerfährt. Aber natürlich nur in ganz entfernten Ansätzen.

Jetzt sind wir genau an dem Punkt angekommen, der „Arcane 2“ einen sehr außergewöhnlichen Hintergrund beschert, den man wohl nur zu entdecken vermag, wenn man intensiv das 16seitige Booklet durchblättert und alle darin enthaltenen Texte liest. Längst wissen wir ja, dass diese allesamt auf den Geschichten von KAI MEYER basieren. Doch es gibt ein weiteres Kunstwerk, dass zur Inspiration eines Stücks auf „Arcane 2“ diente. Es ist das einzige Instrumental - „The Isle“. Ein trauriges, sehr melancholisches, fast etwas bedrohliches Stück, das zugleich tatsächlich zu einem Epitaph wurde. „Die Toteninsel“ von Arnold Böcklin stand dafür Pate. Aber auch eine Widmung sowie Gedenk-Erinnerung sind „The Isle“ beigefügt. Dem musste der Kritiker dieser Zeilen unbedingt auf den Grund gehen und auf Nachfrage bei NICO erfuhr er folgendes: „‘The Isle‘ ist wohl der traurigste Track des Albums und zugleich der einzige instrumentale. Musikalisch steht er für das Bröklin-Gemälde, auf dem auch der erste ‚Die Alchimistin‘-Akt von Kai Meyer aufgebaut ist. Unsere Widmungen für Sandra und Baba haben etwas damit zu tun, dass sie auf unterschiedliche Weise mit ELANE verbunden sind. Von Baba stammt ein Teil des Artworks aus dem ‚Arcane 1‘-Booklet. Sandra war eine enge Freundin von Skaldir und mir. Sie hat mit uns gemeinsam im Studio Kalthallen noch einen Vorab-Mix von ‚Arcane 2‘ angehört und uns Feedback gegeben. Sie ist - für uns völlig unerwartet - im Februar verstorben.“
Manchmal sind es eben auch die persönlichen Geschichten hinter einem Album, die es neben der Musik zu etwas ganz Besonderem werden lassen.

Der absolute „Arcane 2“-Höhepunkt für alle, die sich gerne und leidenschaftlich progressiven Klängen hingeben, wartet als großes Finale mit „Nugua‘s Journey“ ganz am Ende des Albums auf einen. Flöten und akustische Gitarren, Keyboard-Bombast und Symphonisches, klassische Streicher-Passagen und Duett-Gesang, atmen eine gewisse GENESIS-Atmosphäre und erheben sich dann mit wilder Violine in die KANSAS-Gefilde, um tatsächlich den bereits angekündigten Growls, aber auch sakralen Chören kurz das Feld zu überlassen, um dann ganz schnell in traumhaft-romantische Sequenzen, diesmal mit getragenen Streichern und „weinenden“ E-Gitarren, überzugehen. Es gibt eine Menge sich von Hause aus als Prog-Band bezeichnende Gruppen, die einen dermaßen wirkungsvollen Longtrack nicht zustande bringen. Ein unglaublicher Song, der, sollte ich eine Hitliste aller ELANE-Stücke erstellen, bei mir unangefochten auf Platz 1 landen würde. Und ein klassisches Piano setzt dem Meisterwerk dann auch noch ein klassisches Ende! Chapeau!

FAZIT: Bereits nach dem ersten Hördurchgang von „Arcane 2“ werden viele, die noch immer ELANE nur in die Fantasy-Folk-Goth-Schiene stecken, verblüfft feststellen, dass sie ein dermaßen opulentes und zugleich vielfältiges Werk der Band aus dem Sauerland niemals zugetraut hätten. Auf „Arcane 2“ werden nicht Klischees bedient, sondern die unterschiedlichsten Klangwelten vom Folk über Gothic bis Rock, Prog und Pop bereist, dass es eine wahre Freude ist, ELANE bei dieser Reise durch die textlich von KAI MEYER inspirierte Fantasy-Welt zu begleiten.

PS: Und da ich gerade von einem Konzert von LOREENA McKENNITT aus dem Berliner Tempodrom (am 2. April 2017) komme, kann ich nur zu gut verstehen, warum auf der Liste der ELANE-Lieblingsmusiker genau diese faszinierende, elfengleiche Musikerin an erster Stelle steht. With every note … a heartbeat!

Thoralf Koß (Info) (Review 1897x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
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Tracklist:
  • Every Page A Heartbeat
  • Sabatea‘s Song (You Are The Princess)
  • Breath Of Gold (Hold On)
  • Aurora
  • Visions Sent
  • Magic Carpet Ride
  • The Isle
  • Aura
  • Pure Moonlight
  • More Stars Shine On Earth
  • The Wave Walkers
  • Leinen los
  • Hexhermetic Dance
  • Nugua‘s Journey

Besetzung:

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