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Prinz Chaos: Väter & Söhne (Review)

Artist:

Prinz Chaos

Prinz Chaos: Väter & Söhne
Album:

Väter & Söhne

Medium: CD
Stil:

Liedermacher, Folk

Label: Digitale Dissidenz/Alive
Spieldauer: 60:26
Erschienen: 22.09.2017
Website: [Link]

„Ich widme diese CD meinem Vater Ernst Oskar Kirner (18. November 1942 – 28. April 2017)“

Eigentlich logisch, dass wenn ein Musiker, deutsch-musikadliger Liedermacher und Burgherr, seine CD „Väter & Söhne“ nennt, sie diese zugleich auch seinem Vater widmet. Doch ein Blick auf die Klammerbemerkung gibt eine traurige zusätzliche Auskunft, denn sein Vater verstarb vor einem halben Jahr und konnte so die Veröffentlichung des Albums nicht mehr miterleben.
Der Sensenmann war schneller als PRINZ CHAOS!
Und so erfahren wir im Nachhinein per Videobotschaft, dass erst der Tod seines Vaters zu dem Titel der CD, die eigentlich „Chanson & Rebellion“ heißen sollte, führte.

Wie schwer PRINZ CHAOS der Tod seines Vaters trifft, kann man im Digipak lesen und auf der CD hören, auf der er noch nachträglich ein letztes Lied unterbrachte, das nun „nach 20 Sekunden des Schweigens“ erklingt und den Titel „Vaterpflanzen (Am Grab meines Vaters)“ trägt. Der Text konnte allerdings nicht mehr neben allen anderen Texten im sehr schön, wie ein kleines, persönliches Fotoalbum gestalteten 16seitigen Booklet untergebracht werden, soll aber auf seiner Homepage abrufbar sein. Leider war er bisher noch nicht unter den dort abgedruckten Liedtexten zu entdecken, dafür gibt es aber ein bewegendes Video von dem Lied zu sehen und hören, wobei wir zusätzlich folgendes erfahren: „Als sein Vater am 28. April 2017 kurz vor der Drucklegung der CD ‚Väter & Söhne‘ verstarb, ging PRINZ CHAOS noch einmal ins Studio, um diesen Song aufzunehmen. Das Lied ist aber älter. Es entstand drei Jahre zuvor! Damals erreichte den Prinzen auf einer gemeinsamen Tour mit Felix Meyer die Nachricht von einem (neuerlichen) Schlaganfall des Vaters. Das war in Weinheim und der Prinz hat viel geweint in Weinheim. Er ging dann in den Botanischen Garten und schrieb anhand der poetischen deutschen Pflanzennamen ein Porträt seines Vaters. Der Naturliebhaber Ernst Oskar Kirner hatte zudem verfügt, nach seiner Feuerbestattung kein Grabstein oder eine Gedenkstelle erhalten zu wollen. ‚Wer sich an mich erinnern möchte, kann das überall tun‘, hatte er geschrieben und wollte in den Kreislauf der Natur zurückkehren. Dieser Wunsch wurde erfüllt. Die kompostierbare Urne mit der Asche ist nun Teil einer wunderschönen Blumenwiese.“

Vor diesem Hintergrund erscheint „Väter & Söhne“, im Gegensatz zu dem enttäuschenden Vorgänger „TsunamiSurfer“, von der Musik und größtenteils auch den Texten deutlich tiefgründiger, wobei nun endlich die kritischere, aber nicht übertrieben kabarettistische Seite, eine größere Rolle spielt, auch wenn ironische oder spaßige Songs, wie „Michael Jackson in Olching“, natürlich nicht gänzlich ausgespart werden. Schließlich ist PRINZ CHAOS noch immer der chaotische Musik-Adlige und kein Chaosprinzen-Trauerkloß.

Die Stärken des Albums liegen aber trotzdem in den nachdenklichen Liedern, die sich mit der Natur, wie beim „Baumlied“, genauso wie der Politik in „Sommer in Heiligendamm“ unerbittlich und mitunter extrem bissig auseinandersetzen. Hier lässt auch das große Vorbild KONSTANTIN WECKER, auf den sich PRINZ CHAOS immer wieder nur zu gerne beruft und mit dem er persönlich eng verbunden ist, grüßen.

Das bedrückende und durch Akkordeon und Thüringer Waldzither fast etwas mittelalterlich wirkende Lied „Giftzeit der Resignation“ erinnert sogar an HANS-ECKARDT WENZEL und wird so textlich wie musikalisch zu einem der besten Stücke des Albums, das natürlich gleichberechtigt neben dem persönlichsten, seinem Vater gewidmeten und dem Album seinen Titel verleihenden Stück „Väter & Söhne“ steht: „Komm, wir nehmen uns bei der Hand, Freunde, die wir sind. Steigen auf in dieses wundersame Land, das du mir gezeigt hast, du: als Kind.“

Ansonsten bleibt PRINZ CHAOS seinem Grundsatz: „Agitation ist ein durchaus ehrenwertes Fach!“, nach wie vor treu und wendet sich gegen alles, was sich zwischen kleinbürgerlicher Intoleranz, religiösem Wahn, gewissenlosem Militarismus oder radikalen Ansichten bewegt und tritt zugleich für das friedliche Miteinander, sozial Benachteiligte und die Standhaftigkeit im mutigen Umgang mit radikalen Tendenzen aller Couleur ein.

Sicher wäre sein Vater auf dieses Album stolz gewesen!
Das sollte für PRINZ CHAOS wohl die wichtigste Erkenntnis hinter „Väter & Söhne“ sein.

FAZIT: „Väter & Söhne“ ist das fünfte und zugleich beste, aber auch persönlichste Album von PRINZ CHAOS. Unter dem Einfluss seines bereits im Sterben liegenden und noch vor Veröffentlichung des Albums verstorbenen Vaters durchstreift der deutsche Liedermacher die (finsteren und hellen) Räume seiner und seines Vaters Seele, um diese mit Klang und bewegenden Texten sowie Erinnerungen, die sich zu Wort melden und einmischen und manchmal auch recht ironisch sein können, zu füllen.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 2030x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 11 von 15 Punkten [?]
11 Punkte
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Tracklist:
  • Alte Häuser
  • Baumlied
  • Die Worte des Koran (Emir Hassan)
  • Tränen des Vaterlandes (1636)
  • Die Giftzeit der Resignation
  • Die Liebesschlacht
  • Rudi-Egelhofer-Lied
  • Väter & Söhne
  • Madiba Mandela
  • Michael Jackson in Olching
  • Das gute Gefühl
  • Retten & Lieben (Die Toten kommen)
  • Sommer in Heiligdamm
  • = 20 Sekunden des Schweigens =
  • Vaterpflanzen (Am Grab meines Vaters)

Besetzung:

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