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Robin tom Rink: The Small Hours (Review)

Artist:

Robin tom Rink

Robin tom Rink: The Small Hours
Album:

The Small Hours

Medium: CD/Download
Stil:

Singer/Songwriter, Folk, zarter Jazz

Label: RtR / Make My Day Records / Indigo
Spieldauer: 45:53
Erschienen: 13.01.2017
Website: [Link]

Stellen wir uns einfach mal vor, es würde jemanden geben, der all unsere Gedanken, aber nur die uns bedrücken, nachdenklich oder traurig machen, zum Klingen bringen können, der dabei ähnlich wie die Wale durch die Tiefen der Ozeane schwebt und dabei seine traurigen Gesänge anstimmt. Diese Vorstellungen werden gleich Anfang dieses noch jungen, aber bei weitem nicht mehr unbefleckten Jahres 2017 tatsächlich wahr. Und derjenige, der dafür die Verantwortung trägt, heißt ROBIN TOM RINK, kommt aus Köln und beschert uns gemeinsam mit EKKI MAAS – der vielen sicher von der Band ERDMÖBEL bekannt sein wird – nach siebenjähriger Album-Abstinenz dieses intensive musikalisch-kunstvolle Kleinod aus Trauer und Leidenschaft, das der „Rolling Stone“ als "Lieder voll anmutiger Ruhe mit anmutigem Folk und Jazz“ bezeichnete.

Manchmal kommt einem beim Hören von „The Small Hours“ ein STEPHAN EICHER, der singende Wanderer zwischen musikalischen Stilen von World bis Jazz, in den Sinn. ROBIN TOM RINK klingt noch zerbrechlicher, mitunter gar etwas weinerlich und immer, wenn die Trompete von PETER PROTSCHKA zarte Jazz-Tupfer über Rinks Stimme zaubert, dann macht sich gar etwas Schwermut breit – wundervoll klingende Schwermut, die selbst jeden Zweckoptimisten zum Innehalten zwingt. Mit ROBIN TOM RINK jedenfalls würden wir im Sinne der EELS – die eine wirklich gute Bezugsgröße zu seinen nachdenklichen Songs sind – einen „Lucky day in hell“ (aber garantiert kein „Singing and dancing in the rain“) verbringen, damit uns LEONARD COHEN seinen Hut zuwirft. Bei diesen Texten darf sich Rink den gerne aufsetzen, auch wenn seine Stimme viel höher und klarer klingt, als die eines Cohens auf seiner Abschieds-LP – die Stimmung ist eine ähnliche, wie man es von der ersten bis letzten Minute auf „The Small Hours“ hört. Inspiration für den Album-Titel war übrigens eine Textzeile aus einem Buch von James Joyce, zu der Rink selbst bemerkt: „Es handelt sich dabei um die frühen Morgenstunden. Wenn alle schön schlafen und die Klappe halten, wenn es dunkel ist und still und friedlich.“
Ganz genauso klingt dieses Album: friedlich, dunkel, still, in sich gekehrt.

Auch ein Herzenswunsch von Rink ging bei seinem 2017er-Album in Erfüllung. Nämlich seine CD in Zusammenarbeit mit dem ERDMÖBEL-Gründungsmitglied EKKI MAAS aufzunehmen, der die Platte nicht nur in seinem Kölner Studio mixte, masterte und produzierte, sondern auch Gitarren, Bass, Percussion und Posaune einspielte und den ERDMÖBEL-Schlagzeuger CHRISTIAN WÜBBEN hinter die Drums setzte.

The Small Hours“ ist eine traurige, fast resignative Betrachtung der Welt aus dem „Was ist hier nur los?“-Blickwinkel, die der Kölner Musiker uns mit seinen Liedern zugänglich macht. Der große Weltschmerz eben, in dem Geschichten über die Dunkelheit, das Meer und tiefe Abgründe genauso erzählt werden, wie über das Attentat vom 13. November 2015 in Paris („Le Feu Follet“) – der Lieblingsstadt des Musikers, in der er sich oft aufhält und auch an den Orten bewegte, an denen später die Opfer der Attentate zu beklagen waren - bei dem an fünf verschiedenen Plätzen fast gleichzeitig insgesamt 130 Menschen getötet und mehr als 350 verletzt wurden. Musik, die dort entstand, wo Menschen starben – und allen mit auf den Weg gibt: „There‘s a light that never goes out, Arschlöcher!“ (Diese Formulierung wurde wortwörtlich dem Promo-Begleitblatt entnommen und ist auch unter Rinks Homepage zu lesen! - T.K.)

Neben den 15 musikalischen Kunstwerken zwischen ein und fünf Minuten ist auch das 20seitige, von ELMAR SANDER gestaltete, Booklet wortwörtlich ein wahres Kunstwerk, das auf jeder Seite verschiedene Aquarelle mit Zitaten aus den einzelnen Liedern verknüpft. Unverkennbar sind dabei die großen Maler-Meister adaptiert, als da wären VAN GOGH, COURBET, CÉZANNE, TOULOUSE-LAUTREC, MONET und viele mehr.

FAZIT: 15 Songs zum Zuhören. Alles Andere macht bei „The Small Hours“ keinen Sinn – es würde uns eher bedrücken. Den Pop haben die Mainstream-Radio-Prostituierer für sich gepachtet, ROBIN TOM RINK hat die poetische Liedermacher-Melancholie. Sogar ein wenig verunsichert lässt er uns zurück, wenn er in seinem letzten Song „Field Or Forest“ mit den Zeilen endet: „You said / I‘m waiting for someone / Don‘t wait for me.“
Doch keine Angst, wir werden warten.
Warten auf das nächste Album von ROBIN TOM RINK.
Hoffen wir, dass er sich dafür nicht wieder sieben lange Jahre Zeit lässt und es nicht ganz so ruhig und traurig wie „The Small Hours“ ausfällt.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 2318x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 11 von 15 Punkten [?]
11 Punkte
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Tracklist:
  • Face Underwater
  • Foxes
  • Ocean Wanderer
  • Curtains
  • Appointment Of A Different Kind
  • HotelFloor #2
  • Out Of The Haze
  • House By The Sea / World On Its Own
  • Le Feu Follet
  • Measures
  • To A City
  • Such A Foggy Morning
  • Jagoda
  • Spring Came At Last
  • Field Or Forest

Besetzung:

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