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Zu: Jhator (Review)

Artist:

Zu

Zu: Jhator
Album:

Jhator

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Ambient / Weltmusik / New-Age / Elektronika

Label: House Of Mythology
Spieldauer: 42:57
Erschienen: 07.04.2017
Website: [Link]

Manchmal erscheinen Extreme nur so wie weit voneinander entfernte Pole, sind tatsächlich aber Nachbarn und Brüder im Geiste. ZU beispielsweise haben in ihrer 18 Jahre währenden Karriere alle Winkel lärmender Experimentalmusik erkundet, Bässe zu krachenden Geräuschquellen erklärt und sture Symmetrien zur Rhythmusvorgabe gemacht. Dass sie auf ihrem Debüt für das Label House Of Mythology nun jedoch zwei von Ambient-Wabern getragene, vergleichsweise stillschweigende Longtracks von je 21 bzw. 22 Minuten zum gemeinsamen Album erklären, weicht gar nicht einmal so sehr vom Repertoire der Instrumentalisten ab.

„A Sky Burial“ befasst sich mit dem vorwiegend tibetanischen Brauch der Himmelsbestattung, bei welcher der Leichnam zerteilt und Geiern zum Fressen überlassen wird. Das Stück mag für diese Band ungewohnt getragen klingen, wurde aber nicht aus dem Nichts geschaffen: Sein schamanenhafter Charakter sorgt für Übergänge zum Titelstück der EP „Goodnight Civilisation“, bei dessen Ausklang ebensolcher Gesang eingesetzt wurde. Weitere spirituelle Bezüge werden durch den dominanten Einsatz des Hurdy-Gurdy erzeugt, das in diesem Fall ähnlich wie ein Dudelsack für die Erzeugung mehrstimmiger Monotonie eingesetzt wird. Dazu erklingt so etwas wie das duplizierte Echo eines Vogelschwarms, bis alles in Grundrauschen unterzugehen scheint. Doch im Gegensatz zu vielen Ambient-Künstlern streben ZU mit dem Zusammenfall musikalischer Struktur keine Naturalisierung des Klangs an. In dem Stück bleibt etwas Kunstfertiges zurück, das sich im letzten Viertel mit seiner repetitiven Melodie auch bestätigt, die von einem MOGWAI-Album wie „Hardcore Will Never Die, But You Will“ stammen könnte und die mit einem mehrfachen Gongschlag schließlich zum Schweigen gebracht wird.

„The Dawning Moon Of The Mind“ artikuliert sich indes durch den Gebrauch einer japanischen Koto wesentlich akzentuierter und detaillierter. Im Hintergrund breitet sich kontrastreich eine Art Elektro-Smog aus, im Vordergrund wird die Koto mit aller Seelenruhe gezupft – langsam, in sich gekehrt, ohne festen Rhythmus, bis sie plötzlich im disharmonischen Doppelton schnell und oft hintereinander angeschlagen wird. Dann assimiliert sie der Elektro-Smog und wird von ihm virtuell verfremdet wieder ausgespuckt. Auch hier halten die Italiener wieder eine Grundspannung aufrecht, die reinen Soundscapes abgeht.

FAZIT: „Jahtor“ ist die Abkehr von jener Art des Experimentierens, das den Lärm als Schreibfeder versteht. Doch wo schwarz, da auch weiß; wenn ZUs Anhänger open-minded genug waren, die bisherige Diskografie in all ihrem Facettenreichtum zu akzeptieren, wird auch dieses Album kein Problem darstellen; schließlich sind die Urheber durch ihre Faszination für das Rituelle und das Meditative immer noch identifizierbar.

Sascha Ganser (Info) (Review 3450x gelesen, veröffentlicht am )

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Tracklist:
  • A Sky Burial
  • The Dawning Moon Of The Mind

Besetzung:

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