Musikreviews.de bei Facebook Musikreviews.de bei Twitter

Partner

Statistiken

Nothing: Dance on the Blacktop (Review)

Artist:

Nothing

Nothing: Dance on the Blacktop
Album:

Dance on the Blacktop

Medium: CD/LP/MC/Download
Stil:

Shoegaze, Alternative Rock

Label: Relapse Records
Spieldauer: 43:36
Erschienen: 24.08.2017
Website: [Link]

Im Zuge ihres letzten Werkes beliebten die schweren Shoegazer NOTHING in Überlebensgröße „Tired of Tomorrow“ auf ein altes Flachdach zu pinseln. Mit Album Nummer drei lösen sie das dem Morgensüberdruss inhärente Bekenntnis zum Heute ein und bitten zum Tanz auf dem Blacktop, dem Asphalt, welcher trotz farblicher Ähnlichkeit nicht mit einem Vulkan zu verwechseln ist: „Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren!“, oder mit dem Titel des Closers ausgedrückt: „(HOPE) Is Just Another Word With A Hole In It“.

Wie nun klingen – dem Bandnamen entsprechend – nihilistische Frohsinnssongs?
Einen ersten deutlichen Eindruck vermittelt „You Wind Me Up“, in dem sich die ohnehin 90er-affinen NOTHING auf einem leichten, ungewohnt flotten Beat reitend beinahe in Poppunk-Gefilde vorwagen, natürlich ohne ihren schwer-verzerrt-verwischten Blickwinkel aufzugeben. Wesentlich besser gefällt jedoch „Us/We/Are“, das eine der nicht wenigen RADIOHEAD-Verneigungen darstellt, die sich auf dem Album finden. Während sich Bandkopf Domenic Palermo als erklärter „Ok Computer“-Fan zumeist auf dieses Album der Briten bezieht, muss man hier eher an „Pablo Honey“, inklusive „Creep“-Gedächtnis-Akkordfolge denken. Klingt gruselig? Tatsächlich hat man es hier mit einem der gelungensten Momente auf „Dance on the Blacktop“ zu tun, der den Esprit von Songs wie „ACD (Abcessive Compulsive Disorder)“ des vielgelobten Vorgängeralbums aufgreift, aber sich dabei mit einer gelassenen Heiterkeit selbst über die Schulter schaut – was, in Erwartung einer Dreiviertelstunde Get sad-Musik, etwas gewöhnungsbedürftig ist, aber durchaus lange Halbwertszeit beweist.

Was man leider nicht von allen Songs sagen kann: „Plastic Migraine“ und streckenweise auch „Hail on Palace Pier“, sowie der erwähnte Closer dürften Fans der Band, zumal ihres bisherigen Outputs, durchaus zufriedenstellen und genügen der Form nach allen Anforderungen, sehen NOTHING aber recht ratlos auf der Suche nach Markantem durch den selbst erzeugten farbigen Nebel trotten.

Von Neuerungen und Kritikpunkten zu den Ehrungen: Zwei davon müssen gleich für die ersten beiden Songs vergeben werden: „Zero Day“ zündet als krachender, sogleich eingängiger Opener mit makellosem Refrain und durchgängig, mal mehr mal weniger oberflächlich strömendem melancholischem Eskapismus-Flow, der es ohne Umwege ins Live-Repertoire schaffen dürfte. Das massive, farbenprächtige „Blue Line Baby“ klingt zunächst weniger herausragend und denkwürdig, mit der Zahl der Wiederholungen steigt jedoch auch die Wertschätzung dieses, ebenfalls für Fans der letzten beiden Alben besonders attraktive Lied, das mithin an Ausflüge erinnert, die die DEFTONES in Gefilde überpegelter Blutarmutsromantik unternommen haben.
Mit „I Hate The Flowers“ beweisen NOTHING, dass der Weg heraus aus der Zerrissenheit, „too heavy for the lightness, but weightless in the rain“ zu sein, nicht nur in Richtung lightness, sondern auch in Richtung markanter, schwerer Riffarbeit führen kann, die hier in beeindruckender Weise geleistet wird und die öfter zu hören gar nicht verkehrt gewesen wäre.
Wer sich von den (relativ und in Teilen!) achselzuckend-gutgelaunten Songs nicht so recht abgeholt fühlt, kommt mit „The Carpenters Son“ auf seine Kosten: Hier lassen NOTHING in aller Ruhe – sowohl, was Dynamik, als auch, was Länge betrifft – eine gekonnte Depressions-Meditation vom Stapel: „Sitting on the porch / Living with the flies / Your headlights blind us all / NOTHING's a surprise“, flüstert Palermo zu sparsam-getragenen Gitarrenmelodien.

FAZIT: Wohltuenderweise bemühen sich NOTHING weder, das Rad der Rockmusik neu zu erfinden, noch diesen Eindruck zu erwecken, sondern beschränken sich darauf, ein wenig an dem ihrigen herumzubasteln. Ohne von ihrem bekannten Sound (düster gestimmter, doch kraftvoll und farbintensiv vorgebrachter Shogaze) allzu weit abzurücken, befasst sich „Dance on the Blacktop“ auf, um einen englischen Ausdruck zu entlehnen, leichtherzigere Weise mit den bekannten musikalischen wie textlichen Themen, weist jedoch leider auch einige wenige Laschheiten auf, wodurch das Album ein wenig hinter seinem Vorgänger zurückbleibt, für Interessierte jedoch trotzdem voll und ganz zu empfehlen ist.

Tobias Jehle (Info) (Review 2996x gelesen, veröffentlicht am )

Unser Wertungssystem:
  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
[Schliessen]
Wertung: 10 von 15 Punkten [?]
10 Punkte
Kommentar schreiben
Tracklist:
  • Zero Day
  • Blue Line Baby
  • You Wind Me Up
  • Plastic Migraine
  • Us/We/Are
  • Hail On Palace Pier
  • I Hate The Flowers
  • The Carpenter's Son
  • (HOPE) Is Just Another Word With A Hole In It

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
Benachrichtige mich per Mail bei weiteren Kommentaren zu diesem Album.
Deine Mailadresse
(optional)

Hinweis: Diese Adresse wird nur für Benachrichtigungen bei neuen Kommentaren zu diesem Album benutzt. Sie wird nicht an Dritte weitergegeben und nicht veröffentlicht. Dieser Service ist jederzeit abbestellbar.

Captcha-Frage Wobei handelt es sich nicht um ein Getränk: Kaffee, Tee, Bier, Schnitzel

Grob persönlich beleidigende Kommentare werden gelöscht!