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Phantom Winter: Into Dark Science (Review)

Artist:

Phantom Winter

Phantom Winter: Into Dark Science
Album:

Into Dark Science

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Schwarzer Sludge

Label: Golden Antenna Records
Spieldauer: 45:40
Erschienen: 02.03.2018
Website: [Link]

Flowers to step on, flowers to burn... PHANTOM WINTER melden sich zurück! „Into Dark Science“ ist das dritte Album der Ex-OMEGA MASSIFler, seit 2017 ist an der Gitarre Florian Brunhuber von HANDS THAT LIFT THE OCEANS (sehr schönes Album „Impetus“ ist gratis hier zu haben) mit von der Partie.

Ist Album #3 mit den beiden vorherigen vergleichbar? Ja und nein. Natürlich bleiben die Würzburger ihrem Sound (schwärzlicher, rostiger, doomiger Sludge) im Großen und Ganzen treu. Dennoch beweist „Into Dark Science“ durchaus Eigenart und -willigkeit.
Während z.B. (das Album) „Cult“ von der ersten Minute an mitreißen kann und sich als durchaus einladender Höllenschlund präsentiert, hat man es hier beim Opener „The Initiation of Darkness“ gleich mit einer höchst uneindeutigen Wuchtbrumme zu tun: Zu Beginn dahermarschierend wie ein depressiver Ork, verwandelt sich das Stück im Mittelteil in eine vertonte, gott- und hoffnunglose Italowestern-Wüste: Verzerrtes Flüstern (I am lost), ein atonales Quietschen, minimale Gitarrenwinde. Man fühlt sich an NEUROSIS („A Sun That Never Sets“) erinnert – bis zu dem Moment, als das dräuende Gewitter plötzlich hereinbricht: Hut ab vor diesen urgewaltigen, Luftmassen wie Fliegen verwedelnden Riffs! Gen Ende legt die Band noch eine Schippe Brachialität nach – ohne jedoch den in der Luft liegenden Befreiungsschlag in Sachen Tempo umzusetzen. Schwerwiegend, aber auch etwas schwerfällig, mag man denken, nachdem der Song mit Kirchenglocken zu Tode geprügelt wurde.

Ja, es ist mitunter schwierig, sich in diesem Album zurechtzufinden, wenn der winkelschleiferverliebte Nachbar nicht gerade einen vermeintlichen roten Faden das Labyrinth des Sickotauros schmuggelt. Dies gilt vor allem für die zweite Albumhälfte, wo die Songs allgemein weniger Markanzen zur Schau stellen, als in der ersten. In diese zweite Hälfte fällt zum Beispiel „The Craft And The Power Of Black Magic Wielding“, das sichtlich auf trockene, sludgige Brutalität setzt – mehr als alle anderen Songs – und bisweilen gänzlich auch auf die minimalste eisige Melodie-Umkränzung verzichtet. Nicht übel das – denn übel ist hier im Ganzen nichts – aber auch nicht besonders spannend.

Viel besser als dieser Song macht sich sein direkter Nachfolger, das Titelstück. Hier stellen PHANTOM WINTER das zur Schau, wofür man die Band im Zweifelsfall stets loben kann: Destruktive, dreckige, kosmische Erhabenheit, Planetenzerstörungs-Soundtracks. Doch darüber hinaus gibt es an dieser Stelle sehr gelungenes, abwechslungsreiches Songwriting, sowie einige Akzente im Drumming, welches sich (leider) ansonsten meist auf unterstützende Einprügelei beschränkt, zu bewundern.

Um den Closer „Godspeed! Voyager“ gänzlich würdigen zu können, braucht es mehrere Durchläufe. Denn leicht fühlt man sich erschlagen von diesem breitbeinigen Koloss, mit dem die Band sichtlich um einen deutlichen Endpunkt nach einem Album, das in so vielen Punkten das Ende (von Allem) herbeizitiert, ringt: Ein ums andere Mal scheint Sänger Christian Krank anstatt Wörtern einen Schwall Stacheldraht auszuspeien. Vergiss die Artikulation, lies die Texte im Booklet nach – es lohnt sich in der Tat.

Der Song, der am wenigsten Probleme hinsichtlich Fassbarkeit, Erschließbarkeit hat, ist auch derjenige, beim ersten Hören sofort nicht nur für sich, sondern für das Album als Ganzes einnimmt: „Ripping Halos from Angels“ mit der Startnummer 2 lässt sich nach kurzem Brutalo-Einstieg Zeit, Spannung aufzubauen: Sich regende Gewalten, etwas, das wie verzerrte Krähenschreie klingt. Man erinnere sich an den nicht erfolgten Befreiungsschlag in „The Initiation of Darkness“: Hier erfolgt er – und wie! Das stets mit dem Growlen konkurrierende Wawawa-Keifen stößt sich los und prescht, in jauchzender Agonie „vom Himmel durch die Welt zu Hölle“ – oder in die Gegenrichtung? Egal! Wo ist der Lautsärkeregler? Das ist Musik zum Gaspedal durchdrücken: Nachts, ohne Licht, auf der Autobahn, den Scheinwerfern entgegen.

Weniger dem Augenblick verhaftet, weniger „Careful With That Axe, Eugene“-haft, doch ebenfalls ein wahrer Höhepunkt des Albums ist „Frostcoven“: Gleichzeitig nach den Sternen und in den Dreck greifende, kranke Erhabenheit, in der das Wechselspiel zwischen Growlen und Keifen vielleicht am besten umgesetzt wird; eine Dynamik und Emotionalität, die in die brutaleren, blind zermalmenden Momente des Albums hinüber leuchtet.

FAZIT: Leuchtende Augen und blutende Ohren – PHANTOM WINTER enttäuschen auch mit ihrem dritten Werk nicht. „Into Dark Science“ ist ein in jeder Hinsicht schweres Album, das den rechten Ort und die rechte – ausreichende – Zeit braucht, um erlebt zu werden. Zwar krankt das Album an manchen Stellen an einer gewissen Da wäre mehr möglich gewesen-eritis, insgesamt ist das Ganze jedoch viel zu überzeugend, viel zu sättigend, um im Gesamteindruck davon wesentlich beeinträchtigt zu werden.

Tobias Jehle (Info) (Review 1862x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • The Initiation Of Darkness
  • Ripping Halos From Angels
  • Frostcoven
  • The Craft And The Power Of Black Magic Wielding
  • Into Dark Science
  • Godspeed! Voyager

Besetzung:

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  • keine Interviews
Kommentare
Bernd
gepostet am: 24.03.2018

User-Wertung:
15 Punkte

So dunkel, doomig. FETT!
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
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