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Tangled Toughts of Leaving: No Tether (Review)

Artist:

Tangled Toughts of Leaving

Tangled Toughts of Leaving: No Tether
Album:

No Tether

Medium: CD/LP/MC/Download/LP farbig
Stil:

Post Metal/Rock

Label: Bird's Robe Records/Dunk! Records
Spieldauer: 56:24
Erschienen: 27.07.2018
Website: [Link]

TANGLED THOUGHTS OF LEAVING, Post Rock/Metal, instrumental: Man erwartet das Übliche, mehr oder weniger interessante Stimmungssoundtracks, denen durch überlange, schwarzseherische Titel eine Bedeutung einzugeben versucht wird. Man erwartet das Übliche und bekommt nichts davon. Die Australier bieten auf ihrem neuen Album eine Stunde hochklassiger Musik, die weder zum Nervenzusammenbruch, noch zum Einschlafen bringt, weder mit seelenlosen Angeber-Kompositionen, noch mit langweilig aufgeblähter Monotonmelancholie Aufsehen erregen will, sondern von beidem etwas, von beidem das Beste bietet. Denn nicht nur ist “No Tether” ein unglaublich abwechslungsreiches Album geworden, das mit jedem Song eine ganz individuelle Seite offenbart und oftmals derart gelungen, meditativ-narrativ orchestriert ist, dass das Nichtvorhandensein eines Sängers kaum je zu Bewusstsein kommt. Der Band gelingt es auch, durch all diese verschiedenen Ausdrucksformen hindurch eine beständige Stimmung aufrecht zu erhalten. Welche fast naturgemäß eine düstere, bisweilen gar apokalyptische ist.
Dass diese aber mit einer solchen Lebendigkeit, in der sich große technische Versiertheit ausdrückt, dargeboten wird, nimmt der Sache viel von der ihr drohend anhaftenden Plattheit und Austauschbarkeit.

Auf das beständig sich steigernde “Sublunar”, das an frühere MONO denken lässt, folgt “The Alarmist”. Hier begeben sich TTOL in vertrackte Progmetal-Gefilde, dem Titel entsprechend gestaltet sich dieses Kapitel höchst drängend, es dominieren abgehackte Riffs, ehe der Alarmstufe die Katastrophe folgt und alles in monotoner, erhabener Schwere auslöscht, was da zuckt. Markant: Die Band beschränkt sich nicht auf verzerrte Gitarrenarbeit, sondern flicht oftmals Klavierläufe ein, was den orchestral-cineastischen Charakter der Musik noch weiter unterstreicht. Auch das Drumming sticht heraus, da die leichten, komplexen Rhythmen häufig Jazz-Assoziationen wachrufen.
In “Cavern Ritual” versagen sich TTOL jedoch solche Lockerheiten und inszenieren in forcierter Langsamkeit eine Doom-Einlage im Stile von EARTH, gleichermaßen bedrohlich und entspannt.
Das Husarenstück auf “No Tether” ist wohl “Signal Erosion”: Zu Beginn scheinbar deutlich von aktuellen SWANS beeinflusst verzichten die Australier im weiteren Verlauf jedoch weitestgehend auf überlang ausgebreitete Laut-leise-Dialektik und entscheiden sich für eine eher lineare Struktur. Das heißt: Umspült von Klavier-Schäumen zelebrieren TTOL über fünf Minuten einen monumentalen Steigerungsakt, der schließlich in einem lang ausgekosteten, farbenprächitigen Post Metal-Finale endet. Dass “Inner Dissonance” als Kontrast dazu wieder kurz, zurückhaltend, “kammerig” gehalten ist, macht erneut deutlich, dass “No Tether” am Stück gehört werden will, erneut muss betont werden, wie gut es der Band gelingt, jeden Song als individuelles, abgeschlossenes Teil zu präsentieren, das sich ins große Ganze trefflich fügt. Nach “Binary Collapse”, das nicht nur dem Namen nach der kleine Bruder von “Signal Erosion” ist, jedoch zusätzlich mit (echter) Bläser-Unterfütterung punkten kann, setzen TTOL mit dem Titeltrack zum Enspurt an: Minutenlang gibt es noisige Nervennahrung ehe sich aus der Wolke mit Pauken und Trompeten ein Finale schält, das sich gewaschen hat, es scheint fast unumgänglich, die Apokalypse als Vergleich zu bemühen.

Nein, falsch gemacht haben TTOL mit “No Tether” nichts, auch mag es dem Geschmack und Konzept der Band geschuldet sein, dennoch: Das Album ist so beeindruckend, so bedrohlich, so prächtig wie der Weltraum – und auch so kalt. Mitunter wünscht man sich, die Band würde die stellaren Distanzen, die sie aufmacht, auch zu überbrücken verstehen und Zeit für etwas Nähe finden.

FAZIT: So gilt es eben, dieses Album nicht nur zu genießen, sondern auch ein bisschen auszuhalten. Es lohnt sich auf jeden Fall. Äußerst beeindruckende, langlebige, geistvolle Instrumentalmusik.

Tobias Jehle (Info) (Review 332x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • Sublunar
  • The Alarmist
  • Cavern Ritual
  • Signal Erosion
  • Inner Dissonance
  • Binary Collapse
  • No Tether

Besetzung:

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