Musikreviews.de bei Facebook Musikreviews.de bei Twitter

Partner

Statistiken

Louisa Lyne & Di Yiddishe Kapelye: Lust (Review)

Artist:

Louisa Lyne & Di Yiddishe Kapelye

Louisa Lyne & Di Yiddishe Kapelye: Lust
Album:

Lust

Medium: CD
Stil:

Moderne Klezmermusik mit Pop-Appeal

Label: Maestro Music
Spieldauer: 36:40
Erschienen: 07.09.2019
Website: [Link]

Leise Töne, traurige Melancholie, jiddische Klezmer-Klänge und eine himmlische Stimme, der man sofort verfällt – all das erwartet einen auf „Lust“ der schwedischen Sängerin LOUISA LYNE und ihrer DI YIDDISHE KAPELYE. In ihrer Heimat Schweden hat sich Louisa bereits einen anerkannten Namen als Sängerin jiddischer Songs gemacht, denen sie zugleich ein modernes Pop-Appeal und Ohrwurm-Melodien verleiht. Dabei wird sie begleitet von Doppel-Bass, Violine, Gitarre, Akkordeon sowie Klavier und bestätigt nach ihrem Debüt-Album auch auf ihrem 2019er-Album genau das, was Folkworld bereits 2012 begeistert feststellte: „Louisa Lyne tanzt souverän zwischen Klezmer, Tango, Kunst- und Volkslied“.

Die Wahl der Schwedin auf die jiddische Sprache, die übrigens in Schweden als eine der sechs Minderheitensprachen gilt, hängt mit ihrem Musik-Studium in Göteborg zusammen, bei dem sie sich speziell der jüdischen Sprach- und Musiktradition widmete und dies dann in Großbritannien beim Studium der jüdischen Sprache fortsetzte. Doch dass sie besonders auch modernere Rhythmen liebt und Traditionelles nicht immer verstaubt klingen muss, sogar etwas frech sein darf, hört man auf ihrem bereits dritten Album „Lust“ deutlich heraus.

Unverständlich erscheint aber bei der bedrückenden Problematik einiger ihrer Songs, die sich natürlich auf die schwere, von vielen Leiden geprägte jüdische Geschichte beziehen und bereits 2014 besonders beeindruckend mit „Mir lebn eybik“ aus dem Ghetto von Vilna überzeugten, dann das einzig auf Englisch gesungene Stück „Sweet Little War“, bei dem die Liebe mit dem Krieg verglichen wird.
Leidenschaftliche Liebesgefühle hin oder her, es ist ein unpassender Vergleich, wenn sich LOUISA LYNE zuvor beispielsweise in „A Mol Iz Geven“ auf die Judenverfolgung und deren Vernichtung während des Krieges bezog und so die jüdische Seele heraufbeschwor, die alles in ihrem festen Glauben erträgt. Der Gegenspieler von Liebe ist der Hass und aus Hass entstehen Kriege, aber: „Love is a sweet little, love is a war...“, das passt einfach nicht als Vergleich. Trotzdem ist gerade diese, das Album abschließende Ballade, ein Duett mit Daniel Lemma, herrlich gefühlvoll und verträumt ausgefallen.

Musikalisch gelingt „Lust“ durchgehend der kunstvollen Spagat zwischen traditioneller jüdischer Musik, modernen Beats, Keyboard-Elektronik und jede Menge weltmusikalischen Elementen, die am Ende immer ein wenig in Richtung melodiösen Pop wandeln.

Dementsprechend gab man sich auch viel Mühe bei der Gestaltung des anspruchsvollen dreifaltigen Digipaks mit wunderschönen Zeichnungen von Hans Forsell. Das 16seitige Booklet enthält alle originalen Texte, wobei man leider auf deren Übersetzungen ins Englische verzichtete, sodass viele lyrische Hintergründe nur schwer zu erschließen sind, auch wenn man in jedem Song eindeutig die Stimmungen von traurig ist lustvoll heraushört.

FAZIT: Sie ist eine Wandlerin zwischen den Welten und musikalischen Stilen, die Schwedin LOUISA LYNE, die sich auf ihrem dritten Album „Lust“ gekonnt und geschickt zwischen den Welten des Judentums, das sie leidenschaftlich liebt und studiert hat sowie in und mit dessen Stimme sie singt, sowie den modernen Klängen aus Klezmer und elektronischen Sounds, Tanz-Rhythmen und Pop, Tradition und Weltoffenheit bewegt. Geheimnisvoll schön, ohne jegliche Angst oder Vorurteile bei dem in unseren Breiten so komplizierten Umgang mit dem Begriff „Jude“ zu schüren.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 484x gelesen, veröffentlicht am )

Unser Wertungssystem:
  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
[Schliessen]
Wertung: 11 von 15 Punkten [?]
11 Punkte
Kommentar schreiben
Tracklist:
  • Mayn Rue-Plats
  • S‘nemt A Nar
  • Di Tsirkus-Dame
  • Trern
  • A Mol Iz Geven
  • Umru Mayne
  • En Modutredning
  • Sweet Little War

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
Benachrichtige mich per Mail bei weiteren Kommentaren zu diesem Album.
Deine Mailadresse
(optional)

Hinweis: Diese Adresse wird nur für Benachrichtigungen bei neuen Kommentaren zu diesem Album benutzt. Sie wird nicht an Dritte weitergegeben und nicht veröffentlicht. Dieser Service ist jederzeit abbestellbar.

Captcha-Frage Was legt ein Huhn?

Grob persönlich beleidigende Kommentare werden gelöscht!